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Ida Steinhardt, *1911

verhaftet 1938 1939 KZ Ravensbrück
tot 28.5.1942


Hegelstr. 75
Bremen-Neustadt

Ida Steinhardt

geb. 10.12.1911 in Mannheim

Ida Steinhardt war die Tochter der Jüdin Marjal/Marie Steinhardt (geb. 9.4.1880 in Janow Podlaski, Polen), geb. Milstajn, verwitwete Lewkowicz und Schmehl Samuel Steinhardt. Die Mutter war nach dem Ersten Weltkrieg nach Deutschland gekommen und hatte sich hier erneut verheiratet. Sie und ihre in Mannheim geborene Tochter Ida behielten jedoch die polnische Staatsangehörigkeit bei. Ida hatte noch zwei weitere Brüder und zwei Schwestern.

Die Familie lebte zunächst in Mannheim, Mutter und Tochter später gemeinsam in Braunschweig. Ida Steinhardt erhielt hier eine Ausbildung zur Säuglingspflegerin. Diesen Beruf übte sie jedoch nicht aus, sondern sie arbeitete später in einem Krankenhaus, in einem Kaufhaus und im Haushalt.

Am 13.3.1933 wurde Ida Steinhardts Tochter Rita geboren. Die Tochter wurde unehelich geboren, doch der Vater von Rita bekannte sich zur Vaterschaft und zahlte Unterhalt. Im Juli 1934 zog Ida Steinhardt nach Bremen zunächst zum Vater ihrer Tochter, später wechselte sie in Bremen mehrmals den Wohnsitz. Ihre Tochter Rita blieb in Braunschweig und wurde von ihrer Großmutter Marie Steinhardt betreut. Zu dieser Zeit war Ida Steinhardt in einem Fischrestaurant beschäftigt und lernte dort die Schauspielerin Elisabeth Hoppe kennen, mit der sie sich befreundete.

Als Ida Steinhardt nach Bremen gezogen war, war sie erneut schwanger. In einem Kinderheim in Vegesack wurde am 11.7.1934 ihr Sohn Karl-Heinz Joachim geboren, der zunächst im Kinderheim blieb. 1935 zog Ida Steinhardt bei Elisabeth Hoppe in deren Wohnung in die Hegelstraße 75 ein. Nach der Geburt von Karl-Heinz Joachim fand sie Arbeit als Haushaltshilfe bei dem Sohn Elisabeth Hoppes, dem Fahrradhändler Ludwig Hoppe.

Am 10.11.1935 wurde ihr drittes Kind Marianne geboren und ebenfalls von Elisabeth Hoppe aufgenommen. Auch ihr Sohn kam zu diesem Zeitpunkt zu Elisabeth Hoppe. Diese war jedoch nicht in der Lage, drei Kleinkinder zu versorgen. So wurde 1938 für Karl-Heinz eine Pflegefamilie gesucht und gefunden. Ida Steinhardt verließ 1937 ihre Wohnung in der Hegelstraße 75, nachdem der Vermieter erklärt hatte, er wünsche keine Juden in seinem Haus. Daraufhin zog auch Elisabeth Hoppe aus und zog in die Schopenhauerstraße.

Für Ida Steinhardt wurde die Situation immer schwieriger, da ihr Fremdenpass als polnische Staatsangehörige am 5.6.1938 abgelaufen war. Sie wechselte häufig ihren Wohnsitz, um sich angesichts der wachsenden antijüdischen Stimmung und ihres unsicheren Aufenthaltsstatus vor Verfolgungen zu schützen. Ab dem 5.6.1938 war sie für jeweils nur kurze Zeiträume unter verschiedenen Adressen gemeldet, zuletzt für nur wenige Tage im "Judenhaus" am Kaufmannsmühlenkamp 5 bei Familie Oliver.

Schließlich meldete sie sich am 10.12.1938 nach Braunschweig ab. Ihre Mutter Marie lebte nicht mehr in Braunschweig. Sie war auf Grund ihrer polnischen Staatsangehörigkeit im Rahmen der "Polenaktion" am 28.10.1938 nach Polen ausgewiesen worden.

Ida Steinhardt zog zu ihrer Schwester Fanny, die - wie bereits eine weitere Schwester und beide Brüder - in die USA auswandern wollte. In Braunschweig wurde Ida Steinhardt wegen angeblicher "Rassenschande" von der Gestapo verhaftet und am 24.2.1939 im Konzentrationslager Ravensbrück interniert. Von dort aus wurde sie in die Tötungsanstalt Bernburg a. d. Saale gebracht. Diese befand sich zwischen dem 21.11.1940 und dem 30.7.1943 in einem abgetrennten Teil der Landes Heil- und Pflegeanstalt. Dort wurde sie am 28.5.1942 - wie weitere 1400 Frauen aus dem KZ Ravensbrück - mit Gas ermordet.

Ida Steinhardts Sohn Karl-Heinz wurde von seiner Pflegefamilie Mildenberg, die schon einen größeren Sohn hatten, adoptiert. Sie beantragten am 10.12.1938 die Ausreisegenehmigung nach Palästina. Am 30.1.1939 wanderte jedoch nur der Sohn Hans nach Palästina aus. Am 1.6.1939 zog die Familie Mildenberg nach Hannover in die Israelitische Gartenbauschule Ahlem. Doch auch dieser Aufenthalt war nicht von langer Dauer. Die Gartenbauschule wurde aufgelöst und die letzten 23 Bewohner, darunter auch Mildenbergs und Pflegesohn Karl-Heinz, wurden am 15.12.1941 nach Riga deportiert.

Die Töchter Rita und Marianne wurden von Elisabeth Hoppe als Vormund bis zu deren Volljährigkeit bzw. Eheschließung weiter betreut. Sie waren keiner weiteren Verfolgung ausgesetzt.


Verfasserin:
Edith Laudowicz (2012)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E2152
Informationsmaterial der Tochter
Information der Gedenkstätte Ravensbrück
National Archives Washington, Sammlungen MGR/StBG, AGB 169
Universitetsbiblioteket, Lunds universitet, Samling Lakocinski
www.wikipedia.de (Tötungsanstalt Bernburg)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Ravensbrück