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Ludwig Fürstenthal, *1878

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Ostertorstr. 39
Bremen-Mitte

Ludwig Fürstenthal

geb. 5.7.1878 in Breslau

Ludwig Fürstenthal lebte und arbeitete seit 1926 in Bremen als Dentist und betrieb bis 1928 sein "Zahnatelier" - so im Adressbuch aufgeführt - in der Obernstraße 16; danach verlegte er Wohnung und Praxis in die Ostertorstraße 39.

Im Haushalt und Zahnlabor wurde Ludwig Fürstenthal, der gehbehindert war, von Emma Ahlburg (geb. 1903) unterstützt, die ebenfalls im Hause Ostertorstraße 39 wohnte. Sie gab nach Kriegsende im Rahmen des Entschädigungsverfahrens an, seine Verlobte gewesen zu sein. Eine Eheschließung sei aufgrund der NS- Rassengesetze verboten gewesen. Sie sei als "Judenbraut" schikaniert, häufig zur Gestapo vorgeladen und im Verlaufe der Verhöre getreten und geschlagen worden, was zu bleibenden Schäden geführt habe.

In Bremen wurden 1935 Aufrufe zum Boykott jüdischer Ärzte und Zahnärzte vom Amt für Volksgesundheit herausgegeben. Dies war eine der NSDAP angegliederte Organisation und mit der örtlichen Umsetzung der NS-Rassenlehre und Erbbiologie beauftragt. Sein Leiter war der Chirurg Dr. Karl Schubert, der bis 1934 seine Praxis Am Wall 149 hatte. Aus dem Rundschreiben vom 20.8.1935: "Wenn ich heute an die gesamte deutsche Volksgemeinschaft Bremens und seiner Umgebung die Aufforderung ergehen lasse: 'Der jüdische Arzt nur für Juden, aber nie für die deutschen Volksgenossen!', so tue ich das aus dem einzigen Wunsche heraus, die Volksgenossen vor Schaden zu behüten, der ihnen und der Volksgemeinschaft zugefügt wird, wenn sie mit ihrer Gesundheitspflege einen Arzt betreuen, der nicht ihren Blutes und damit bar jeden völkischen Willens ist." Mitgliedern von Partei und NS-Organisationen drohte er mit Ausschluss. Am 3.11.1935 konkretisierte er in einem weiteren Rundschreiben diesen Aufruf, in dem er die Namen der jüdischen und jüdisch verheirateten Ärzte, Zahnärzte und Dentisten aufführte; darunter auch Ludwig Fürstenthal. "Wer beim Juden kauft, sich vom jüdischen Rechtsanwalt betreuen und vom jüdischen Arzt behandeln läßt, ist ein Verräter an Volk und Vaterland."

Als Ludwig Fürstenthal den Bescheid zur Deportation nach Minsk erhielt, verpackte er seine gesamte Praxiseinrichtung in Kisten, um diese mitzunehmen und in der neuen „Heimat“ seinen Mitmenschen helfen zu können. Die Einrichtung der Zwei-Zimmer-Wohnung, ein Schreibtisch sowie ein Instrumentenschrank blieben zurück und wurden nach seiner Deportation von der Polizei abgeholt.

Am 18.11.1941 wurde Ludwig Fürstenthal von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurde er ermordet: sofern er nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlag, fiel er einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.


Verfasser:
Redaktionsteam (2011)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E9569
Bremer Adressbücher

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Minsk