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Irmgard Denker, geb. Borchers, *1917

eingewiesen 9.12.1943 in die "Heilanstalt" Meseritz
ermordet 11.1.1944


Augsburgerstr. 68
Bremen-Findorff

Irmgard Denker

Irmgard Denkergeb. 21.4.1917 in Schmalstede

Als Fünfzehnjährige zog Irmgard Borchers, später verheiratete Denker, mit den Eltern nach Bremen, wo die Familie im Stadtteil Findorff wohnte.

Irmgard Denker heiratete 1940 und 1942 wurde sie schwanger. Gegen Ende der Schwangerschaft entwickelte sich bei ihr eine Schwangerschaftspsychose; sie hielt sich in den letzten Schwangerschaftswochen in dem Notentbindungsheim Gut Hage bei Lingen auf. Von dort wurde sie Ende April 1943 in die Bremer Nervenklinik eingewiesen, weil man befürchtete, sie könnte sich das Leben nehmen. Die am 22. April 1943 geborene Tochter brachte man zunächst in der Frauenklinik unter. Später wuchs sie bei den Großeltern auf.

Irmgard Denker wurde im Dezember 1943 aus der Bremer Nervenklinik nach Obrawalde/Meseritz in die dortige „Heil- und Pflegeanstalt“ verbracht. Schon 1942 hatte die Umstellung der Anstalt Obrawalde in eine Stätte systematischer Krankenmorde begonnen. Die Tötungen erfolgten vor allem durch überdosierte Schmerz- bzw. Beruhigungsmittel; die Kranken starben aber auch infolge vorsätzlich herbeigeführter Erschöpfungszustände und chronischer Unterernährung. Gleichzeitig wurde die systematische Ausbeutung der Arbeitskraft der Patienten forciert. Ein Bremer Pfleger, der einen Transport nach Obrawalde begleitete und dort einige Zeit eingesetzt war, berichtete: „Krankenpflege kennt man hier nicht. (...) Die Leitung der Anstalt hat der Wirtschaftsdirektor, der sich in der Hauptsache für Landwirtschaft und Gartenbau interessiert.“

In dieser Anstalt wurde Irmgard Denker kurze Zeit nach ihrer Einlieferung im Januar 1944 getötet. In ihrer Krankenakte ist vermerkt: „9.12. Mit Sammeltransport in die Landeskrankenanstalten Meseritz-Obrawalde verlegt. Diagnose: Schizophrenie. (…) 11/I 44 Ext. let. Entkräftung infolge Nahrungsverweigerung“ . Ob der 11.1.1944 der wahre Todestag ist oder ob sich hinter dem Datum eine weitere Lüge verbirgt, lässt sich heute nicht mehr klären.

Ihre Tochter sagte später: „Wo und wie sie gestorben ist, darüber hat mir nie jemand erzählt.“


Verfasser:
Dr. Peter F. Zimmermann (2011)

Informationsquellen:
Auskünfte der Tochter
Gerda Engelbracht, Der tödliche Schatten der Psychatrie. Die Bremer Nervenklinik 1933-1945, Bremen 2002, bes. S. 169-172
Thomas Beddies: Die Heil- und Pflegeanstalt Meseritz-Obrawalde im Dritten Reich. In: Kristina Hübener (Hg.): Brandenburgische Heil- und Pflegeanstalten in der NS-Zeit (Schriftenreihe zur Medizin-Geschichte des Landes Brandenburg 3), Berlin 2002, S. 231-258.

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Euthanasie" / Zwangssterilisation