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Leopold Rosenbaum, *1878

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Bahnhofsplatz/auf ZOB-Terminal 3
Bremen-Mitte
ehemalige Straßenbezeichnung: Bahnhofsplatz 16


Bahnhofsplatz/auf ZOB-Terminal 3 - Weitere Stolpersteine:


Leopold Rosenbaum

geb. 12.11.1878

Leopold Rosenbaum wurde in Hannover geboren. Er heiratete am 23.4.1914 in Bremen Paula Nathan (geb. 21.7.1884 in Rendsburg). Das Ehepaar ließ sich in Neustadt am Rübenberge nieder, wo auch die beiden Kinder geboren wurden: die Tochter Lotti (geb. 11.2.1915) und der Sohn Kurt Leopold (geb.16.8.1920).

Die Neustädter Juden waren anerkannt und akzeptiert. Sie nahmen am gesellschaftlichen Leben teil und waren Mitglieder in lokalen Vereinen. Überwiegend waren sie als Kaufleute und Händler tätig. Leopold Rosenbaum betrieb in dem angemieteten Geschäftslokal Marktstraße 13 über 20 Jahre lang das „Kaufhaus A. Behr“, in dem vorwiegend Schuhe sowie Herrenkonfektion und Arbeitskleidung verkauft wurden. Paula Rosenbaum und ihre gehbehinderte Tochter Lotti waren ebenfalls im Geschäft tätig. In dem hinteren Teil des Hauses (Marktstr.14) lag ihre Privatwohnung, deren vier Zimmer „gutbürgerlich“ eingerichtet waren.

Die ein gutes Auskommen sichernden Umsätze des Geschäftes gingen ab 1933 deutlich zurück, da Neustadt am Rübenberge immer mehr von den Nationalsozialisten beherrscht wurde. 1933 gab es nur noch ca. 40 jüdische Einwohner. Die Diskriminierungen – z. B. hinderten SA-Männer zunehmend die Kunden am Betreten des Geschäftes – und die Repressalien zwangen die Rosenbaums, das Geschäft aufzugeben. Sie zogen mit ihrer Tochter am 14.11.1935 nach Bremen, wo Paula Rosenbaum bereits in den Zeiträumen 12.2.1908 bis 1.5.1912 und 5.2.1913 bis 26.4.1914 gelebt hatte. Der Sohn Kurt absolvierte in Achim in eine kaufmännische Ausbildung, nach deren Ende er am 17.3.1939 nach Ecuador auswanderte. Er übersiedelte später nach Kolumbien, wo er am 26.8.2006 starb.

Beim Umzug der Rosenbaums nach Bremen konnten sie die bisherige Wohnungseinrichtung mitnehmen. Am Bahnhofsplatz 16 (heute Hugo-Schauinsland-Platz 3, ZOB 2) eröffneten Leopold und Paula Rosenbaum eine Pension mit fünf Zimmern, die wegen der günstigen Lage gut nachgefragt wurde, zumal jüdische Reisende in anderen Hotels kaum noch aufgenommen wurden. Vom 24.2.1936 bis 2.1.1939 hatten die Rosenbaums zusätzlich das Gewerbe„Mittagstisch“ angemeldet.

In der Reichspogromnacht 9. /10.11.1938 wurden alle männlichen Gäste und der Pensions- inhaber verhaftet. Sie wurden in das Konzentrationslager Sachsenhausen überführt, aus dem Leopold Rosenbaum am 7.2.1939 entlassen wurde.

Die Pension am Bahnhofsplatz wurde 1939 geschlossen. Wie die Familie danach ihren Le- bensunterhalt sicherte, ist nicht bekannt. Ab 30.9.1941 waren die drei Familienmitglieder im „Judenhaus“ General-Ludendorff-Straße 27 (heute Bürgermeister-Smidt-Straße) unter- gebracht. Ihre Auswanderungspläne scheiterten daran, dass die Tochter gehbehindert war und deshalb kein Visum bekam.

Am 18.11.1941 wurden sie in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet; sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen zum Opfer, die Ende 1942 begannen.

Verfasserin:
Barbara Ebeling (2015)

Informationsquellen:
StA Bremen 4,54 –E11441, 4,54-E11442, Einwohnermeldekarte Obenaus (Hrsg.): Handbuch, S. 1094/95

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Judenhäuser"
Glossarbeitrag Minsk