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Fritz-Günther Josephs, *1910

Flucht 1935 nach Holland
Schicksal unbekannt


Rembertistr. 30
Bremen-Mitte


Rembertistr. 30 - Weitere Stolpersteine:


Fritz-Günther Josephs

geb. 4.8.1910 in Jever

Fritz-Günther Josephs war der Sohn von Carl Max Josephs (geb. 1870 in Neustadtgödens) und seiner Ehefrau Röse geb. Birnbaum (geb. 1886 in Hildesheim). Das Ehepaar hatte noch einen weiteren Sohn Hans-Jürgen (geb. 4.2.1912 in Jever).

Im Herbst 1916 zog die Familie nach Bremen, zunächst in die Hohenlohestraße, dann in den Fedelhören und ab September 1930 in die Rembertistraße 30. Fritz-Günther war Kaufmann von Beruf und wohnte bei seinen Eltern.

Sein Vater Carl Max Josephs war Inhaber eines Warengeschäftes, das sich ab ca. 1926 zur Camajo-Kaffeegroßrösterei und Kaffeeversandgeschäft entwickelte. Der Betrieb hatte seinen Sitz in der St.-Pauli-Straße 14. Seine Mutter war im Betrieb integriert und mit Prokura versehen.

Im Oktober 1935 emigrierte Fritz-Günther Josephs nach Amsterdam. Dort arbeitete er zunächst als Vertreter für Schokolade und Süßigkeiten. Möglicherweise halfen ihm dabei die Kontakte, die er über den Betrieb seines Vaters hatte. Am 14.9.1938 heiratete er Frieda Rudawer aus Offenbach (geb. 9.5.1913). Ab Juni 1942 leitete er eine Gemüsevertretung. Sein letzter Wohnungswechsel ist auf der Amsterdamer Meldekartei am 26.11.1942 eingetragen.

Bis Ende 1942 war die "Quote" der SS von 40.000 aus den Niederlanden zu deportierenden Juden erfüllt. Dass das Ehepaar Josephs als Emigranten noch frei war, lässt darauf schließen, dass sie entweder sehr zurückgezogen oder im Versteck lebten. Im Verlauf des nachfolgenden Vierteljahres wurden sie dann aufgespürt, verhaftet und in das Konzentrationslager Vught eingewiesen. Frieda Josephs-Rudawer war zu diesem Zeitpunkt bereits schwanger. Am 31.3.1943 wurde Fritz-Günther in das Sammellager Westerbork überstellt und am 4.5. nach Sobibor abtransportiert und dort vermutlich bereits am 7.5.1943 ermordet.

Frieda Josephs-Rudawer kam erst zwei Tage nach dem Abtransport ihres Ehemannes in Westerbork an. Sie stand auf der Deportationsliste vom 31.8.1943 nach Auschwitz. Ihr Name wurde wieder gestrichen, vermutlich aufgrund ihrer Schwangerschaft. Am 12.11.1943 wurde im Lager ihre gemeinsame Tochter Lieselotte geboren. Der Vater lebte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr und sollte seine Tochter nie zu Gesicht bekommen. Mutter und Kind wurden am 25.2.1944 nach Theresienstadt und am 23.10.1944 weiter nach Auschwitz deportiert, wo beide nach Ankunft ermordet wurden.

Seine Eltern wurden 1939 in das „Judenhaus“ in der Rembrandtstraße 25 eingewiesen. Am 11.12.1939 starb sein Vater. Seine Mutter wurde am 18.11.1941 in das Ghetto Minsk deportiert und ermordet.

Sein Bruder Hans-Jürgen wanderte am 15.10.1933 nach Holland aus. Zunächst nach Bussum, ab September 1934 in Amsterdam wohnend. Trotz wirtschaftlicher Not konnte er in Amsterdam eine Ausbildung in Elektrotechnik machen, ein entsprechendes Geschäft eröffnen und bis zur erzwungenen Schließung 1942 führen. Kurz danach wurde er verhaftet und war vom 18.12.1942 bis zur Befreiung am 15.4.1945 im Lager Westerbork interniert. Seine damalige Ehefrau Vera Josephs geb. Tichauer (Eheschließung 1939, Scheidung 1945) war gleichfalls in Westerbork interniert und überlebte. Beide hatten in Amsterdam für den Judenrat gearbeitet, er als Elektriker, sie als Stenotypistin. Möglicherweise wurden sie deshalb bei Deportationen zurückgestellt, was ihnen das Leben rettete. Am 12.2.1947 wanderte er nach New York aus und verstarb 1966.


Verfasser:
Peter Christoffersen (2012)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akten 4,54-E11902, 4,54-E4300
Archiv Kampwesterbork
Bundesarchiv, Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945
www.joodsmonument.nl

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Auswanderung
Glossarbeitrag Westerbork
Glossarbeitrag Minsk