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Georg Hermann Röhrs, *1904

verhaftet 1935 KZ Esterwegen
"auf der Flucht erschossen" 3.5.1935


Weizenkampstr. 117
Bremen-Neustadt

Georg Hermann Röhrs

geb. 2.10.1904 in Bremen

Georg Johann Hermann Wilhelm Röhrs war von Beruf Heizer und Maschinist. Am 28.12.1928 heiratete er Anna Pauline Lührs (geb. 1904). Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, die alle in Bremen geboren wurden: Waltraud (geb. 1928), Gisela (geb. 1929) und Gertrud (geb. 1931).

Georg Röhrs war Mitglied der KPD und in der Ortsgruppe Duckwitzstraße als Funktionär tätig. Seine Ehefrau soll ihn gegenüber Parteigenossen der KPD als Spitzel der NSDAP bezeichnet und behauptet haben, dass er Mitglied im "Reichsbanner" sei. Daraufhin wurde Georg Röhrs im Jahr 1932 aus der KPD ausgeschlossen. Bei der Polizei hatte sie ihn
außerdem wahrheitswidrig wegen Waffenbesitzes angezeigt. Das Ehepaar lebte seit dem 18.8.1932 getrennt. Die Ehe wurde am 16.11.1933 geschieden.

Weil die KPD-Versammlungen schon vor der Machtergreifung von der Polizei beobachtet wurden, soll Georg Röhrs aus Rache 1932 an einem Sprengstoffanschlag auf einen Polizisten in Hemelingen beteiligt gewesen sein. In die Wohnung des Polizeibeamten wurden zwei mit Karbid und Wasser gefüllte Flaschen geschleudert, die einen Sachschaden in Höhe von rund 40 RM anrichteten. Der Haupttäter wurde zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, die beiden Mittäter zu zweieinhalb bzw. anderthalb Jahren Gefängnis. Georg Röhrs flüchtete nach Syke, wo er 1933 verhaftet wurde. Er wurde nach Bremen in das KZ Mißler gebracht und dort schwer misshandelt. Nach seiner Entlassung wurde er sofort wieder inhaftiert und wegen angeblicher Beamtenbeleidigung von März bis Mai 1934 in das Gerichtsgefängnis in Vechta eingeliefert. Nach seiner dortigen Entlassung fand er für einige Monate Arbeit in Rostock, anschließend kehrte er nach Bremen zurück und wohnte seitdem in der Weizenkampstraße 117. Er fand Arbeit beim Autobahnbau in Elsdorf bei Zeven. Dort wurde er Anfang März 1935 wegen angeblicher "kommunistischer Umtriebe" fristlos entlassen.

Am 6.3.1935 wurde er erneut verhaftet und in das Polizeigefängnis in Bremen Am Wall und am 3.5.1935 in das KZ Esterwegen gebracht, wo er noch am selben Tag zu Erdarbeiten außerhalb des Konzentrationslagers eingeteilt wurde. Nach Angaben von Mithäftlingen habe er seine Karre hingestellt und sei ins Moor geflüchtet. Die Wachhabenden gaben in ihrem Bericht an, er sei mehrfach verwarnt worden und habe dann gesagt "tun Sie mir den Gefallen und erschießen mich." Der SS-Mann Kiesel antwortete daraufhin: "die Kugel ist mir zu schade". Er und der weitere SS-Wachhabende Falk schossen auf den Flüchtenden mit einem Maschinengewehr; Kiesel angeblich nur einen Schuss, der nicht traf. Georg Röhrs war sofort tot.

Am selben Tag erhielt die Mutter die Nachricht, dass ihr Sohn Georg im KZ Esterwegen "auf der Flucht erschossen" worden sei. Den Leichnam holte sein Bruder Willi Röhrs ab. Die Beerdigung fand am 7.5.1935 auf dem Friedhof in Bremen-Walle unter Polizeiaufsicht statt.

Der SS-Mann Falk fiel an der Front, Kiesel wurde am 9.2.1948 wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit festgenommen. Das Verfahren wurde am 27.8.1949 eingestellt, da
ehemalige Häftlinge aus dem KZ Esterwegen ihn nicht eindeutig als den brutalen Aufseher identifizieren konnten.


Verfasserin:
Edith Laudowicz (2011)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E4444
Abschrift der Akte 9 Ks 23/49 der Staatsanwaltschaft, Landgericht Oldenburg 1957
Erich Kosthorst/Bernd Walter, "Konzentrations- und Strafgefangenenlager im Dritten Reich. Beispiel Emsland", Düsseldorf 1983, S. 225 bis 227

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Politisch Verfolgte
Glossarbeitrag Haftstätten in Bremen