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Hermann Böse, *1870

Verhaftet 24.11.1942, Zuchthaus Hamburg-Fuhlsbüttel,
misshandelt, entlassen 15.7.1943, Tot an den Folgen 17.7.1943


Hermann-Böse-Straße 1-9
Bremen-Schwachhausen
ehemalige Straßenbezeichnung: Kaiser-Friedrich-Straße

Verlegedatum: 07.06.2012

Hermann Böse

Hermann Bösegeb. 4.5.1870 in Hemelingen

Hermann Böse war der Sohn von Johann und Anna Marie Böse. Von 1887 bis 1890 absolvierte er das Lehrerseminar in Bederkesa; sein Interesse galt insbesondere der Musikpädagogik. Nach dem Examen folgte eine Ausbildung zum Taubstummenlehrer in Stade. Ab 1892 lehrte er an Taubstummenanstalten in Osnabrück, Hildesheim und Bremen (ab 1897). Am 2.6.1900 heiratete er Margarethe Schierloh, geb. 23.3.1879. Aus der Verbindung stammen die Söhne Hans und Detlev.

Am 1.4.1907 begann seine Lehrtätigkeit am Realgymnasium (heute: Hermann-Böse-Gymnasium), wo er nicht nur als Lehrer, sondern auch als Leiter des Schülerorchesters und des Schulchors sehr erfolgreich war. Bekannt war Hermann Böse nicht nur durch seine kulturellen Aktivitäten, sondern auch durch sein politisches Engagement. 1894 begann sein „Weg zum Sozialismus, der ihm schließlich Sinn und Aufgabe seines ganzen Lebens wurde“. Im gleichen Jahr war er in die SPD eingetreten und wirkte ab etwa 1900 in der Arbeiterbildungsbewegung. Anfang 1905 gründete er den Arbeitergesangverein „Bremen“; diese Tätigkeit verstand er als politische Agitation zur Befreiung der Arbeiterklasse.

Hermann Böse trat aus der SPD aus, weil er den Krieg ablehnte und daran mitarbeiten wollte, revolutionäre Veränderungen herbeizuführen. 1918 trat er in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) ein und arbeitete als stellvertretender Vorsitzender im „Ausschuss für Bildungswesen“ des Arbeiter- und Soldatenrates. Die Ehepaare Böse und (Heinrich) Vogeler aus Worpswede wurden gute Freunde; sie teilten nicht nur die Interessen für Kunst, sondern sie verband auch die kommunistische Überzeugung. Während der Räteherrschaft in Bremen vom November 1918 bis Februar 1919 leitete Hermann Böse das „Volkskommissariat für Schul- und Bildungswesen“ und engagierte sich für die Mitbestimmung von Schülern. Als Spitzenkandidat der KPD zog er am 9.3.1919 in die Bremische Nationalversammlung ein, beendete aber 1920 seine parteipolitischen Aktivitäten. Im gleichen Jahr begann er, wieder im Schuldienst zu arbeiten, nachdem er den Eid auf die Reichsverfassung abgelegt hatte. 1924 zog er in die Besselstraße 21.

Hermann Böse war nicht nur ein glänzender Organisator, sondern er vermochte auch seine Schüler durch unorthodoxen Unterricht und intensive Betreuung zu begeistern. Er war nicht nur Lehrer und Dirigent, sondern gab selbst Klavier- und Orgelkonzerte, betätigte sich als Liederdichter und Komponist. Außerdem schrieb er häufig Musik- und Theaterkritiken.

Schon in den Jahren von 1919 bis 1933 war er wegen seiner angegriffenen Gesundheit gezwungen, häufiger monatelang den Schulunterricht auszusetzen. Aus seinem Abschiedsbrief vom 23.3.1933 an den Schulleiter geht hervor, dass er aus gesundheitlichen Gründen weder den Schulunterricht noch seine Tätigkeit als Leiter des Schulchores bzw. -orchesters fortsetzen konnte.

1933 löste sich der – inzwischen der KPD nahe stehende – Arbeitergesangverein zwangsweise auf. Hermann Böse, dessen Lehrerpension wegen seiner KPD-Mitgliedschaft erheblich gekürzt worden war, musste seinen Lebensunterhalt durch privaten Musikunterricht sichern.

1942 nahm die kommunistische Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe von Hamburg aus Kontakt zu Böse auf, und dieser soll illegale Schriften verteilt haben. Die Gruppe wurde zerschlagen und Böse am 24.11.1942 von der Gestapo verhaftet. Er wurde bis zum 15.7.1943 im Polizeigefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel festgehalten. Selbst schwer leidend, half er seinen erkrankten Mitgefangenen, wo es ihm möglich war. Wegen völliger Entkräftung und und einer in der Haft zugezogenen Krankheit wurde er aus der Haft entlassen. Hermann Böse starb am 17.7.1943 in Bremen an den Folgen der Haft.

Am 30.1.1947 wurde von einem KPD-Abgeordneten in der Bremischen Bürgerschaft der Antrag gestellt, die Schule, in der Hermann-Böse gewirkt hatte, in „Hermann-Böse-Schule“ umzubenennen. Dieses Begehren scheiterte. Dagegen entsprach die Bürgerschaft dem ein Vierteljahr später gestellten Antrag der KPD, die an der Schule vorbeiführende Kaiser-Friedrich-Straße in Hermann-Böse-Straße umzubenennen. Seit 2005 ist der bereits vorher gebräuchliche Name der Schule, Hermann-Böse-Gymnasium, auch förmlich festgeschrieben.

Auf dem Stolperstein vor dem Hermann-Böse-Gymnasium beginnt die Inschrift mit: HIER LEHRTE HERMANN BÖSE ... Vor seinem ehemaligen Wohnhaus in der Besselstraße 21 steht: HIER WOHNTE...


Verfasserin: Barbara Ebeling (2011)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E382
R. Gramatzki (Hg.), 100 Jahre Hermann-Böse-Gymnasium
Artikel „Böse, Hermann“ in: H. Schwarzwälder, Das große Bremen-Lexikon, 2. Aufl., Bremen 2003
Wikipedia-Artikel „Hermann Böse“
Lebenskalender Hermann Böse (Skript Karlheinz Koke)

Abbildungsnachweis: Staatsarchiv Bremen

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Politisch Verfolgte