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Daniel Stoppelman, *1878

Flucht 1939 Holland; Interniert Westerbork; Deportiert 1942
Ermordet in Auschwitz


Löningstraße 29
Bremen-Mitte

Verlegedatum: 11.10.2013


Löningstraße 29 - Weitere Stolpersteine:


Daniel Stoppelman

Daniel Stoppelmangeb. 14.1.1878 in Winschoten

Daniel Stoppelman war der Sohn von Moses und Geerdje Stoppelman, geb. van Zand. Er war seit 1913 deutscher Staatsangehöriger und mit seiner Ehefrau Clementine, geb. Meyer (geb. 15.4.1889 in Hilden), 1917 nach Bremen zugezogen. Sie heirateten am 10.11.1911 in Hilden. Das Ehepaar hatte drei Kinder: Gerda (geb.7.8.1912 in Oldenburg), Ellen (geb. 13.6.1914 in Oldenburg) und Margot (geb. 18.11.1919 in Bremen).

Da der Familienname holländischer Herkunft ist, wurde er ursprünglich mit einem "n" am Ende geschrieben, so auch in der Einwohnermeldekarte. Später hat es eine Angleichung der Schreibweise in Stoppelmann gegeben, die auch in deutschen Urkunden übernommen wurde.

Das Ehepaar wohnte bis zum 28.4.1933 im eigenen Haus in der Löningstraße 29. Wenige Monate später sind sie nach Amsterdam verzogen. Im Sommer 1935 meldeten sie sich wieder in Bremen an und wohnten vom 29.8.1935 bis zum 10.11.1938 in Fedelhören 52.

Daniel Stoppelman war Viehhändler, dessen Geschäfte gut gingen. Gegen Ende 1937 wurde ihm seine Gewerbeerlaubnis entzogen. Ein Zeitzeuge berichtete nach dem Krieg: "...Ich erinnere nur, dass die älteste Tochter eines Tages ganz aufgeregt ins Geschäft kam und mir erklärte, dass sie ihren Vater vom Schlachthof vertrieben und ihn dabei verhauen hätten." Am 25.1.1938 meldete er einen Hausierhandel mit Manufakturwaren an, aber bereits ab dem 6.10.1938 wurde er auf der Einwohnermeldekarte als Privatmann geführt.

In der Pogromnacht 1938 wurde Daniel Stoppelman verhaftet und unter der Bedingung Ende November/Anfang Dezember aus dem KZ Sachsenhausen entlassen, dass er Deutschland zu verlassen habe. Am 27.12.1938 meldete er sich nach Groningen ab. Clementine Stoppelman organisierte mit ihrer Tochter Margot anschließend ihren Umzug nach Holland und verließ am 10.7.1939 Bremen.

Im Herbst 1942 begannen Großrazzien in den besetzten Niederlanden nachdem die Aufrufe an die Juden, sich freiwillig zum "Arbeitseinsatz" zu melden, kaum befolgt wurden. Das Ehepaar Stoppelman wurde im November verhaftet , am 12.11.1942 in das Durchgangslager Westerbork eingeliefert und bereits am 20.11.1942 weiter nach Auschwitz deportiert. Sie gelten ab dem 23.11.1942 als "in der Umgebung von Auschwitz" ermordet.

Nach ihrer Verhaftung wurde die Wohnungseinrichtung in Groningen beschlagnahmt und im Zuge der sog. M-Aktion (M=Möbel) verwertet. Anfangs wurden die Möbel den Verwaltungen in den besetzten Ostgebieten zur Verfügung gestellt, später jedoch bevorzugt den Bombengeschädigten im Deutschen Reich zum Kauf angeboten.

Der Tochter Ellen (verh. Wadsworth) gelang Anfang Juli 1939 die Flucht nach England. Sie lebte später in Los Angeles. Die Tochter Margot (verh. Felsen) verzog 1940 nach Hannover, wurde von dort am 15.12.1941 nach Riga deportiert und überlebte als eine der Wenigen ihre Deportation. Später wanderte sie in die USA aus.

Die Tochter Gerda emigrierte gleichfalls nach Holland und war ab dem 14.10.1933 in Amsterdam gemeldet. 1942 heiratete sie Leon Moldauer. Beide wurden am 26.8.1942 verhaftet und in Mechelen/Belgien interniert. Gerda Moldauer wurde vermutlich am 29.9.1942 in Auschwitz ermordet. Ihr Ehemann kam nach längerem Arbeitseinsatz am 31.8.1944 ums Leben. Gerda Moldauers Sohn Peter (geb. 1934) überlebte die Zeit der Verfolgung bei einer holländischen Familie. Für Gerda Stoppelman wurde im Mai 2013 in der Wulwesstraße 19 ein Stolperstein verlegt.


Verfasser:
Peter Christoffersen (2013)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akten 4,54-E10157, E10158, Einwohnermeldekartei

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Auswanderung"
Glossarbeitrag Westerbork
Glossarbeitrag Auschwitz