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Willy Fröhlich, *1891

Im Widerstand verhaftet 9.2.1944, "Wehrkraftzersetzung" Gefängnis Landsberg a.d. Warthe,
Tot 10.10.1944


Ostendorpstraße 31
Bremen-Mitte

Verlegedatum: 03.12.2015

Willy Fröhlich

geb. 19.12.1891 in Hohndorf/Sachsen

Willy Albin Fröhlich war der Sohn von Hermann Fröhlich und Bertha, geb. Unger. Er war evangelisch und heiratete am 28.6.1919 in Bremen Johanne (Hanny) Claus (9.2.1895 bis 12.12.1970).

Als Lebenslauf gibt die Witwe nach Kriegsende zu Protokoll: "Er besuchte die Schule in Sosa/Erzgebirge. Nach der Schulzeit kam er nach Hamburg und fuhr zur See. Er wurde am Schiff als Steward beschäftigt. Seit dem Jahr 1922 arbeitete er als Kellner hier in Bremen. Er war eifrig für die Gewerkschaften tätig und fungierte in den letzten Jahren vor der Machtübernahme durch die Nazis als Vorsitzender des Zweigvereins der Gasthausangestellten in Bremen. Politisch stand er der SPD und später der KPD nahe. Im Februar 1944 wurde er denunziert, von der Gestapo verhaftet und ins Ostertorgefängnis gebracht. Nach circa 6 Wochen wurde er ins Untersuchungsgefängnis gebracht. Gegen Pfingsten wurde er ins Gefängnis Landsberg an der Warthe gebracht, wo ich ihn besuchen durfte. Ich fand ihn in einem so furchtbaren Zustand vor, dass ich das Schlimmste befürchtete. Am 10. Oktober erhielt ich ein Telegramm mit der Mitteilung, dass mein Mann dort im Gefängnis verstorben sei. Ich fuhr hin und übernahm die Beerdigung. Er wurde dort in Landsberg begraben.“

Er war am 9.2.1944 verhaftet und zunächst im Gerichtsgefängnis Bremen festgesetzt worden. Später kam er ins Zuchthaus Landsberg an der Warthe in Strafhaft. Die Anklage lautete auf "Wehrkraftzersetzung" und "defaitistische Äußerungen". Der Gestapo war seine Behauptung hinterbracht worden, dass Deutschland den Krieg nicht mehr gewinnen könne und dass man dann alle Prominenten der Partei hängen werde. Der Begriff Defätismus, auch Defaitismus, bedeutet einen Zustand der Mutlosigkeit oder Schwarzseherei. Ursprünglich bezeichnete er die Überzeugung, dass keine Aussicht mehr auf den Sieg besteht, und eine daraus resultierende starke Neigung aufzugeben.

Er starb am 10.10.1944. Nach Auffassung der Witwe ist er im Amtsgerichtsgefängnis Landsberg (Warthe) den Hungertod gestorben.

Verfasser:
Günter Kleinen (2015)

Informationsquellen:
StA Bremen 4.54-E 746, Einwohnermeldekarte
Marßolek, Inge und Ott, René: Bremen im 3. Reich. Anpassung - Widerstand - Verfolgung. Bremen 1986

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Politisch Verfolgte