Sie befinden sich hier | Kapitelüberschrift  Suche
Schriftgroesse verkleinern Schriftgroesse normal Schriftgroesse vergrössern
Diese Seite ausdrucken

Rudolph Seligmann, *1899

Deportiert 1941 Minsk
ermordert


Herderstraße 88
Bremen-Östliche Vorstadt

Verlegedatum: 03.12.2015


Herderstraße 88 - Weitere Stolpersteine:


Rudolph Seligmann

geb. 15.7.1899

Rudolph Seligmann wurde als Sohn des Schlachters Moses Jacob Seligmann und seiner Frau Jenny geb. Rosenberg in Emden geboren. Über seine berufliche Tätigkeit gibt es verschiedene Angaben: Zunächst findet sich auf der Bremer Einwohnermeldekarte die Bezeichnung Arbeiter. Sie wurde aber korrigiert zu Kaufmann. Im Erinnerungsbuch Oldenburg wird er als „Inh. eines Fuhrgeschäftes/kfm. Angestellter“ bezeichnet. Im Bremer Adressbuch wurde er ab 1935 als Arbeiter geführt, ab 1938 heißt es unter Berufsangabe: „Nahtransporte“.

Rudolph Seligmann war 1926 nach Bremen gekommen, vorher in Teufelsmoor (Osterholz- Scharmbeck) gemeldet. Silvester 1926 heiratete er Rosa Seligmann, die vorher in Berlin gelebt hatte. Sie war die Tochter von Rahel Seligmann, geb. Magnus und Salomon Jacob Seligmann, einem Schlachter und Viehhändler, und wurde am 28.10.1899 in Emden geboren. Ihre Mutter Rahel stammte aus Linden/Hannover und heiratete den 16 Jahre älteren Salomon am 31.1. 1899 in Hannover. Die Zwanzigjährige war mit ihm in seinen Heimatort Emden gezogen, wo Rosa auch geboren wurde. Nach der Scheidung der Eltern 1913 ging Rosa vermutlich mit ihrer Mutter nach Berlin.

Das Ehepaar Rosa und Rudolph Seligmann wohnte in der Rüstringer Str. 1, Auf der Kuhlen 19 und ab 1931 in der Goethestraße 7. Dort wohnte vorübergehend auch Rosas Mutter Rahel, die 1932 aus Berlin gekommen war und 1935 auch wieder dorthin zog. 1934 zog das Ehepaar in die Brokstraße 46. 1937 ging Rudolph Seligmann für einige Monate nach Oldenburg, nachdem er mit seiner Frau aus der Brokstraße im Januar in die Herderstraße 88 gezogen war. Rudolph Seligmann kehrte aber dann nach Bremen zurück.

Aus Emden kamen 1939/1940 die beiden jüngeren Brüder von Rosa Seligmann mit ihren Familien nach Bremen, von wo sie 1941 nach Minsk bzw. 1942 nach Theresienstadt und Auschwitz deportiert wurden und dort ums Leben kamen. Über die Familien der beiden Brüder von Rosa finden sich weitere Hinweise in der Biografie der Mutter Rahel Seligmann. 1941 musste das Ehepaar Seligmann, das keine Kinder hatte, zwangsweise in das „Judenhaus“ Nordstraße 210 ziehen. Am 18.11.1941 wurden sie von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen zum Opfer, die einen Höhepunkt in der Vernichtung des überwiegenden Teils der Bewohner des „Sonderghettos“ am 28./29.7.1942 fanden.

Verfasser: Franz Dwertmann (2016)

Informationsquellen:
StA Bremen Einwohnermeldekarte Stadtarchiv Emden

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Judenhäuser"
Glossarbeitrag Minsk