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Johannes Lücke, *1888

VON SS ANGESCHOSSEN 1.3.1933,
TOT 2.3.1933


Gröpelinger Heerstraße 76
Bremen-Gröpelingen

Verlegedatum: 20.09.2018

Johannes Lücke

geb. 18.2.1888

Johannes Lücke, genannt Johann, war das erste Opfer des NS-Terrors in Bremen. Am 1.3.1933 hatte er an einer öffentlichen Kundgebung teilgenommen, auf der der Spitzenkandidat der SPD für die am 6. März stattfindende Reichstagswahl, Alfred Faust, sprach. Diese fand in den Centralhallen am Breitenweg statt. Bei dieser Veranstaltung war Lücke zusammen mit 80 Männern der Reichsbanner-Gruppe West als Sicherheitsdienst eingeteilt. Die Bremer Volkszeitung berichtete am 2. März detailliert über einen „mörderischen Anschlag“, der im Anschluss an die Kundgebung stattgefunden habe. Auf dem Nachhauseweg war von SS-Leuten auf eine größere Gruppe von Teilnehmern geschossen worden, die der „Eisernen Front“ angehörten (einem Zusammenschluss der SPD und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold). Drei Verletzte waren zu beklagen, unter ihnen Johann Lücke, der anderntags im Diakonissen-Krankenhaus an den Folgen starb. Er wurde 45 Jahre alt.

Johannes Lücke stammte aus Rengelrode/Thüringen. Nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg zog er 1918 nach Bremen. Hier heiratete er 1919 Henriette Brämer, die – aus Harburg kommend – seit 1909 in Bremen lebte. In der Gröpelinger Heerstraße 76 wohnten sie ab 1927 in einem Vorzeigeprojekt der Baugenossenschaft der Freien Gewerkschaften. Lücke war ausgebildeter Maurer.

Sein Leichnam wurde im Volkshaus aufgebahrt. Die Bremer Volkszeitung berichtete von 15.000 Menschen, die dort kondolierten. Der Trauerzug zur Beerdigung am 7. März wurde kurzfristig verboten, dennoch nahmen 5000 Menschen daran teil. Es war die letzte große Demonstration der Arbeiterparteien. In einem Nachruf der Bremer Volkszeitung hieß es: "Der getötete Sohn der Arbeiterschaft wird mit größerer Anteilnahme des Volkes zu Grabe getragen als Fürsten und andere gekrönte Häupter."

Eine ausführliche Biografie mit Quellenangaben wird im Band 5 der Publikationsreihe STOLPERSTEINE IN BREMEN erscheinen (geplant Frühjahr 2019).

Verfasser: Franz Dwertmann (2018)