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Georg Karl Wilhelm Steeneck, *1899

KZ Neuengamme
ermordet 20.4.1943


Oslebshauser Heerstr. 71a
Bremen-Gröpelingen

Georg Karl Wilhelm Steeneck

Georg Karl Wilhelm Steeneckgeb. 18.6.1899 in Wesermünde

Wilhelm Steeneck ist der Sohn des Bäckermeisters Wilhelm August Steeneck und seiner Frau Amalie Steeneck, geborene Köster. Die Familie hatte ihr Haus in Bremen-Walle. Dort betrieben sie eine Bäckerei und Konditorei. Hier wuchs Wilhelm mit seiner Schwester Lotte auf. Er lernte das Bäckerhandwerk bei der Firma Knigge in der Sögestraße. Er war beruflich erfolgreich und arbeitete zunächst im Familienbetrieb. In seiner Freizeit paddelte er gerne mit Freunden durch Bremer Kanäle und die Wümme. Wilhelm Steeneck hatte in dieser Zeit schon sexuelle Kontakte zu anderen Männern, was seinem Vater wohl bekannt war und mit dem er sich hierüber häufig stritt. Im Juli 1929 verunglückte der Vater tödlich bei einem Verkehrsunfall.

Anfang der 1930er Jahre verurteilte ein Bremer Gericht Wilhelm Steeneck erstmals wegen "widernatürlicher Unzucht". Nach Verbüßung der Haftstrafe war der Familienfrieden empfindlich gestört. Das Geschäft lief schlecht, da viele Kunden den Betrieb aufgrund der "anrüchigen" Vorstrafe von Wilhelm Steeneck mieden. In ihrer Not verpachtete die Mutter zunächst die Bäckerei. Aufgrund säumiger Mietzahlungen verkaufte sie schließlich 1938 das gesamte Haus. Die Familie zog in die Laubenstraße 2, eine heute nicht mehr existente Straße in Bremen-Walle. Wilhelm Steeneck fand zunächst Arbeit im Teehandelsbetrieb Schilling auf dem Teerhof. Anschließend arbeitete er in der Restauration auf Überseepassagierschiffen. Dadurch gelangte er in den Besitz eines Reisepasses, der heute noch existiert und sich im Familienbesitz befindet.

Wilhelm Steeneck wurde nach der Verschärfung des § 175 StGB Ende der 1930er Jahre ein zweites Mal wegen „widernatürlicher Unzucht“ verurteilt. Die Strafe verbüßte er im Zuchthaus Bremen-Oslebshausen. Aufgrund der Haftbedingungen war er schon dort unterernährt und gesundheitlich angeschlagen. Seine Schwester Lotte besuchte ihn einmal, doch aus Scham bat er darum, von weiteren Familienbesuchen abzusehen. Die Haftstrafe endete im März 1943. Nach der Strafverbüßung wurde er nicht entlassen, sondern aufgrund der weiter verschärften Verfolgungsmaßnahmen gegen Homosexuelle am 6. 3.1943 in das Konzentrationslager Neuengamme deportiert. Dort verstarb er bereits nach 45 Tagen im Alter von 43 Jahren nach offizieller Angabe angeblich an Herzversagen ("cardialer Insuffizienz"). Er ist auf der Todesliste vom 20.4.1943 aufgeführt, die die Lagerschreiber verfassten und die erhalten geblieben ist.

Der Stolperstein zur Erinnerung an Wilhelm Steeneck ist vor dem Haus in den Bürgersteig eingelassen, in dem er bei den Eltern gelebt hatte und in das seine Schwester Lotte - nach dem Tod der Mutter im Jahr 1939 - eingezogen war.


Verfasser:
Peter Christoffersen (2011)

Informationsquellen:
www.joerg-hutter.de/wilhelm steeneck.htm

Abbildungsnachweis: Privatbesitz

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Verfolgung Homosexueller
Glossarbeitrag Haftstätten in Bremen
Glossarbeitrag Neuengamme