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Harry Wolff, *1900

deportiert 28.5.1943 nach Auschwitz
ermordet


Paschenburgstr. 44
Bremen-Schwachhausen

Harry Wolff

geb. 20.8.1900 in Vegesack

Harry Wolff war zwischen 1920 und 1930 einer der erfolg- und einflussreichsten Männer der niederdeutschen Heimatbewegung. Er war Literat, Autor, Redakteur und Verleger. Er war ein jüdischer Autor, der aus Liebe zu seiner Heimatsprache auf Plattdeutsch schrieb, in der tiefen Überzeugung, dass ihr besondere Kräfte und Werte innewohnen.

Vegesack war das prägende Element seiner Jugend: „Du min Stadt an’n Weserstrann“, nannte Harry Wolff seinen Heimatort. Seine Eltern, der Kaufmann Siegmund Wolff und seine Ehefrau Selma, besaßen zwei Häuser in der Hafenstraße. Ihr Bettengeschäft ist älteren Vegesackern noch in Erinnerung. Es wurde in der Pogromnacht 1938 verwüstet. Sein Vater war langjähriges Mitglied im Stadtrat Vegesack, dessen Vetter der letzte Vorsteher der Synagogengemeinde Aumund-Blumenthal-Vegesack.

Mit 17 Jahren, im Jahr 1917, brachte er sein erstes Buch „Wandervogels Fahrtenschatz“ heraus. Mit 18 Jahren, nach Ende des Ersten Weltkrieges, begann er eine dreijährige Lehre bei der renommierten Buchhandlung Ludwig Ey in Hannover. Während dieser Zeit veröffentlichte er auch sein zweites Buch „Von Sonne und Leben“ sowie heimatkundliche Texte für Tageszeitungen und Zeitschriften. Im Jahr 1924 wurde er in der wichtigsten Liste niederdeutscher Dichter geführt. Er war Gründer und Herausgeber der Halbmonatsschrift „Unterm Strohdach“ und als Schriftleiter der „Niederdeutschen Heimatblätter“ mit dem Aufbau eines Buchverlags beschäftigt.

Im Jahr 1922 hatte er Mathilde Kaftan geheiratet (geb. 1896), eine Hannoveranerin aus betont evangelisch-christlicher Familie. Im Jahr 1926 wurde die Tochter Ruth Gisela geboren.

Die Familie lebte nunmehr in Bremen, der Wechsel des Wohnorts war bedingt durch Harry Wolffs neue Stellung als Verlagsdirektor bei Ludwig Roselius im Friesenverlag in der Böttcherstraße. In dieser Rolle führte er die „Niederdeutschen Heimatblätter“ weiter und versuchte die Buchabteilung wieder zu beleben. Unter diversen Veröffentlichungen erschien 1927 das „Jahrbuch für niedersächsische Heimatart“. Die Zusammenarbeit mit Roselius bestand bis Ende 1927; Anfang 1928 gründete er die Zeitschrift „Niederdeutsche Welt“, die in kürzester Zeit Furore machte. Im März 1933 wurde seine Tätigkeit als Schriftleiter der Zeitschrift „Niederdeutschen Monatshefte“ zwangsweise beendet; bereits im Februar 1933 hatte er alle Materialien über seinen Heimatort dem Heimat- und Museumsverein Vegesack übergeben, wie in dessen Protokollbuch vermerkt ist.

Seinen Lebensunterhalt verdiente er nun mit dem Handel von Kaffee. Seine Firma wurde bis zum 9.8.1938 beim Finanzamt unter seinem Namen geführt, danach wurde sie auf seine Frau Mathilde überschrieben, da Juden aus dem Gewerbeleben ausgeschlossen wurden. Bis 1941 lebte die Familie in der Paschenburgstraße, ihm gehörte die Wohnung, ihr die Firma.

Am 10.2.1943 verhaftete die Gestapo Harry Wolf, seine Ehe wurde kurz darauf im März aufgehoben, und man deportierte ihn am 28. Mai nach Auschwitz. Die Ursache seines Todes im Vernichtungslager - datiert auf den 13. Dezember - soll „Herzschwäche bei septischer Angina“ gewesen sein, so die Umschreibung seiner Ermordung.

Seine nichtjüdische Ehefrau Mathilde wurde im Juni 1943 in das KZ Ravensbrück, seine Tochter Ruth Gisela im Mai 1943 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Beide haben überlebt.


Verfasserin:
Dagmar Eder (2011)

Informationsquellen:
Rolf Rübsam, Über Harry Wolff, Bremen 2007
Sendung von Radio Bremen vom 28.07.1987, wiederholt am 5.9.1987, von Claus Schuppenhauer

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Auschwitz
Glossarbeitrag Ravensbrück
Glossarbeitrag Theresienstadt