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Selma Feldheim, geb. Rosenbaum, *1883

eingewiesen 21.9.1940 in die "Heilanstalt" Wunstorf
ermordet 11.2.1942 Landesanstalt Brandenburg


Bauhüttenstr. 8
Bremen-Gröpelingen

Selma Feldheim

geb. 17.6.1884 in Lünen

Im Jahr 1937 erlitt Selma Feldheim, die Ehefrau von Ernst Feldheim und Mutter von zwei Kindern war, einen Schlaganfall, der dazu führte, dass sie noch im selben Jahr in die Bremer Nervenklinik eingewiesen wurde.

Als im Frühjahr 1940 die systematische Erfassung und im Sommer desselben Jahres die Aussonderung und Tötung aller jüdischen Patienten in den psychiatrischen Anstalten begann, war auch Selma Feldheim davon betroffen. Am 23.9.1940 trat sie mit einer weiteren jüdischen Patientin die Reise aus der Bremer Nervenklinik in die als Sammelanstalt fungierende Heil- und Pflegeanstalt Wunstorf bei Hannover an.

Laut offizieller Todesurkunde wurde Selma Feldheim nach Chelm/Lublin deportiert, wo sie am 11.2.1941 an den Folgen der Ruhr gestorben sein soll. Tatsächlich wurde Selma Feldheim von Wunstorf aus am 27.9.1940 in die Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel transportiert, wo sie sehr wahrscheinlich noch am selben Tag in der Gaskammer ermordet wurde.

Ihr Ehemann Ernst Feldheim ließ sich 1938 von ihr scheiden. Er war vom 17.6.1938 bis zum 21.1.1939 im KZ Sachsenhausen interniert und wurde "zwecks Betreibung seiner Auswanderung" entlassen. Im April 1939 heiratete er seine Wohnungsgeberin Bertha Ahron. Mit ihr, einem Stiefsohn und einer Stieftochter flüchtete er dann nach Belgien. Von dort, 1940 verhaftet, kam er nach Frankreich in das Lager Saint-Cyprien. Es gelang ihm zu fliehen und zu seiner Familie nach Brüssel zurückzukehren. Er wurde jedoch erneut am 11.11.1942 verhaftet und im Sammellager Mechelen inhaftiert. Mit dem Transport Nr. 18, der Mechelen am 15.1.1943 verließ, kam er am 17.1.1943 im Vernichtungslager Auschwitz an. Sein Todestag ist nicht bekannt.

Ihr gemeinsamer Sohn Walter konnte am 15.3.1939 nach Schweden flüchten, ihre Tochter Marianne hatte einen Nichtjuden geheiratet und musste in ihrem Wohnort in der Nähe Bremens längere Zeit versteckt, zeitweise in einem Erdbunker, leben.


Verfasser:
Gerda Engelbracht (2011)
Peter Christoffersen (2014)

Informationsquellen:
Archiv Klinikum Bremen-Ost, Krankenakte
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E4106
Gerda Engelbracht, Der tödliche Schatten der Psychiatrie, Bremen 1997
Biografie Ernst Feldheim zum Stolperstein Faulenstraße 98/100

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Euthanasie" / Zwangssterilisation
Glossarbeitrag "Heilanstalten"