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David Slager, *1890

deportiert 1943 nach Theresienstadt
ermordet in Auschwitz


Richard-Wagner-Str. 30
Bremen-Schwachhausen

David Slager

geb. 31.10.1890

David Slager wurde in Lüdenscheid geboren. Er stammte aus einer weit verzweigten jüdischen Familie, von der viele in den Niederlanden lebten. Er hatte fünf Geschwister, die bis auf die älteste Schwester Caroline (1889-1955) in Konzentrations- oder Vernichtungslagern umgekommen sind: Friederike Slager (1891-1942) im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, Moritz Slager (1894-1945) in einem Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen, Dina Slager (1898-1943) im Vernichtungslager Sobibor, Siegfried Slager (1899-1943) im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Die Eltern von David Slager stammten aus den Niederlanden. Der Vater Benjamin Slager war 1860 in Kampen geboren und ist 1941 in Groningen gestorben. Von Beruf war er Händler. Die Mutter Elisabeth Slager-Noack war 1854 in Goor geboren. 1943 wurde sie von Groningen aus in das niederländische Durchgangslager Westerbork deportiert und ist dort am 23.3.1943, mit 89 Jahren, gestorben.

Die Slagers lebten etwa seit 1888 in Lüdenscheid in der Bahnhofstraße 48, wo ihre sechs Kinder zur Welt gekommen sind. Am 20.10.1938 emigrierten die Eltern Benjamin und Elisabeth Slager nach Groningen in den Niederlanden.

David Slager zog 1906 mit 16 Jahren nach Essen, wo er drei Jahre blieb. 1909 kehrte er kurz nach Lüdenscheid zurück, und dann begann für den Unverheirateten ein unruhiges Wanderleben. Als Berufsbezeichnung ist in der Einwohnermeldekarte in Lüdenscheid „Kaufmann“ angegeben. Er wohnte, meist nur für wenige Monate, in Peine, Hohenlimburg, Schwelm, Barop, Hombruch, Hagen und Oberhausen. In Oberhausen blieb er für etwa zehn Jahre. Dann zog er nach Hamburg und schließlich nach Bremen. Zwischen den Aufenthalten in den Orten in Nordrhein-Westfalen kehrte er immer wieder kurz nach Lüdenscheid zurück.

In Bremen lebte David Slager, als Beruf ist auf der Meldekarte jetzt„kaufmännischer An- gestellter“ verzeichnet, vom 6.2.1932 an Am Wall 195, am 4.4.1932 war er Am Wall 161 gemeldet und lebte schließlich vom 27.9.1932 bis zum 15.12.1933 in der Richard-Wagner-Straße 30. Am 17.1.1934 war er wieder in Lüdenscheid gemeldet und von dort am 28.4.1934 nach Berlin verzogen. Ab dem 1.4.1936 lebte er in der Emser Straße 37-38 in Berlin-Wilmersdorf. Von dort hat er sich am 31.10.1938 nach Amsterdam abgemeldet.

In Amsterdam lebte David Slager zusammen mit seinem Bruder Moritz, dessen Frau Helene Slager-Gobas (1894 - 1942) und deren gemeinsamer Tochter Trude (1924 - 1942) in einer Wohnung in der Van Woustraat 219 II. Sie waren am 14.10.1938 nach Amsterdam emigriert. Helene und Trude Slager wurden 1942 in Auschwitz-Birkenau ermordet.

David Slager wurde am 21.4.1943 von Amsterdam aus mit dem Transport XXIV/1 Nr. 150 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Es handelte sich um einen Transport mit 295 ausschließlich aus Deutschland stammenden Juden. Einige von diesen Menschen wurden aus dem Durchgangslager Westerbork nach Amsterdam überführt, andere waren schon vorher in der„Joods Schouwburg“ in Amsterdam interniert, dem großen Amsterdamer Theater „Hollandsche Schouwburg“, das von den deutschen Besatzern seit August 1942 zur Sammel- und Deportationsstelle für Juden umfunktioniert worden war. Am 12.10.1944 wurde David Slager mit dem Transport Eq Nr. 113 von Theresienstadt in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.

Verfasserin: Anning Lehmensiek (2017)

Informationsquellen:
StA Bremen Einwohnermeldekartei
Schriftliche Auskünfte des Stadtarchivs Lüdenscheid/ Saskia Bruns
Joods Cultureel Kwartier, Hollandsche Schouwburg, Amsterdam/Ariane Zwiers Joods Monument Amsterdam
Landesarchiv Berlin
www.holocaust.cz

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Theresienstadt
Glossarbeitrag Auschwitz