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Abraham Singer, *1881

ausgewiesen 1938 nach Polen
Schicksal unbekannt


Sebaldsbrücker Heerstr. 107/im Einfahrtsbereich
Bremen-Hemelingen
ehemalige Straßenbezeichnung: Sebaldsbrücker Heerstr. 89


Sebaldsbrücker Heerstr. 107/im Einfahrtsbereich - Weitere Stolpersteine:


Abraham Singer

Abraham Singergeb. 12.10.1881 in Sankau/Braunsberg

Abraham Singer stammte aus Polen, wo er 1901 Chaja Schott heiratete. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor.

Ab 1910 war Abraham Singer in Bremen gemeldet. Im Ersten Weltkrieg war er Unteroffizier im österreichischen Heer (1914-1918). Er war Kaufmann und handelte mit unedlen Metallen. 1924 erhielt er die Erlaubnis zum Metallhandel. Nach Erinnerung seines Sohnes Isaak war er wegen „seiner Ehrlichkeit überall beliebt“.

Am 27.10.1938 erhielten Abraham Singer und seine Frau im Rahmen der Polenaktion die Verfügung, das Reichsgebiet bis zum 29.10.1938 zu verlassen.

Das Metalllager wurde beschlagnahmt. Die SA verkaufte 12,5 t Zink und 3,8 t Blei an einen Händler und erhielt dafür 1.500 RM. Das Geld wurde an die SA-Standarte 14 in Verden gesandt, die es an die Gestapo Wesermünde weitergegeben haben soll. Die Gestapo wollte das Altmetall erneut bei dem Händler beschlagnahmen. Der hatte es aber schon zum Einschmelzen nach Hamburg gegeben. Die dafür erhaltenen 1.800 RM wurden daraufhin eingezogen.

Die Wohnung der Singers in der Sebaldsbrücker Heerstr. 89 (vier Zimmer) wurde am 1.11.38 von der Kripo versiegelt. Abraham Singer hatte die Tochter Chaja beauftragt, die Bremer Wohnung und das Warenlager aufzulösen. Den Erlös verwandte sie, um Wäsche und Kleidung dafür zu kaufen und sie ihren Eltern in Polen zukommen zu lassen. Für die Wohnungseinrichtung fanden sich keine Abnehmer.

Bis 1939 hatte der Sohn Isaak noch Kontakt zu seinen Eltern, die in Chrzanow lebten. Deren weiteres Schicksal ist unbekannt. Im Gedenkbuch wird auf eine weitere Deportation gen Osten verwiesen. Abraham und Chaja Singer wurden auf den 8.5.1945 für tot erklärt.

Die Tochter Chaja Singer lebte in Hannover und war mit Samuel Krajsmann verheiratet. Sie emigrierten 1939 mit der Gneisenau von Bremen nach Shanghai. Auf der Passagierliste ist auch noch ein Manfred K., ohne persönliche Daten, verzeichnet. Vermutlich ihr Sohn. Später lebte sie in San Francisco, USA.

Der Sohn Emanuel Singer emigrierte am 1933 nach Frankreich und lebte später in Spanien.

Die Tochter Bertha war durch ihre Heirat mit Ludwig Herbert Tworoger 1936 nach Aschersleben gezogen. Nach der Dokumentation von Yad Vashem war die Familie Tworoger auf der „List of Jews from Magdeburg and the Magdeburg vicinity deported, 13-14/04/1942 and 13/07/1942“ verzeichnet. Die Transporte gingen über Magdeburg und Potsdam ins Warschauer Ghetto. Nach Angaben ihres Bruders Herrmann ist sie dort 1943 gestorben.

Der Sohn Jizrak (Isaak) Singer ging 1935 nach Blankenese (Steubenweg 36), um sich im Rahmen der Hachshara auf die Emigration nach Palästina vorzubereiten, wohin er 1936 auswanderte.

Die Tochter Fanny Singer zog 1937 nach Berlin. Sie war Haushaltsgehilfin. Sie heiratete einen Herrn List (Vorname nicht bekannt) und hatte ein Kind. Sie ist auf der Liste der Deportierten aus Berlin verzeichnet. Ihr Bruder Hermann hat sie in Yad Vashem als 1943 im Warschauer Ghetto verstorben gemeldet.

Die Tochter Sophie Singer wurde 1938 nach Polen ausgewiesen. Von dort aus gelang ihr die Emigration nach England.

Der Sohn Hermann Singer wurde 1938 nach Polen ausgewiesen. Von dort aus gelang ihm die Flucht nach Schweden.

Das Schicksal des Sohnes Samuel Singer ist unbekannt. Er war verheiratet und hatte zwei Kinder.

Kinder:
Chaja (Hanna), verh. Krajsmann, geb. in Chrzanow (überlebt)
Emanuel, geb. 1909 in Chrzanow (überlebt)
Bertha, verh. Tworoger, geb. 1911 in Bremen
Jizrak (Isaak), geb. 1912 in Bremen (überlebt)
Fanny, verh. List, geb. 1914 in Bremen
Sophie, verh. Kirch, geb. 1917 in Bremen (überlebt)
Hermann, geb. 1920 in Bremen (überlebt)
Samuel (Geburtsdatum unbekannt, Schicksal unbekannt)


Verfasser:
Peter Christoffersen (2011)

Informationsquellen:
Anne E. Dünzelmann, Juden in Hastedt, Bremen 1995
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E1030, E1031
Passagierliste Gneisenau (Staatsarchiv Bremen, Handelskammer Bremen)

Abbildungsnachweis: Privatbesitz

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Polenaktion