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Benno Schustermann, *1885

deportiert 1942 nach Theresienstadt
ermordet in Auschwitz


Vor dem Steintor 45
Bremen-Östliche Vorstadt

Benno Schustermann

geb. 19.10.1895

Benno Schustermann wurde in Altdorf, Kreis Pless geboren. Von Beruf war er Kaufmann. Ab 1906 war er mit Unterbrechungen in Bremen gemeldet.

Offenbar war er Soldat im Ersten Weltkrieg, denn nach einem Zeitzeugenbericht hatte er in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in einem der Schaufenster seines Geschäftes ein Kissen mit seinen Orden aus dem Ersten Weltkrieg ausgelegt.

Am 11.6.1921 heiratete er Johanna Deckert (geb. 21.6.1886 in Delmenhorst). Seine Frau galt nach amtlicher Erklärung des Standesbeamten bei der Eheschließung als katholische „Arierin“, d. h. er war nichtjüdisch verheiratet. Das Ehepaar Schustermann hatte keine eigenen Kinder, aber sie adoptierten einen Jungen, Lothar (geb. 29.6.1925 in Marburg). Die Familie wohnte zunächst in der Falkenstraße 36. Benno Schustermann arbeitete als Schuhvertreter. Johanna Schustermann gehörte das Haus Heidelberger Straße 18, welches sie dann gegen das Haus Vor dem Steintor 45 tauschte. Dort wohnte die Familie und eröffnete in dem Haus ein Geschäft für „Wäsche-, Woll- und Strumpfwaren, Herren- und Damenmode“. Das Geschäftskapital trugen beide Ehepartner je zur Hälfte, als Geschäftsinhaber war Benno Schustermann eingetragen.

In der Broschüre der Kreisleitung der NSDAP von 1935 „auch dich geht es an“ wurde zum Boykott ihres Geschäftes aufgerufen. Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde die Ware ohne Entschädigung an die Firma Wührmann/Am Brill übereignet. Die Koordination der „Arisierung“ übernahm anscheinend teilweise die Handelskammer: In einem Schreiben vom 8.12.1938 fragte sie nämlich beim Bürgermeister an, wie die bei ihr lagernden beschlagnahmten Geschäftsbücher zu den bestellten Abwicklern gelangen sollten. Das Geschäft wurde am 21.12.1938 im Handelsregister gelöscht. Die Familie Schustermann musste nunmehr allein von den Mieteinnahmen leben.

Benno Schustermann wurde in der Reichspogromnacht verhaftet und in das Konzentra- tionslager Sachsenhausen gebracht, doch kam er – eventuell aufgrund der Intervention seiner„arischen“ Ehefrau – bald wieder frei. Am 23.11.1938 erklärte er, er wolle auswan- dern, was aus bisher nicht zu klärenden Gründen offensichtlich nicht zustande kam. Er blieb in Bremen zurück und fand bis zu seiner Deportation am 23.7.1942 in das Ghetto Theresienstadt Arbeit in der Schlosserei Theodor Eickemeyer.

Die Ehe mit seiner nichtjüdischen Frau wurde zwar erst Monate nach seiner Deportation rechtskräftig geschieden (am 2.2.1943), aber das Scheidungsbegehren der Ehefrau lag drei Jahre zurück. Die Tatsache, dass Johanna Schustermann als deutsche Staatsangehörige von ihrem jüdischen Ehemann länger als drei Jahre getrennt gelebt hatte, führte dazu, dass Benno Schustermann den Schutz vor der Deportation durch die „Mischehe“ verloren hatte und daher sogar noch vor Rechtskraft des Scheidungsurteils deportiert wurde.

In den Trennungsjahren hatte Benno Schustermann die gemeinsame Wohnung verlassen und war zunächst beim Dentisten Ludwig Fürstenthal im Gebäude Ostertorstraße 39 eingezogen, der wie er jüdischer Herkunft war. Nach dessen Deportation am 18.11.1941 in das Ghetto Minsk war Benno Schustermann gezwungen, in das „Judenhaus“ in der Keplerstraße 36 umzuziehen.
Gemeinsam mit seinem Sohn Lothar wurde er schließlich von hier aus nach Theresienstadt deportiert. Er selbst wurde am 28.10.1944 mit dem letzten Transport in das Konzentra-tionslager Auschwitz überstellt und dort ermordet.

Sein Sohn überlebte im Ghetto Theresienstadt und kehrte im Sommer 1945 nach Bremen zurück. Er wanderte später in die USA aus und nannte sich fortan Larry Schuster- mann. Dieser kam jedoch zwischenzeitlich nach Bremen zurück, ließ das von Bomben zerstörte Haus Vor dem Steintor 45 wieder aufbauen und eröffnete das Geschäft der „Firma Benno Schustermann“ erneut. Im Jahre 1950 wurde es vermietet.

Dr. Arnold Schustermann, ein Bruder von Benno Schustermann, konnte 1933 nach England emigrieren.

Johanna Deckert, geschiedene Schustermann, starb am 7.10.1965 in Bremen.

Verfasserin: Barbara Ebeling (2016)

Informationsquellen:
StA Bremen 4,54-E2402
www.ushmm.org (Holocaust Survivor & Victim Database Washington) www.holocaust.cz/de/victims

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Novemberpogrom
Glossarbeitrag "Arisierung"
Glossarbeitrag Auschwitz