Sie befinden sich hier | Kapitelüberschrift  Suche
Schriftgroesse verkleinern Schriftgroesse normal Schriftgroesse vergrössern
Diese Seite ausdrucken

Clara Posener, geb. Salomon, *1898

deportiert 1942
ermordet in Auschwitz


Waller Heerstr. 50
Bremen-Walle


Waller Heerstr. 50 - Weitere Stolpersteine:


Clara Posener

geb. 23.2.1898 in Hamburg

Clara Posener, geb. Salomon, war eine Tochter von Albert und Ida Salomon, die in Bremen in der Kaiserstraße 14 eine Buch- und Zeitschriftenzentrale betrieben. Sie hatte vier Geschwister: Leopold (geb. 1898), Sophie (geb. 1902), Else (geb. 1904) und Grete (geb. 1907).

Am 19.11.1919 heiratete sie in Bremen David Posener (geb. 1890 in Hamburg), den Sohn von Julius Posener und seiner Frau Dora, geb. Rosenthal. David Posener hatte in Hamburg nach dem Besuch der Talmud Thora Realschule eine kaufmännische Lehre absolviert. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Infanterist in Russland teil, wurde bei Neidenburg verwundet, mit dem Eisernen Kreuz (EK II) ausgezeichnet, geriet in russische Kriegsgefangenschaft und war in Wiatka (Ural) interniert.

Am 1.6.1924 kam der Sohn Manfred zur Welt. Die Familie bewohnte in der Waller Heerstraße 50 eine komfortable Wohnung. David Posener übernahm als Handelsvertreter u.a. die Vertretung von Bremer Zigarrenfabriken und einer Chemnitzer Strumpffabrik. Er verdiente gut, für seine Reisen benutzte er einen eigenen Mercedes. Im Vertrauen auf das als Frontsoldat für Deutschland Geleistete fühlte er sich auch nach Beginn der NS-Herrschaft sicher.

Das Geschäft ging jedoch zurück, und nach der Änderung der Gewerbeordnung im Juli 1938 durften Juden nicht mehr als Handelsvertreter arbeiten; am 20.7.1938 meldete David Posener seine Tätigkeit als Handelsvertreter ab. Wie es dem Sohn Manfred zu dieser Zeit erging, hat Herbert Goldschmidt (geb. 1926), der Vetter Manfred Poseners, im Jahr 2008 berichtet: weil andere Kinder nicht mehr mit ihnen gespielt hätten, wären sie tagtäglich zusammen gewesen und hätten sich viel im Hafen aufgehalten. Manfred hätte sich ein kleines Kanu gekauft. Als sie im Torfkanal in Findorff paddeln wollten, hätte man es ihnen nicht erlaubt, und Manfred hätte das Boot wieder verkaufen müssen.

David Posener wurde von der Israelitischen Gemeinde Bremen als Synagogendiener und Hausmeister eingestellt und zog mit seiner Familie in das Gemeindehaus (Rosenak-Haus) in der Gartenstraße 6 (heute Kolpingstraße 6). In der „Reichskristallnacht“ brannte die Synagoge ab, das Gemeindehaus wurde schwer beschädigt und die Wohnungseinrichtung der Familie Posener vollständig zerstört. David Posener wurde verhaftet und in das KZ Sachsenhausen deportiert. Am 15.11.1938 nahm sich seine Schwiegermutter Ida Salomon aus Verzweiflung das Leben. Das KZ Sachsenhausen verließ David Posener mit der Auflage, mit seiner Familie Deutschland zu verlassen.

Am 15. 12. 1938 reiste er mit der Familie nach Åbo/Turku, wo sein Bruder Bernhard Posener lebte. Als nach drei Monaten die Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen war, mussten sie Finnland wieder verlassen. Ihr Plan, nach Kuba auszuwandern, ließ sich nicht verwirklichen. Nachdem sie keine Aufenthaltserlaubnis für Amsterdam (dort lebte Claras Schwester Else Hirschfeld mit ihrer Familie) erhalten konnten, reisten sie weiter nach Brüssel, wo sie in der Chaussée d’Ixelles 191 wohnten. Der letzte Brief an Davids Bruder Arthur, der nach Brasilien ausgewandert war, trug das Datum 10.9.1940; darin wurde berichtet, dass der Sohn Manfred eine Ausbildung als Tischler angefangen hätte. Der letzte Brief an Davids Schwester Irma, die nach Shanghai geflüchtet war, trug das Datum 10.11.1940.

Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Belgien (10.5.1940) und dem Waffenstillstand mit Frankreich (22.6.1940) wurde David Posener in Brüssel verhaftet und in das Lager Gurs in Frankreich deportiert. Am 2.3.1943 wurde er in das Sammellager Drancy überstellt und am 6.3.1943 von dort in eines der Vernichtungslager im Osten (vermutlich nach Auschwitz-Birkenau oder Maidanek) deportiert und ermordet. Clara Posener wurde, wie aus der Familie berichtet wird, aus der Warteschlange vor einem Lebensmittelgeschäft heraus verhaftet. Sie wurde in das Lager Malines/Mechelen eingeliefert und von dort am 11.8.1942 mit Transport-Nr. II/898 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie ermordet wurde. Manfred Posener wohnte zuletzt in Paris unter der Anschrift „41, rue du Faubourg-Saint-Denis“. Seine Spur findet sich im Lager Bordeaux-Mérignac wieder – vielleicht hatte er sich auf den Weg zu seinem Vater gemacht. Von Bordeaux-Mérignac wurde er in das Sammellager Drancy und am 31.8.1942 weiter in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert, wo er ermordet wurde.

Verfasser: Nathalie Sander / Michael Cochu (2011)

Informationsquellen:
Mitteilungen des Comité International de la Croix-Rouge (Internationaler Suchdienst Arolsen)
Staatsarchiv Bremen, Akten 4,54-E11824 und 4,54-E11845
Zeitzeugengespräch von Bremer Schülerinnen mit Herbert Goldschmidt am 7.4.2008 im Rosenakhaus (Video-Aufzeichnung)

Abbildungsnachweis: Staatsarchiv Bremen

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Novemberpogrom
Glossarbeitrag Auswanderung
Glossarbeitrag Gurs
Glossarbeitrag Drancy
Glossarbeitrag Malines / Mechelen
Glossarbeitrag Auschwitz