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Gisela Polak, geb. Kornblum, *1905

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Yorckstr. 86
Bremen-Neustadt


Yorckstr. 86 - Weitere Stolpersteine:


Gisela Polak

geb. am 23.9.1905 in Wilhelmshaven

Viktoria Gisela Polak, geb. Kornblum, war gemeinsam mit ihrer Schwester Lily am 21.7.1928 nach Bremen in das Haus in der Yorckstraße 86 gezogen, das ihr Vater Jan Kornblum gekauft hatte. Die Besitzrechte waren auf Gisela und Lily Kornblum eingetragen.

Am 29.3.1940 heiratete sie Jacob und Adele Polaks Sohn Siegfried (geb. 21.9.1903 in Oldersum), der von von Beruf Viehhändler war. Der Boykott jüdischer Geschäfte führte ab 1933 zu erheblichen geschäftlichen Einbußen. Am 8.8.1938 schließlich wurde Siegfried Polak die Gewerbeerlaubnis entzogen, so dass er das Geschäft schließen musste.

Am 18.11.1941 wurden Gisela und Siegfried Polak von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Ihr Vater Jan (Johann) Kornblum lebte in Bremen bereits als Kind und besuchte hier die Schule. Er war Kaufmann und Produktenhändler in Rüstringen (bei Wilhelmshaven), wohnte aber sporadisch in Bremen. Nach eigenen Angaben wurde er bis 1938 von den Nazis wenig belästigt. In der Pogromnacht 1938 wurde er verhaftet und in das KZ Sachsenhausen gebracht. Aufgrund seines Alters wurde er nach ca. drei Wochen entlassen und musste sich täglich bei der Gestapo melden. Er wanderte am 20.2.1939 nach Shanghai aus. Von der Berliner Betreuungsstelle für Juden sowie von seinem Schwiegersohn Georg Machon hatte er einen Zuschuss zu den Kosten der Schiffspassage nach Shanghai erhalten. Da die Juden im von Japanern besetzten Shanghai mit Beginn des Krieges ghettoisiert wurden, konnten sie unter unsäglichen Bedingungen ihr Leben nur mit der Hilfe jüdischer Hilfsorganisationen fristen. Im August 1947 kam Jan Kornblum nach Bremen zurück. Dort wurde er mit dem Tod seiner Töchter konfrontiert. Seine Tochter Lily hatte sich 1943 das Leben genommen. Sein Haus war dem Schwiegersohn Georg Machon überschrieben und deshalb nicht beschlagnahmt worden. Er verstarb 1952 in Bremen und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Bremen-Hastedt bestattet.


Verfasserin:
Edith Laudowicz (2012)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akten 4,54-E1201, Ra600, Einwohnermeldekarten
http://grabsteine.genealogy.net

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Minsk