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Auguste Biesewig, geb. Morgenstern, *1873

Deportiert 1942 Theresienstadt
Tot 12.12.1943


Liegnitzstraße 17
Bremen-Gröpelingen

Verlegedatum: 29.05.2013


Liegnitzstraße 17 - Weitere Stolpersteine:


Auguste Biesewig

Auguste Biesewiggeb. 3.11.1873 in Wriezen

Guste Biesewig war die Tochter von Adolph Morgenstern und seiner Ehefrau Bertha, geb. Weingold. Ihre Eltern waren jüdischen Glaubens und lebten in Wriezen/Brandenburg. Sie war seit 1891 in Bremen gemeldet und seit dem 23.10.1897 mit dem Steindrucker Johannes Biesewig (geb. 16.9.1868 in Bremen, gest. 25.5.1938 in Bremen) verheiratet. Ihr Ehemann war evangelischen Glaubens. Das Ehepaar hatte vier Kinder: die Zwillinge Gerhard und Bernhard (geb. 10.7.1898 in Bremen), Mathilde (geb. 8.3.1901 in Bremen) und Antonie (geb. 2.3.1905 in Bremen).

Guste Biesewig war als "Haararbeiterin" tätig, so die Einträge im Bremer Adressbuch bis 1930. Die Familie lebte bis 1938 in der Liegnitzstraße 17. Nach dem Tod ihres Mannes zog Guste Biesewig 1939 in die Glogauer Straße 30, wo sie bis zu ihrer Deportation wohnen blieb. Dort standen ihr ein Zimmer und eine Küche zur Verfügung. Da sie als Jüdin in einer "priviligierten Mischehe mit Kindern" gelebt hatte, brauchte sie keinen Judenstern zu tragen. In den letzten Jahren war sie krank und fast blind.

Nachdem ihr Ehemann gestorben war, verlor sie den Schutz der "priviligierten Mischehe" und wurde am 23.7.1942 nach Theresienstadt deportiert. Dort erlag sie am 12.12.1943 den Entbehrungen.

Ihre Vermieterin konnte sich noch erinnern, dass Frau Biesewig sich am Deportationstag selbst zum Bahnhof zu begeben hatte. "Ich habe sie noch vor die Tür gebracht und sie ging dann allein fort". Ihr Sohn Bernhard muss bei der Abfahrt dabei gewesen sein, da er 1950 berichtete: "Aus Anlass des Abtransportes meiner Mutter nach Theresienstadt hatte ich am Morgen der Abfahrt eine Auseinandersetzung mit dem aufsichtführenden Gestapobeamten. Seitdem erfolgten ewige Vorladungen und Verhöre, Bespitzeleien bis auf den Arbeitsplatz. Auch war es mir unmöglich, eine meinen Fähigkeiten entsprechende Tätigkeit einzunehmen.“

Nach der Deportation wurde ihr Eigentum beschlagnahmt. Ihre Kinder erinnerten sich:
„Im Zuge des Abtransportes unserer Mutter wurde ohne unser Beisein die Wohnung mit sämtlichem Inventar von einem, damals zuständigen Herrn aufgenommen, abgeschlossen und die Schlüssel in einem versiegelten Kuvert der Hauseigentümerin übergeben. Nach einem Vierteljahr sind die Möbel mit unbekanntem Ziel abgeholt worden.“ Nach Aussage der Vermieterin waren die zuständigen Herrn von der SA.


Verfasser:
Peter Christoffersen (2013)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E3921, 4,54-E432, 4,54-Ra5658, Einwohnermeldekartei
www.holocaust.cz (Todesdatum)
Bremer Adressbücher

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Rassengesetzgebung
Glossarbeitrag Theresienstadt