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Adele Feist, *1876

Deportiert 1942, Theresienstadt,
Tot 11.12.1942


Fedelhören 13
Bremen-Mitte

Verlegedatum: 11.10.2013

Adele Feist

Adele Feistgeb. 1.7.1876 Scharmbeck

Adele Feist wurde als Tochter von Louis Feist und seiner Ehefrau Ida, geb. Solmitz (geb. 1846), in Scharmbeck geboren. Sie blieb unverheiratet. Ihre Mutter starb 1929 in Bremen im Alter von 82 Jahren; offenbar war sie früh verwitwet, da sie in den Adressbüchern vor 1900 bereits als Witwe aufgeführt wird.

Zum Leben von Adele Feist gibt es heute nur noch wenige Unterlagen, die ausgewertet werden konnten; Hauptquelle ist ihre Einwohnermeldekarte. Danach lebte sie ab 1885 in Bremen, vermutlich dem Zuzugsjahr ihrer Eltern aus Scharmbeck. Ihre Aufenthaltsorte wechselten im Laufe der Zeit mehrfach und irgendwann verzog sie, wie ihre Schwester Ella, nach Frankfurt/M. Sie kam 1903 wieder nach Bremen zurück und wohnte vom 5.9.1917 bis zum 3.7.1934 in Fedelhören 13, wo anfangs auch ihre Mutter lebte. Danach musste sie im Zuge der Zwangsmaßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung mehrfach ihre Wohnung wechseln, für kurze Zeit wohnte sie mit ihrer Schwester im Hause der Geschwister Bromberger, Contrescarpe 93, bis sie schließlich in das Jüdische Altersheim Gröpelinger Heerstraße 167 am 29.8.1941 eingewiesen wurde.

Adele Feist war Putzmacherin und führte ein eigenes Geschäft, das seit 1904 bestand; zunächst in der Moselstraße 6, später dann im Fedelhören. Vermutlich wurde sie dort nicht mehr geduldet und sie zog daher am 7.3.1934 in die Bohnenstraße 7 um. In der Boykottbroschüre der NSDAP-Kreisleitung Bremen (1935) ist sie mit ihrem Putzgeschäft unter dieser Anschrift aufgeführt. Die zwangsweise Abmeldung des Geschäfts am 26.11.1935 führte zum Verlust ihrer Erwerbstätigkeit. Ab diesem Tag wurde sie als "ohne Beruf" geführt. Ihrer Kennkarte ist zu entnehmen, dass sie schwer seh- und gehbehindert war.

Mit der Räumung und Deportation der Bewohner des Jüdischen Altersheimes kam auch Adele Feist am 23.7.1942 in das Ghetto Theresienstadt. Sie erlag dort den Entbehrungen und verstarb bereits am 11.12.1942.

Ihre Schwester Ella Feist wurde gleichfalls in das Ghetto Theresienstadt deportiert und verstarb nur wenige Tage nach ihr am 23.12.1942. Für sie wurde ein Stolperstein in der Manteuffelstraße 13 verlegt.


Verfasser:
Peter Christoffersen (2013)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Einwohnermeldekartei
Staatsarchiv Bremen, "auch dich geht es an" AB-9997-2a
Bremer Adressbücher
Sammlung Ilse Schröder, Osterholz-Scharmbeck

Abbildungsnachweis: Privatbesitz

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Theresienstadt