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Iwan Heidemann, *1883

Deportiert 1941, Ghetto Minsk
Ermordet in Minsk


Außer der Schleifmühle 77
Bremen-Mitte

Verlegedatum: 11.10.2013


Außer der Schleifmühle 77 - Weitere Stolpersteine:


Iwan Heidemann

Iwan Heidemanngeb. 28.1.1883 in Osterholz

Iwan (Josef) Heidemann war der Sohn von David Heidemann und seiner Ehefrau Dina, geb. Herzberg. Die Familie Heidemann war über 100 Jahre in Osterholz-Scharmbeck ansässig gewesen. Das Ehepaar David Heidemann hatte fünf Kinder: Iwan, Alfred (geb. 3.8.1884), Moritz (geb. 15.11.1885), Adolf (geb. 15.8.1887) und Betty (geb. 6.8.1889).

Iwan Heidemann besuchte in Osterholz die Mittelschule und absolvierte anschließend eine kaufmännische Lehre. Am 23.12.1922 heiratete er in Obernkirchen (Grafschaft Schaumburg) Irma Löwenstein (geb. 11.12.1897 in Obernkirchen). Das Ehepaar hatte einen Sohn: Kurt (geb. 31.5.1924 in Osterholz-Scharmbeck).

Die Großeltern gründeten 1851 das Unternehmen S.J. Heidemann in der Osterholzer Hauptstraße 16 (später Findorffstraße 8). 1893 übernahm ihr Sohn David die Firma. Das Geschäft entwickelte sich zum größten seiner Art in Osterholz-Scharmbeck und bot Konfektionswaren, Wäsche, Kurzwaren und Betten mit Bettfedernreinigung an. Iwan Heidemann und sein Bruder Alfred traten am 1.1.1914 als persönlich haftende Gesellschafter in das Geschäft ihres Vaters ein. 1922 wurde Iwan Heidemann zum Rechnungsführer des neu gegründeten “Kaufmännischer Vereins Osterholz-Scharmbeck und Umgebung” gewählt.

Alfred Heidemann schied 1929 als Gesellschafter wieder aus dem Geschäft aus und Iwan führte das Geschäft allein mit Unterstützung durch seine Ehefrau Irma fort. Sie beschäftigten mehrere Angestellte. Neben dem stationären Verkauf wurde die Umgebung durch Vertreter bereist. Nach den 1933 einsetzenden Boykottmaßnahmen gingen die Umsätze stark zurück. Vor dem Geschäft stand täglich eine SA-Wache, daher wagte sich in der Kleinstadt kaum noch ein Kunde in den Laden. Die letzte Angestellte konnte 1936 ihren Lohn nur noch in Naturalien erhalten. Der Betrieb wurde 1937 an Christian Esser verpachtet und im August 1939 an ihn verkauft.

Die Familie Heidemann verließ Osterholz-Scharmbeck am 2.11.1937 und zog nach Bremen in Außer der Schleifmühle 77. Ihr Sohn Kurt wurde auf der Einwohnermeldekarte als Landwirtschaftslehrling geführt. Das weist darauf hin, dass er eine Hachschara-Ausbildung absolvierte, die ihm 1940 zu seiner Auswanderung nach Palästina verhalf. Das Ehepaar Heidemann musste im September 1941 zwangsweise die Wohnung verlassen und wurde zur Vorbereitung von Deportationen in das "Judenhaus" Feldstraße 27 eingewiesen.

Iwan und Irma Heidemann wurden am 18.11.1941 von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Kurt Heidemann starb 1953 bei einem Betriebsunfall in einem Kibbuz in Israel. Er hinterließ eine Ehefrau und einen Sohn.

Von den Geschwistern Iwan Heidemanns wurden Opfer des Holocaust: Alfred mit Ehefrau Grete im Ghetto Lodz, Adolf mit Ehefrau Therese im Ghetto Riga, und Betty (unverheiratet) gleichfalls in Minsk. Nur der Bruder Moritz, in Hamburg als Kinderarzt tätig, konnte mit seiner Familie nach Argentinien fliehen.


Verfasser:
Peter Christoffersen (2013)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E11072 u. E11073, Einwohnermeldekartei
Bundesarchiv, Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945
www.teufelsmoor.eu
Sammlung Ilse Schröder, Osterholz-Scharmbeck

Abbildungsnachweis: Privatbesitz

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Arisierung"
Glossarbeitrag Minsk