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Bianca Martens, geb. Singer, *1882

GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD 19.10.1944


Am Wall 164
Bremen-Mitte

Verlegedatum: 03.03.2014


Am Wall 164 - Weitere Stolpersteine:


Bianca Martens

Bianca Martensgeb. 19.3.1882 in Cottbus

Bianca Singer war die Tochter von Wolf und Ida Singer, geb. Kornblum. Sie war jüdischen Glaubens und seit dem 22.2.1906 mit dem Zahnarzt Dr. Friedrich Martens (geb. 22.6.1880 in Verden) verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Töchter: Ilse und Anneliese. Friedrich Martens war seit 1905 in Bremen als Zahnarzt tätig. Wohnung und Praxis waren Am Wall 164.

Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme begannen die Repressionen gegen das Ehepaar. Die zunehmenden Einschränkungen für die jüdische Bevölkerung wirkten sich auch im Tagesablauf in der Zahnarztpraxis aus. Bianca Martens durfte das Sprechzimmer ihres Mannes während der Sprechstunden nicht mehr betreten, sie durfte den Patienten nicht die Tür öffnen. Da ihr Ehemann als "jüdisch versippt" galt, wurde er Opfer der Boykottmaßnahmen gegen jüdische Mediziner, was zu wirtschaftlichen Einbußen führte. Es kam zu regelmäßigen Belästigungen durch die Gestapo. Der Tochter Anneliese wurde für eine beabsichtigte Heirat ein Ehefähigkeitszeugnis verweigert; der Tochter Ilse, die Diakonisse war, wurde das staatliche Examen aberkannt.

Am 9.10.1944 wurde Friedrich Martens verhaftet und in das Arbeitserziehungslager Farge eingewiesen. Am 17.10. wurde er in das Arbeitserziehungslager Lenne überführt und blieb dort bis zum 16.12.1944. Nach seiner Verhaftung beschlagnahmte die Gestapo Teile der Wohnung und verlangte deren Räumung.

Bianca Martens hielt diesem Druck nicht mehr stand und nahm sich am 19.10.1944 mit einer Überdosis Veronal das Leben. Sie verstarb im St.-Joseph-Stift und wurde am 27.10. auf dem Riensberger Friedhof beigesetzt.

Für Friedrich Martens führten die ungewohnten schweren Erdarbeiten im Arbeitserziehungslager, bei schlechtem Wetter, teilweise im Wasser stehend, zu bleibenden Gesundheitsschäden. Nach der Rückkehr aus dem Lager führte er seine Praxis bis zum 31.3.1960 weiter. Er verstarb am 1.6.1968 in Bremen.


Verfasser:
Peter Christoffersen (2014)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E524, Einwohnermeldekartei
Staatsarchiv Bremen, Sterbebuch 1944, 4,60/5-7082 (Nr. 4805)
Lebensgeschichten, Schicksale Bremer Christen jüdischer Abstammung nach 1933, in: Hospitium Ecclesiae, Band 23, Bremen 2009 (2.A.), S. 90/91

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Rassengesetzgebung
Glossarbeitrag Haftstätten in Bremen