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Manja Itzig, *1898

Flucht 1938 Holland, interniert Westerbork, deportiert 1944 Auschwitz
ermordert


Köpkenstraße 12
Bremen-Mitte

Verlegedatum: 03.12.2015

Manja Itzig

geb. 20.6.1898 in Riga

In den Bremer Archiven gibt es außer der Einwohnermeldekarte keine weiteren Dokumente, die Auskünfte über den Lebensweg von Manja Itzig geben könnten. Danach war sie die Tochter von Jakob und Sarah Itzig, geb. Stollmacher. Sie lebte – mit kurzer Unterbrechung – mindestens seit März 1926 in Bremen. Ab 1931 wohnte sie in der Charlottenstraße, Am Schwarzen Meer, in der Knochenhauerstraße sowie ab 1934 in der Köpkenstraße – hier zunächst im Haus Nummer 9, dann in Nummer 12. Als Beruf ist auf der Einwohnermeldekartei "Büfettfräulein" eingetragen. Nach der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10.11.1938 flüchtete sie nur wenige Tage später in die Niederlande, am 22.11.1938 meldete sie sich nach Amsterdam ab.

Anscheinend hatte Manja Itzig ihre Flucht vorbereiten können, da sie beim Einwohnermeldeamt eine Adresse in Amsterdam angeben konnte: Rapenburgerstraat 175. Auf der Registrierungskarte mit den Bewohnern dieses Hauses ist sie als Manja M. Itziks und zu einem späteren Zeitpunkt in der Schreibweise Mirjama M. Iciks verzeichnet. Am 23.12.1939 verließ sie das Haus. Im selben Haus hat auch Rudolf Cohen gewohnt, der am 22.12.1939 auszog. Rudolf Cohen (geb. 11.8.1900 in Düsseldorf) war bereits am 16.6.1938 in die Niederlande geflohen. Manja und Rudolf haben in Amsterdam geheiratet. Zu einem späteren Zeitpunkt lebten sie in der Rijnstraat 121 III.

Im Herbst 1942 begannen in Amsterdam die Großrazzien zur Vorbereitung der Deportationen. Rudolf Cohen fiel bereits im Oktober 1942 einer Großrazzia zum Opfer und wurde im Sammellager Westerbork interniert. Manja Itzigs Verhaftung erfolgte am 25.5.1943. Beide wurden am 18.1.1944 von Westerbork in das Ghetto Theresienstadt und von dort am 16.5.1944 in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Aus diesem Massentransport (2.447 Personen) überlebten nur 40 Menschen. Die jüdischen Häftlinge trafen am 17.5.1944 in Auschwitz ein und wurden zunächst im Theresienstädter "Familienlager BIIb" in Auschwitz-Birkenau untergebracht.

Über das Lebensende das Ehepaares gibt es keine gesicherten Daten, vermutlich wurde Mirjama Michle Cohen-Iciks am 7.7.1944 in Auschwitz ermordet. Rudolf Cohen kam im Zuge eines Zwangsarbeitseinsatzes in das KZ Sachsenhausen. Dort verstarb er am 8.12.1944.

Verfasser:
Peter Christoffersen (2015)

Informationsquellen:
StA Bremen, Einwohnermeldekarte
Archiv Kamp Westerbork
www.communityjoodsmonument.nl
Czech, Danuta: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945, Reinbek bei Hamburg 1989

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Westerbork
Glossarbeitrag Theresienstadt
Glossarbeitrag Auschwitz