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Karl Armgardt, *1876

Eingewiesen 22.8.1940 Bremer Nervenklinik, "verlegt" 9.12.1943 Heilanstalt Meseritz-Obrawalde,
ermordet 28.12.1943


Schwachhauser Heerstraße 264
Bremen-Schwachhausen

Karl Armgardt

Karl Armgardtgeb. 13.8.1876

Karl Ernst Armgardt wurde als Sohn von Heinrich Armgardt und Johanna, geb. Janßen, in Bremerhaven geboren. Im Alter von 28 Jahren, am 8.4.1904, heiratete er in der niedersächsischen Ortschaft Midlum Friede-Nanny Ahrens (geb. 13.10.1872), die die einzige Tochter eines Großbauern und vier Jahre älter als Karl Ernst war. Aus der Ehe ging der Sohn Karl-Heinz hervor, der am 16.3.1905 in Midlum geboren wurde.

Karl Ernst Armgardt war acht Jahre zur Volksschule gegangen, hatte drei Jahre das Lehrerseminar besucht sowie zwei Jahre eine „Präparandenschule“ (Präparandenanstalten bereiteten – als unterste Stufe der Volksschullehrerausbildung – auf das Lehrerseminar vor). Mit 21 Jahren begann er mit seiner Lehrertätigkeit . 1924 – mit 48 Jahren – wurde Armgardt vorzeitig pensioniert wegen „Herzasthma“.

1927 zogen die Eltern mit ihrem Sohn Karl-Heinz von Spieka (zwischen Bremerhaven und Cuxhaven) nach Bremen um. Armgardt war bei seinem Umzug nach Bremen lt. Einwohnermeldekarte also schon im Ruhestand. Nachdem sie zunächst in der Prangenstraße 31 gewohnt hatten, zogen sie für drei Jahre in die Thedinghauser Straße 2, zogen dann drei Mal kurzzeitig um und wohnten schließlich von 1933 bis 1940 in der Schillerstraße 12. Dort starb Armgardts Ehefrau Nanny am 20.4.1940. Armgardt zog drei Monate später in das Altenheim „Landhaus Horn“ (später ein Hotel, heute wieder ein Seniorenwohnheim) um. Nach nur sechs Wochen kam er in die Bremer Nervenklinik Osterholzer Heerstraße 51.

Aus der Krankenakte geht hervor, dass Armgardt nach dem Tod seiner Frau von zunehmender Unruhe und Schlaflosigkeit geplagt gewesen und schließlich in die Nervenklinik „wegen manischer Phase eingewiesen“ worden sei. Er habe zwar bereits 1930 einen Schlaganfall gehabt, mit der Folge einer rechtsseitigen Lähmung und zeitweisem Sprachverlust. Aber das sei alles wieder zurückgegangen. Während seines gut dreijährigen Aufenthalts in der Klinik sei er meist manisch, habe aber immer wieder auch depressive Phasen und zeitweise auch Wahnideen entwickelt. Er sei um die Weihnachtszeit 1940 einen ganzen Tag durch die Stadt gelaufen mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen.

Am 9.12.1943 wurde Karl Ernst Armgardt in die Tötungsanstalt Meseritz-Obrawalde verlegt. Am 28.12.1943 starb er dort: „Exit let. Altersschwäche“ heißt es in der Klinikakte, die typische Formulierung einer vermutlichen pro-forma-Todesursache.


Verfasser:
Franz Dwertmann (2016)

Informationsquellen:
StA Bremen Einwohnermeldekartei
Klinikum Bremen-Ost, Krankenakte (Auswertung W. Smitmans)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Euthanasie" / Zwangssterilisation
Glossarbeitrag "Heilanstalten"