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Hans Mendelsohn, *1891

VERHAFTET 1944, ARBEITSERZIEHUNGSLAGER FARGE, NEUENGAMME,
CAP ARCONA, TOT 3.5.1945, LÜBECKER BUCHT


Waller Ring 138
Bremen-Walle

Verlegedatum: 20.09.2018

Hans Mendelsohn

geb. 1891

Hans Mendelsohn, geboren in Jever, stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie. Wie sein Vater war er evangelischen Glaubens. 1921 heiratete er in Bremen die katholische Wienerin Ruzena Weissenberger. Das Ehepaar hatte zwei Kinder. Die Familie wohnte ab 1933 am Waller Ring 138. Hier baute sich Hans Mendelsohn eine Existenz als selbständiger Handelsvertreter auf. 1938 musste er sein Gewerbe einstellen. Im Zuge der Reichspogromnacht wurde er verhaftet und tags darauf in das KZ Sachsenhausen deportiert. Zum Jahresende wurde er entlassen. Ab 1940 hatte er eine Stelle als ungelernter Arbeiter bei der Mineralwasser-Fabrik Haase & Förster bis zu deren Ausbombung 1944.

Hans Mendelsohn blieb zunächst von Verfolgungsmaßnahmen und Deportation verschont, da er sich in einer "privilegierten Mischehe" befand. 1944 musste die Familie die Wohnung Waller Ring 138 auf Veranlassung des Wohnungsamtes räumen. Es sei dem - der SS angehörenden - Arzt Dr. med. Seemann nicht zuzumuten, Juden in der Nachbarschaft zu haben. Kurz danach soll Hans Mendelsohn zu einem Bekannten gesagt haben, es kämen noch andere Zeit und dann würde er mit Herrn Dr. Seemann abrechnen. Das wurde der Gestapo zugetragen. Er wurde verhaftet und in das Arbeitserziehungslager (AEL) Farge eingewiesen und von dort in das KZ Neuengamme verlegt. Ende April 1945, im Zuge der Auflösung des Konzentrationslagers, soll er auf das in der Lübecker Bucht liegende Passagierschiff Cap Arcona verlegt worden sein. Es wird angenommen, dass Hans Mendelsohn sich unter den Opfern der Bombardierung des Schiffes am 3.5.1945 befand.

Nach dem Krieg musste sich Dr. Seemann gegen die Anschuldigung der Denunziation zur Wehr setzen. Erst im Berufungsverfahren vom 20.12.1947 wurde er aufgrund eines abgelegten Eides entlastet. Von der Spruchkammer wurde derjenige, der die Wohnung der Mendelsohns erhielt, als Verursacher der Denunziation in Betracht gezogen, was jedoch nicht abschließend geklärt werden konnte. Dieser war u.a. mit dem Gestapobeamten Siebert befreundet, der im Judenreferat arbeitete.

Eine ausführliche Biografie mit Quellenangaben wird im Band 5 der Publikationsreihe STOLPERSTEINE IN BREMEN erscheinen (geplant Frühjahr 2019).

Verfasser: Peter Christoffersen (2018)