Sie befinden sich hier | Kapitelüberschrift  Stolpersteine Biografie
Schriftgroesse verkleinern Schriftgroesse normal Schriftgroesse vergrössern
Diese Seite ausdrucken

Willi Loewenstein, *1872

1942 DEPORTIERT GHETTO THERESIENSTADT, ERMORDET



Bremen-Gröpelingen
ehemalige Straßenbezeichnung: Gröpelinger Deich 50

Willi Loewenstein


Familienbiografie
Willi Loewenstein
Ida Loewenstein, geb. Goldschmidt

Willi Leonhard Loewenstein kam am 14.8.1872 in Preussisch Oldendorf/Westfalen zur Welt als Sohn des Kaufmanns Jakob Loewenstein und seiner Frau Minna, geb. Friedländer. Er war der Jüngste von vier Geschwistern. Minna Friedländers Großvater Joseph Abraham Friedländer war ein bekannter Rabiner in Brilon, der sich für eine reformierte Praxis und Auslegung der Religion einsetzte.

Willi Loewenstein heiratete 1901 in Harpstedt Ida Goldschmidt, geb. am 29.6.1876 als Tochter von Iwan und Bertha Goldschmidt, geb. Goldschmidt. Die Familie Goldschmidt gehörte zu den frühesten jüdischen Bewohnern in Harpstedt und stellte durchgehend bis ins 20. Jahrhundert die Vorsteher der kleinen Gemeinde. Ida Goldschmidts Vater Iwan hatte ein Bekleidungsgeschäft. Er war 1875 Präsident des gerade gegründeten Kriegervereins und bis zu seinem Tod angesehener Oberst der Harpstedter Bürgerschützen, darüberhinaus war er ab 1877 Sparkassenrevisor.

Das Ehepaar Willi und Ida Loewenstein hat nach der Eheschließung zunächst in Preussisch Oldendorf gewohnt, hier kam am 25.2.1903 der Sohn Walter zur Welt.

Nach dem Umzug nach Harpstedt betrieb Willi Loewenstein zunächst gemeinsam mit dem 1914 verstorbenen Schwiegervater ein Geschäft für Manufaktur-Waren, wie Bett- und Tischwäsche, sowie Kleiderstoffe in der Lange Straße 17. Auch er engagierte sich im dörflichen Vereinsleben und war ebenfalls Mitglied des Kriegervereins Harpstedt.

Mit dem Beginn der Nazidiktatur 1933 änderten sich die Lebensbedingungen der letzten sieben jüdischen Einwohner massiv: Ihre Geschäfte wurden boykottiert, so dass der Umsatz einbrach, ihnen wurde verboten Lebensmittel im Ort zu kaufen. 1934 beauftragte die örtliche SA-Führung bei der Beerdigung Berta Goldschmidts den Apotheker Wilhelm Ihmels, den Trauerzug zu fotografieren, um festzuhalten, wer einer Jüdin das letzte Geleit gab.

Am 27.8.1938 meldete Willi Loewenstein sein Geschäft bei der Gemeinde ab. In der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 wurden die letzten vier jüdischen Männer und Frauen durch den Ort getrieben und im Keller des Amtshofs eingesperrt. Danach bezogen er und seine Frau eine (widerwillig gewährte) Fürsorgeunterstützung und mussten in einer 45qm kleinen Obergeschosswohnung leben. Am 22.10.1940 wurde das alte Ehepaar nach Bremen vertrieben. Sie lebten für zwei Jahre im offenbar völlig überbelegten „Judenhaus“ am Gröpelinger Deich 50 im Keller.

Am 23.7. 1942 wurden 163, vor allem ältere jüdische Einwohner Bremens, in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Unter ihnen befanden sich auch die Bewohner des Hauses Gröpelinger Deich 50, sowie die letzten 70 Bewohner des jüdischen Altersheims.

Am 12.7.1943 fiel der 71-jährige Willi Loewenstein den unmenschlichen Bedingungen im Ghetto zum Opfer. Seine Witwe wurde am 15.5.1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Der Sohn Walter wohnte und studierte zunächst in Köln und entkam von dort nach Paris. Er überlebte und kehrte nach dem Krieg nach Deutschland zurück.

Stolpersteine können in Bremen nicht verlegt werden, da die Straße Gröpelinger Deich nicht mehr existiert. In Harpstedt gibt es Gedenktafeln am jüdischen Friedhof und am Amtshaus für die ermordeten jüdischen Bewohner, unter ihnen Willi und Ida Loewenstein.

Christa Rödel (2026)

Informationsquellen:
StA Bremen, Einwohnermeldekartei, Akte 4.54-Rü 5139
Meiners, Werner: Ortsartikel Harpstedt, in: Obenaus u.a. (Hg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, 2 Bde., Göttingen 2005, S. 801-806
Heile, Chronik der Samtgemeinde Harpstedt, Band 2 von 1667 bis 1950, Harpstedt 1966

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Theresienstadt
Glossarbeitrag Auschwitz