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Biografie im Erinnerungsportal, kein Stolperstein vorhanden

Cissy Wulff, geb. Wertheim, *1867

Deportiert 1942 Ghetto Theresienstadt, ermordet 19.1.1943


Gröpelinger Heerstraße 167
Bremen-Gröpelingen

Cissy Wulff


Cissy Wulff wurde am 21.02.1867 in Wolfhagen bei Kassel geboren mit dem Mädchennamen Wertheim. Sie war verheiratet mit dem Kaufmann Nathan Wulff, der früh verstarb. Das Ehepaar bekam einen Sohn namens Erich (geb. 1889). Bis 1939 wohnte Cissy Wulff in Verden in der Großen Straße 43.

Sie führte anscheinend ein gutsituiertes Leben ohne finanzielle Sorgen. Die „Judenvermögensabgabe“ (1938) schmälerte ihr Vermögen, ihre materielle Existenz war jedoch noch nicht unmittelbar bedroht. Zur Altersabsicherung schloss sie 1939 einen Rentenversicherungsvertrag ab, um ihre noch verbliebenen Ersparnisse mittels einer einmaligen Prämie vor dem unmittelbaren Zugriff der NS-Behörden zu sichern. Sie bezog anschießend eine bescheidene monatliche Rente daraus.

Am 20.06.1939 zog sie um zu ihrer älteren Schwester Bertha Lehmann (geb. 1864) in die Großen Straße 76. Die Schwestern, beide inzwischen weit über 70 Jahre alt, führten einen gemeinsamen Haushalt und hatten eine „Haushilfe“. Die Frauen fühlten sich in Verden isoliert, waren zunehmend eingeschüchtert und verängstigt. Als ihnen die Einweisung in ein „Judenhaus“ drohte, entschlossen sie sich Verden zu verlassen und nach Bremen zu gehen. Am 18.12.1941 zogen sie in die Gröpelinger Heerstraße 167. Dort war das Jüdische Altersheim seit 1925 untergebracht, in dem inzwischen 60 Senioren, zusammen mit acht Angestellten, in drangvoller Enge lebten.

Anfang Juli 1942 wurden die Bewohner über die bevorstehende „Abwanderung nach Theresienstadt“ unterrichtet. Rückwirkend zum 1.3.1942 wurde „sämtliches bewegliches und unbewegliches Vermögen“ beschlagnahmt. In der persönlichen Benachrichtigung vom 10.7.1942 las Cissy Wulff: „Wir bitten Sie, mit größter Ruhe Ihre Vorbereitungen zu treffen und über die Abwanderungen nicht mit der deutschblütigen Bevölkerung zu sprechen, vor allem ist es untersagt […] irgendein Mitleid zu erregen“. Das NS-Regime wollte jegliches Aufsehen vermeiden.

Am Morgen des 23.7.1942 wurden die 66 verbliebenen Heimbewohner und vier Angestellte in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Bei strömendem Regen im Morgengrauen wurden sie in Gruppen von 10 bis 15 Personen zum Bahnhof geführt und mit ihrem z.T. durchnässten Gepäck in fünf Waggons untergebracht. Nach der Ankunft in Theresienstadt am darauffolgenden Vormittag, mussten sie von der Bahnstation Bohušovice zweieinhalb Kilometer zu Fuß ins Ghetto laufen.

Eine Überlebende berichtete, dass sie in leerstehende Häuser ohne Möbel, ohne fließendes Wasser und ohne Toilette einquartiert wurden. Es herrschten katastrophale hygienische Bedingungen in den total überfüllten Räumen.

Cissy Wulff und ihre Schwester durften zusammenbleiben. Sie wohnten im Gebäude L 120, Zimmer-Nr. 115. Angesichts der äußerst schwierigen Lebensbedingungen bei Kälte, Mangel an Nahrungsmitteln und fehlenden Medikamenten, war die Überlebenschance für die Senioren gering.

Laut „Todesfallanzeige“ des Ältestenrates des Ghettos Theresienstadt starb die 75-jährige Cissy Wulff am 19.1.1943. Als Krankheit und angebliche Todesursache wurde von der behandelnden Ärztin eine Wundrose angegeben, eine bakterielle Infektion durch Streptokokken. Ihre Schwester starb drei Monate später.

Für beide Schwestern gibt es Stolpersteine in Verden. Ihre Namen sind auf der Stele vor dem jüdischen Altersheim in Bremen zu lesen. Erich Wulff, Cissys Sohn, starb 1934 in Breslau. Sein Sohn wiederum, Cissys Enkel, emigrierte nach Shanghai. In den 1950er Jahren lebte er in den USA.

Kornelia Renemann (2026)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen Einwohnermeldekartei, Akte 4,54-E11183
Christoffersen, Peter/Johr, Barbara: Stolpersteine Bremen, Biografische Spurensuche, Band 5, hier: Nitsche-Gleim, Christine: Das Jüdische Altersheim in Gröpelingen, Bremen 2019
Schröter, Werner/Woock, Joachim, Verein für Regionalgeschichte Verden e.V.: »Stolpersteine« - Biografien aus Verden, Verden 2009
Lebendiges Museum online (www.dhm.de)
Busch Martin / Klindworth Maria: Holocaust-Überlebende Inge Berger aus Bremen verliebte sich im Ghetto (www.butenunbinnen.de, Sendung vom 30. Juni 2024)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Theresienstadt