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Joel Löwenthal, *1939

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Franz-Liszt-Str. 11a
Bremen-Schwachhausen


Franz-Liszt-Str. 11a - Weitere Stolpersteine:


Joel Löwenthal

geb. Herbst 1939

Joel Löwenthal war der in Bremen geborene Sohn von Ruth und der Enkel von Hilda Löwenthal.

Hilda Löwenthal wurde am 12.8.1895 in Naugard/Pommern als Tochter von Moritz Lesser und dessen Frau Roselie, geb. Meyer, geboren und heiratete in ihrem Heimatort im Oktober 1919 Ludwig Simon Löwenthal (geb. 1891 in Lobbendorf/Kreis Blumenthal), Sohn von Ludwig Löwenthal und seiner Frau Rose, geborene Löwenthal. Das Ehepaar zog 1920 zunächst nach Vegesack und 1922 nach Bremen. Drei Kinder bekam das Paar: Ellen Ruth (geb. in Vegesack), Rolf (geb. 1923 in Bremen) und Hans-Jürgen (geb. 1927 in Bremen).

Ludwig Löwenthal war Kaufmann und zu Beginn der 1920er Jahre Teilhaber an zwei Unternehmen (Herrenbekleidung und Schuhe). Die Familie wohnte in der Hutfilterstraße 32. Mitte der 1920er Jahre kam eine berufliche Veränderung. Um 1926/27 arbeitete er als kaufmännischer Angestellter, und die Familie wohnte Auf den Häfen 36. Auf der Bremer Einwohnermeldekarte wurde vermerkt, dass die Löwenthals 1929 in der Bornstraße 8 wohnten. Von Juni bis Dezember desselben Jahres hatte Ludwig Löwenthal sich in Wien aufgehalten. Er war von Beruf Masseurheilgehilfe. 1931 zog Ludwig Löwenthal nach Frankfurt um. Die Ehe war zerrüttet, und 1932 erfolgte die Scheidung.

Hilda Löwenthal zog 1931 in die Richthofenstraße 122 (heute teilweise Friedrich-Ebert-Straße) und wechselte 1933 ins Nachbarhaus mit der Nummer 120. Ab November 1938 wohnte sie mit ihren Kindern An der Weide 30. Im Dezember 1938 emigrierten ihr 15-jähriger Sohn Ralf und der 11-jährige Hans-Jürgen mit „Hilfe einer jüdischen Wohlfahrtsorganisation“ nach England. Hilda Löwenthal und ihre Tochter Ellen blieben noch bis April 1940 in der Wohnung. Die unverheiratete Ruth wurde schwanger und schenkte im Herbst 1939 ihrem Sohn Joel das Leben. Ihr Bruder Ralf Löwenthal erinnerte sich in den 1950er Jahren, dass seine Mutter nach dem Novemberpogrom 1938 von den „Behörden mehrfach zum Wohnungswechsel“ gezwungen worden war.

Am 29.9.1941 zog Hilda Löwenthal in das „Judenhaus“ Franz-Liszt-Straße 11a. Am 18.11.1941 wurde sie in das Ghetto Minsk deportiert. Sie wurde ermordet: Sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlag, fiel sie einer der Massenmordaktionen zum Opfer, die Ende Juli 1942 begannen.

Ihre Tochter Ruth suchte mit ihrem Sohn Joel von Juli bis Oktober 1941 Zuflucht im Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg/Hessen. Sie blieb vier Monate in der Einrichtung, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits in Auflösung befand. Am 21.10.1941
ging sie mit ihrem Sohn Joel nach Bremen zurück und zog erneut in das „Judenhaus“ Franz-Liszt-Straße 11a ein.

Ruth Löwenthal war 21 Jahre alt, als sie mit ihrem Sohn Joel ebenfalls am 18.11.1941 nach Minsk deportiert wurde. Er war zwei Jahre alt. Beide haben nicht überlebt.

Hilda Löwenthals Söhne lebten nach dem Zweiten Weltkrieg im Exil. Ralf, der sich Ralph Low nannte, lebte in Rhodesien und Hans-Jürgen, später Jonny Löwenthal, blieb in England.

Verfasserin:
Kornelia Renemann (2017)

Informationsquellen:
StA Bremen 4,54-E10028, 4,54-E10229, Einwohnermeldekartei
Gedenkbuch für das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg (1907-1942), auf: www.gedenkbuch.neu-isenburg.de

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Kindertransporte
Glossarbeitrag "Judenhäuser"
Glossarbeitrag Minsk