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Ida Rosenthal, geb. Fränkel, *1875

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Franz-Liszt-Str. 11a
Bremen-Schwachhausen


Franz-Liszt-Str. 11a - Weitere Stolpersteine:


Ida Rosenthal

geb. 12.12.1875

Ida Rosenthal, geb. Fränkel, war die Ehefrau von Albert Rosenthal.

Der 26-jährige Albert Rosenthal wurde am 22.1.1882 in Soest/Westfalen geboren und kam im November 1908 nach Bremen. Dort heiratete er einen Monat später die 33-jährige Bremerin Ida Fränkel. Albert Rosenthal war Viehhändler. 1910 wurde die einzige Tochter Elfriede geboren. Das Paar lebte zunächst in der Elmshorner Straße 1, ab 1911 in der Mindener Straße 8. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs zog die Familie nach Zeven, in die Poststraße 58. Albert Rosenthal etablierte sich dort als Viehhändler.

Seine finanziellen Verhältnisse waren so gut, dass er seiner Tochter 1931 zur Heirat mit Otto Spiegel eine Mitgift geben konnte, bestehend aus der Einrichtung für eine 4-Zimmer-Wohnung und zusätzlichen 5.000 RM in bar. Seine Tochter Elfriede erinnerte sich in den 1950er Jahren, in „guten, geordneten Verhältnissen“ aufgewachsen zu sein.

Im Januar 1932 zog Albert Rosenthal mit seiner Familie in den Katrepel 54. Neben der Mietwohnung befand sich ein Stall, in dem er bis zu vier Tiere unterbringen konnte. Als Viehhändler benötigte er einen Wandergewerbeschein, doch 1932 war es ihm nicht möglich, die 80 RM dafür aufzubringen. Daher erhielt er nur die Genehmigung für ein „stehendes Gewerbe“. Anlässlich der Umschreibung seines Gewerbescheins erklärte er, er kaufe und verkaufe wöchentlich zwei bis drei Tiere. Aber es gäbe auch Wochen, in denen der Handel ganz darnieder liege.

Unter dem NS-Regime war ihm die Berufsausübung als Viehhändler untersagt, als Be- rufsbezeichnung ist auf seiner Einwohnermeldekarte „Arbeiter“ eingetragen. Ab 1936 war er als Hausierhändler unterwegs. Der Wandergewerbeschein erlaubte ihm den Handel mit Kurz-, Galanterie- und Wollwaren. Sein Einkommen war kümmerlich. Er fuhr mit dem Fahrrad über die Dörfer. Am Rad hingen Bürsten, Topfschrubber und anderes. Kam er abends nach Zeven zurück, riefen die Jugendlichen„Oh! Der Jud‘ kommt wieder. Woll’n mal Heil Hitler rufen!“ Und Albrecht Rosenthal antwortete „Heil Hitler“.

In der Reichspogromnacht 1938 wurden Albert und Ida Rosenthal – wie alle 21 jüdischen Bewohner von Zeven – gewaltsam aus ihren Wohnungen geholt, auf einen offenen Lastwagen geladen, unter Gehupe durch die Straßen gefahren und anschließend in einem Kellerraum eingesperrt. Frauen und Kinder wurden wieder freigelassen, die Männer brachte man über Wesermünde in das Konzentrationslager Sachsenhausen. Am 23.11.1938 wurde Albert Rosenthal entlassen.

Im Winter 1939 kam er nach Bremen, wo er Zwangsarbeit zu leisten hatte. Er wohnte in der Westerstraße 28. Nach zwei Monaten kehrte er nach Zeven zurück. Im Sommer 1939 kam er erneut nach Bremen. Er wohnte zunächst in der Parkstraße 60, ab Oktober 1939 im „Judenhaus“ in der Franz-Liszt-Straße 11a. Seine Ehefrau, die zunächst noch in Zeven geblieben war, zog erst im November 1939 zu ihrem Mann nach Bremen.

Am 18.11.1941 wurde das Ehepaar Rosenthal von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Sie wurden ermordet: Sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen zum Opfer, die Ende Juli 1942 begannen.
2008 errichtete die Stadt Zeven einen Gedenkstein mit den Namen der Zevener Juden, die Opfer des Holocaust wurden – darunter die Namen Ida und Albert Rosenthal.

Ihre Tochter Elfriede Spiegel emigrierte mit Ehemann 1939 über Hamburg nach Shanghai. Später lebte sie in Kalifornien/USA.

Verfasserin:
Kornelia Renemann (2017)

Informationsquellen:
Zevener Juden, verhaftet in der Reichspogromnacht 1938 (Albert Rosenthal in der Mitte mit Schal)
StA Bremen 4,54-E10519, 4,54-E10518, Einwohnermeldekartei
Bachmann, Elfriede: Zur Geschichte der Juden in Zeven und Umgebung; in: Mitteilungen des Heimatbundes Bremervörde/Zeven, Nr. 30, März 1992
Jüdisches Leben in Zeven, Schüler rekonstruieren Geschichte, auf www.kivinan.de (Stand: Juni 2016)
Sperling, Roland: Die jüdische Gemeinde in Zeven von 1933-1938 (Vortrag in 2011, auf www.gedenkstaettenverein-sand- bostel.de (Stand: Juni 2016)
www.jüdische-gemeinden.de (Stand: Juni 2016)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Judenhäuser"
Glossarbeitrag Minsk