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Richard Simche, *1919

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Karl-Peters-Str. 35
Bremen-Walle
ehemalige Straßenbezeichnung: Gerhard-Rohlfs-Str. 35


Karl-Peters-Str. 35 - Weitere Stolpersteine:


Richard Simche

geb. 26.9.1919 in Znin

Richard Simche war der Sohn von Heymann Simche (Jg. 1878) und seiner Ehefrau Frieda geborene Holz (Jg. 1878). Er wurde noch in Znin geboren, das bis 1919 zu Westpreußen und damit zum Deutschen Reich gehörte. Nachdem dieses Gebiet als Folge des Ersten Weltkrieges an Polen fiel, wurde die Familie ausgewiesen. Sie zog nach Bremen in die Gerhard-Rohlfs-Straße 35 (heute Karl-Peters-Straße 35).

Richard Simche hatte nach seiner Schulzeit eine kaufmännische Lehre begonnen, die er nicht mehr beenden konnte. Sein Vater arbeitete als Schneidermeister. Er betrieb im Haus Gerhard-Rohlfs-Straße 35 eine Schneiderei, in der auch seine Frau mitarbeitete, während dessen Schwester den Haushalt führte. In der Novemberpogromnacht 1938 wurde das Geschäft überfallen und geplündert. Die Nähmaschinen lagen auf der Straße, die Stoffballen waren zerschnitten. Richard Simche wurde verhaftet, in das Zuchthaus Oslebshausen gebracht und von dort in das KZ Sachsenhausen deportiert. Am 3.1.1939 kehrte er nach Hause zurück.

Ab 1.1.1939 musste die Familie Simche ihre Schneiderei endgültig schließen, da es Juden ab diesem Zeitpunkt verboten war, ein Geschäft oder einen Betrieb zu führen. Ein Gesuch von Heymann Simche im April 1940, wenigstens Schneiderarbeiten für die Kleiderkammer der Israelitischen Gemeinde Bremen erledigen zu dürfen, wurde abgelehnt.

Die Simches versuchten aus Deutschland zu fliehen. Sie verkauften am 4.5.1939 ihr Haus, in dem sie bis zur beabsichtigten Auswanderung als Mieter bleiben durften. Aus unbekannten Gründen scheiterten jedoch die Auswanderungspläne.

Am 18.11.1941 wurden Heymann, Frieda, Richard und seine Tante Johanna Simche von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.


Verfasserin:
Nathalie Sander (2011)

Informationsquellen:
Eckler-von Gleich/Kühne, Juden in Walle, Bremen 1990
Bundesarchiv, Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Minsk