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Ida Ginsberg, *1875

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Parkstr. 5
Bremen-Schwachhausen


Parkstr. 5 - Weitere Stolpersteine:


Ida Ginsberg

geb. 30.6.1875

Ida Ginsberg kam als ein mittleres von vier Geschwistern in Varrel bei Sulingen im Landkreis Diepholz zur Welt. Ihr Vater Meyer (Meier) Ginsberg, geb. 1824, entstammte einer Viehhändlerfamilie aus Rahden, einer Kleinstadt im westfälischen Kreis Lübbecke. Wie sein Vater wurde er Viehhändler und Schlachter. Meyer Ginsberg verließ seine Heimat Mitte des 19. Jahrhunderts und ließ sich im Bremer Umland nieder.

Ida Ginsberg blieb ledig und kinderlos. 1912 zog sie mit der Familie ihres jüngeren Bruders Hermann und seiner Frau Sophie von Varrel nach Diepholz, wo dieser in der Grafenstraße einen Viehhandel betrieb. Im Diepholzer Meldebuch wurde Ida Ginsbergs Tätigkeit als „Haustochter“ eingetragen, und es ist davon auszugehen, dass sie schon in Varrel in der Familie des Bruders gelebt, den Haushalt geführt und die drei Kinder mit betreut und versorgt hat, wie es in jener Zeit noch das Los der meisten unverheirateten Schwestern war.

Als ihr Bruder 1920 unerwartet starb, blieb sie in der Familie. 1936 zog sie mit ihrer Schwägerin Sophie Ginsberg nach Bremen, die wegen Schikanen der örtlichen Gestapo Diepholz verlassen musste. Die beiden Frauen mieteten eine geräumige Wohnung in der Parkstraße 5, in der unter dem Druck der verschärften antisemitischen Mietgesetzgebung ab Frühjahr 1939 immer mehr Familienangehörige Zuflucht suchten. Erst im Frühjahr 1940 trennten sich die Wege von Ida Ginsberg und ihrer Schwägerin Sophie. Nun aus der Parkstraße 5 vertrieben, fanden sie zunächst bei Angehörigen aus ihren jeweiligen Herkunftsfamilien Unterschlupf: Ida Ginsberg in der Familie ihrer Nichte Lucie Harf in der Neuenlander Straße 20. Dort konnte sie allerdings nur wenige Monate bleiben, schon im August 1940 wurde sie in das „Judenhaus“ Wilhelmshavener Straße 3 (heute Hauffstraße 2) eingewiesen, wohin ihr die Schwägerin später folgen sollte. Von dort aus wurden die beiden Frauen gemeinsam am 18.11.1941 in das Ghetto Minsk deportiert.

Mit dem Transport Da 56 von Bremen über Hamburg nach Minsk fuhren auch Ida Ginsbergs Nichten, die beiden Töchter ihres ältesten Bruders Adolph, mit ihren Familien in den Tod. Wie fast alle Bremer Juden dieses Transports fiel Ida Ginsberg entweder den Entbehrungen im Ghetto Minsk oder einer der Massenmordaktionen zum Opfer, die Ende Juli 1942 einsetzten.

Verfasserin:
Christine Nitsche-Gleim (2017)

Informationsquellen:
StA Bremen Einwohnermeldekartei; Stadt-A Diepholz Des.62, Ab: Meldebücher 1874 - 1931 Jüdische Regionalgeschichte im Landkreis Diepholz, unter: www.juedische-geschichte-diepholz.de Liebezeit, Falk/Major, Herbert: Auf den Spuren jüdischer Geschichte in Diepholz, Diepholz 1999

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Judenhäuser"
Glossarbeitrag Minsk