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Salomon Lundner, *1896

ausgewiesen 1938 nach Polen
ermordet in Auschwitz


Plattenheide 40
Bremen-Hemelingen


Plattenheide 40 - Weitere Stolpersteine:


Salomon Lundner

Salomon Lundnergeb. 10.8.1896 in Chrzanow

Salomon Lundner war der Sohn von Juda Wolff und Sara Lundner, Fliederstraße 41a. Er war das erste von zehn Kindern.

Er kam vermutlich 1905 mit seinen Eltern aus Polen in Bremen an. Er besuchte ab 1910 die Handelsschule. Mit 18 Jahren war er Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg. Danach arbeitete er bis 1922 als Handlungsgehilfe im väterlichen Wäscheversandgeschäft.

Am 20.1.1923 heiratete er in Bremen Chana (Anna) Rosenberg, geb. 1900 in Chrzanow. Sie hatten vier Kinder: Israel (geb. 1927), Beate (geb. 1928), David (geb. 1932) und Ella (geb. 1933).

1928 meldete Salomon Lundner ein eigenes Geschäft (Sackhandel) an und 1931 zusätzlich einen Wäscheversand wie sein Vater. Das Geschäftsbüro befand sich im Wohnhaus Plattenheide 40, das Sacklager auf dem Teerhof 17/19.

Nach Angaben seines überlebenden Bruders Arnold war er ein erfolgreicher Geschäftsmann gewesen. Bereits 1929 erwarb er das Haus in der Plattenheide. Die Wohnung war mit wertvollen Teppichen ausgelegt, die Schrankwände aus Eiche, Rundfunk- und Schallplattenapparat waren vorhanden, die Kinder trugen bereits Uhren. Der Haushalt wurde von einem Dienstmädchen versorgt. Die Familie Lundner hatte sich ihre Geschäftsgebiete aufgeteilt. Salomon hatte den Bereich Ostfriesland, Oldenburg und Bezirk Hannover übernommen. Bis 1936 lag sein Jahresumsatz bei ca. 30.000 RM. Die Gewinnmarge betrug um 30%. Sein Bruder, der Bremen einen Tag vor der Verhaftung verlassen konnte, schätzte den damaligen Lagerbestand auf ca. 20.000 Säcken.

Die Familie Salomon und Anna Lundner wurde am 28./29.10.1938 nach Polen ausgewiesen. Ein Polizeiprotokoll vom 1.11.1938 vermerkt, dass die Wohnung verschlossen war, sich noch Wäsche auf der Trockenleine befand sowie verderbliche Waren vorhanden waren. Die Wäsche und andere im Hausflur vorhandene Kleidungsstücke wurden unter Verschluss gebracht.

Anna Lundner bekam im Sommer 1939 eine sechswöchige Aufenthaltsgenehmigung für das Deutsche Reich. Am 25.7.1939 schloss sie den Vertrag über den Verkauf des Hauses, das zu einem halben Anteil auch ihr gehörte, ab. Wie sehr sie unter Verkaufsdruck stand, bestätigte, wenn auch mit anderer Intention, der Käufer im späteren Rückübertragungsverfahren: Frau Lundner habe förmlich darum gebettelt. Mit dem Verkaufserlös trug sie die Hypotheken ab, der Restbetrag musste auf ein Sperrkonto eingezahlt werden. Aufgrund der Rechtslage ist zu bezweifeln, ob sie jemals über den Betrag verfügen konnte.

Die Familie wurde zu einem späteren Zeitpunkt, der nicht bekannt ist, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Juda Wolff und Sara Lundner hatten zehn Kinder und 26 Enkel. Nur die Kinder Arnold und Rosa sowie Adolf mit seiner Familie entkamen durch Flucht und überlebten. Drei Generationen mit dem Familiennamen Lundner, bestehend aus 41 Menschen, wurden ausgelöscht. Sie ließen ihre Leben in Auschwitz, Minsk, dem Ghetto Warschau sowie an unbekannt gebliebenen Orten.


Verfasser:
Bernhard Lieber/Peter Christoffersen (2011)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E11812, Ra 2070, Rü 6277

Weitere Informationen:
Glossarartikel Polenaktion
Glossarartikel Auschwitz
Glossarartikel "Arisierung"

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