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Hermann Grünberg Jun., *1917

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Wiesbadener Str. 30
Bremen-Neustadt

Hermann Grünberg Jun.

Hermann Grünberg Jun.geb. 27.2.1917 in Bremen

Herrmann Grünberg jun. war Sohn von Hermann Grünberg sen. (Jg. 1890) und von Elisabeth Grünberg, geb. Geercken, (Jg. 1894). Er hatte eine jüngere Schwester Goldine, genannt Golly.

Hermann Grünberg jun. besuchte nach der Volksschule für ein Jahr die Realschule am Leibnitzplatz, danach den gehobenen Zug in der Schule Woltmershauser Allee. Anschließend machte er bis Ostern 1936 eine Lehre als Baumwollhändler bei Hermann Rosenstein, des weiteren wurde er als Baumwoll-Klassierer ausgebildet. Parallel dazu besuchte er an der Handelsschule Union einen Lehrgang für den Großhandel. Da der Firmeninhaber Rosenstein bereits 1937 flüchtete, konnte er dort nicht mehr weiterarbeiten. Er fand aber Beschäftigung als Angestellter bei der Firma Joseph Grünberg, Am Neustadtswall 27c, in der sein Vater Teilhaber war. Da seine Onkel Joseph und Adolph Grünberg keine männlichen Nachkommen hatten, war er dort sogar als Nachfolger der Firma vorgesehen, doch 1938 musste der Betrieb aufgrund der antijüdischen Maßnahmen schließen.

Hermann Grünberg jun. konnte jetzt nur noch mit Gelegenheitsarbeiten seinen Lebensunterhalt bestreiten. Er plante auszuwandern und erlernte deshalb zusätzlich das Schlosserhandwerk.

In der Pogromnacht 1938 wurden sein Vater und er verhaftet. Seine Mutter und seine Schwester versuchten vergeblich, die Freilassung der beiden zu erreichen, sie wurden in das in das KZ Sachsenhausen gebracht.

Als Hermann Grünberg jun. 1941 deportiert werden sollte, versuchte seine Mutter mit dem Argument, er sei kein „Volljude“, seine Deportation zu verhindern. Dies gelang ihr jedoch nicht. Am 18.11.1941 wurde er in das Ghetto Minsk deportiert.

Sein Vater Hermann Grünbeg sen. wurde noch am 13.2.1945 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort erlebte er die Befreiung und kehrte gesundheitlich schwer beeinträchtigt nach Bremen zurück.

Seine Mutter Elisabeth Grünberg, die evangelisch getauft, aber schon 1918 zum jüdischen Glauben übergetreten war, wurde diskriminiert und zum Arbeitseinsatz in den Krupp-Munitionsfabriken zwangsverpflichtet. Auch sie erkrrankte seelisch und körperlich schwer.

Seine Schwester Golly, die 1940 nach Berlin gezogen war, wurde von dort in das Ghetto Theresienstadt und weiter in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Sie überlebte die Shoah und emigrierte nach Kriegsende in die USA.

Verfasserin:
Edith Laudowicz

Informationsquellen:
Gedenken an Hermann Grünberg Junior. Gedenkansprache von Rolf Rübsam am 3. Mai 2005 vor dem Haus Wiesbadener Straße 30
Die Grünbergs, in: Jüdisches leben in der Bremer Neustadt während der NS-Zeit, Buch zur Ausstellung der AG Stadtteilgeschichte, Bremen 2001
Zu Erinnerung an die Deportation Bremer Juden am 18.11.1941 in das Vernichtungslager Minsk, Kleine Schriften des Staatsarchivs, Heft 21

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Novemberpogrom
Glossarbeitrag Sachsenhausen
Glossarbeitrag Minsk