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Siegfried Fränkel, *1891

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Hemelinger Bahnhofstraße 16
Bremen-Hemelingen

Verlegedatum: 07.06.2012


Hemelinger Bahnhofstraße 16 - Weitere Stolpersteine:


Siegfried Fränkel

Siegfried Fränkelgeb. 9.11.1891 in Hamburg

Siegfried Fränkel war der Sohn der zum Zeitpunkt seiner Geburt unverheirateten Johanna Fränkel (geb. 1873 in Schmalförden). Sein Vater ist nicht bekannt. Seine Mutter heiratete später H. Heinrich W. Reuter. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. Die Familie war evangelischen Glaubens. Die Eltern von Johanna Fränkel waren Juden. Siegfried Fränkel lebte mit Unterbrechungen seit 1899 in Bremen. Er war Viehhändler von Beruf.

Am 6.6.1921 heiratete er Rika (Rifka) van der Berg (geb. 1892), die aus Westgroßefehn kam, in Timmel bei Aurich. Hier wurde auch ihre Tochter Betty am 27.3.1922 geboren. Im Jahr nach ihrer Geburt zog das Ehepaar wieder nach Bremen, zunächst in die Osterholzer Landstraße. Am 16.1.1930 zogen sie dann in die Hemelinger Bahnhofstraße 16 ein.

Ab Januar 1937 wurde den Juden der Viehhandel verboten und damit Siegfried Fränkel seine Existenzgrundlage entzogen. Er hatte vom 6.10. - 9.11.38 und vom 22.2.39 - 6.1.40 bei der Firma Stehmeier & Busch in Bremen im Straßen- und Tiefbau eine Arbeit. Sein wöchentlicher Bruttolohn betrug 37,44 RM. 1941 war er als Arbeiter bei der Firma Lagler in Bremen-Hemelingen beschäftigt, eine Feueranzünderfabrik. Dort betrug sein Wochenlohn nur noch 25,00 RM.

Am 18.11.1941 wurde Siegfried Fränkel mit seiner Familie von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden alle ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Am 1.9.1940 zogen der Bruder seines Schwagers Walter Menkel mit seiner Ehefrau und einem ihrer Söhne zu ihnen in die Hemelinger Bahnhofstraße. Walter Menkel mit Frau und Sohn Kurt Menkel fanden ebenfalls im Ghetto von Minsk den Tod. Der jüngste Sohn Simon Heinz überlebte als einer der Wenigen die Internierung in Minsk.

Seine Halbgeschwister wurden während der Zeit des Nationalsozialismus' nicht verfolgt. Sie hatten keine Möglichkeiten, das Eigentum der Fränkels nach ihrer Deportation zu sichern, da es von den Behörden umgehend beschlagnahmt wurde.


Verfasser:
Peter Christoffersen (2012)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E4540, Rü 5918, Einwohnermeldekarte
www. alemannia-judaica.de (Leer)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Minsk