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Lothar Meyer, *1898

„SCHUTZHAFT“ 1938 SACHSENHAUSEN, DEPORTIERT 1941
ERMORDET IN MINSK


Faulenstraße 26/28
Bremen-Mitte

Verlegedatum: 03.03.2014


Faulenstraße 26/28 - Weitere Stolpersteine:


Lothar Meyer

Lothar Meyergeb. 4.10.1898 Blumenthal

Lothar Meyer war der Sohn von Moritz Meyer (1865-1917) und seiner Ehefrau Minna, geb. Kaiser (1864-1942). Das Ehepaar hatte vier Kinder: Feodore (geb. 30.10.1890 in Münden), Hugo (geb. 6.6.1893 in Münden), Ferdinand (geb. 27.9.1895 in Münden) und Lothar.

Lothar Meyer hatte zunächst in Blumenthal die Volksschule, dann in Bremen eine Realschule bis zur Mittleren Reife besucht. Er ging bei seinem Bruder Ferdinand in die Lehre, der Getreidemakler war. Dieser hatte das Kontor 1917, nach dem Tode seines Vaters, übernommen. Anschließend arbeitete er bei ihm als Prokurist. Vermutlich aufgrund des Geschäftsrückgangs durch die zunehmenden Boykottmaßnahmen verließ er das Unternehmen seines Bruders und war von Oktober 1933 bis zum 30.11.1936 als Vertreter im Zeitschriftenhandel bei der Firma Salomon in der Kaiserstraße 14 beschäftigt. Vom 2.12.1936 bis 19.1.1939 hatte er ein Gewerbe „Vertreter in Versicherungen“ angemeldet.

Lothar Meyer wohnte ab dem 29.9.1930 in der Faulenstraße 26/28 mit seiner Mutter und seinem Bruder Hugo zusammen in einer 5-Zimmer-Wohnung. Zum Jahresende 1940 musste die Familie die Wohnung verlassen. Die beiden Brüder mussten ab dem 2.1.1941 in das "Judenhaus" Wiesenstraße 2 umziehen. Ihre Mutter zog zur Tochter Feodore, verheiratete Schloss, die mit ihrer Familie in Harburg lebte.

In der Pogromnacht 1938 wurde Lothar Meyer – und mit ihm seine Brüder Hugo und Ferdinand – verhaftet und war im KZ Sachsenhausen bis zum 18.1.1939 inhaftiert. Später arbeitete er vom 10.6.1940 bis 26.4.1941 in der Wäscherei Schleff.

Am 18.11.1941 wurde Lothar Meyer zusammen mit seinem Bruder Hugo von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Seine Mutter Minna Meyer meldete sich freiwillig für die Deportation nach Minsk, nachdem ihre Tochter Feodore mit ihrer Familie (Ehemann mit zwei Kindern) die Deportationsbescheide erhalten hatten. Sie wurden am 8.11.1941 von Hamburg aus nach Minsk deportiert und verloren dort ihr Leben. Für sie wurden 2006 in Hamburg-Harburg Stolpersteine verlegt.

Sein Bruder Ferdinand wurde bereits nach 16 Tagen aus dem KZ Sachsenhausen entlassen, da er inzwischen ein Einreisevisum für die USA erhalten hatte. Am 28.11.1938 gelang ihm mit seiner Ehefrau und drei Kindern die Flucht.

Auf dem jüdischen Friedhof in Bremen-Hastedt steht ein Gedenkstein für die gesamte Familie.


Verfasser:
Peter Christoffersen (2014)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E11021, 4,54-E9933, Einwohnermeldekartei
Bundesarchiv, Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945
www.stolpersteine-hamburg.de

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Sachsenhausen
Glossarbeitrag Minsk