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Hugo Meyer, *1893

„SCHUTZHAFT“ 1938 SACHSENHAUSEN , DEPORTIERT 1941
ERMORDET IN MINSK


Faulenstraße 26/28
Bremen-Mitte

Verlegedatum: 03.03.2014


Faulenstraße 26/28 - Weitere Stolpersteine:


Hugo Meyer

Hugo Meyergeb. 6.6.1893 Münden (Han.)

Hugo Meyer war der Sohn von Moritz Meyer (1865-1917) und seiner Ehefrau Minna, geb. Kaiser (1864-1942). Das Ehepaar hatte vier Kinder: Feodore (geb. 30.10.1890 in Münden), Ferdinand (geb. 27.9.1895 in Münden), Lothar (geb. 4.10.1898 in Blumenthal) und Hugo.

Hugo Meyer hatte in Blumenthal die Volksschule besucht und anschließend eine Lehre als Textilverkäufer absolviert. Er fand später Arbeit in Hamburg, Hannover und Bremen, hier unter anderem bei der Karstadt AG und der Fa. Koopmann. Vom 11.5.1927 - 30.9.1938 war er selbständiger Großhändler für Zigaretten und Zigarren. Bis Dezember 1933 hatte er eine Vertretung für die Fa. Reemtsma, Hamburg. Am 3.12.1936 meldet er ein weiteres Gewerbe an: „Vertretung für Versicherungen“. Beide Gewerbe wurden am 30.9.1938 wieder abgemeldet.

Hugo Meyer wohnte ab dem 29.9.1930 in der Faulenstraße 26/28 mit seiner Mutter und seinem Bruder Lothar zusammen in einer 5-Zimmer-Wohnung. Zum Jahresende 1940 musste die Familie die Wohnung verlassen. Die beiden Brüder mussten ab dem 2.1.1941 in das "Judenhaus" Wiesenstraße 2 umziehen. Ihre Mutter zog zur Tochter Feodore, verheiratete Schloss, die mit ihrer Familie in Harburg lebte.

Hugo Meyers Name findet sich in der Datenbank der entlassenen KZ-Häftlinge aus Sachsenhausen mit dem Entlassungsdatum 22.8.1938. Ob er in "Schutzhaft" oder im Zuge der Aktion "Arbeitsscheu Reich" inhaftiert worden war, ist nicht bekannt.

Am 10.11.1938 wurde Hugo Meyer – und mit ihm seine Brüder Lothar und Ferdinand – im Zuge der Pogromnacht erneut verhaftet und im KZ Sachsenhausen bis zum 16.12.1938 inhaftiert. Nach seiner Entlassung hatte er in Bremen Erdarbeiten zu verrichten.

Am 18.11.1941 wurde Hugo Meyer zusammen mit seinem Bruder Lothar von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Seine Mutter Minna Meyer meldete sich freiwillig für die Deportation nach Minsk, nachdem ihre Tochter Feodore mit ihrer Familie (Ehemann mit zwei Kindern) die Deportationsbescheide erhalten hatten. Sie wurden am 8.11.1941 von Hamburg aus nach Minsk deportiert und verloren dort ihr Leben. Für sie wurden 2006 in Hamburg-Harburg Stolpersteine verlegt.

Sein Bruder Ferdinand wurde bereits nach 16 Tagen aus dem KZ Sachsenhausen entlassen, da er inzwischen ein Einreisevisum für die USA erhalten hatte. Am 28.11.1938 gelang ihm mit seiner Ehefrau und drei Kindern die Flucht.

Auf dem jüdischen Friedhof in Bremen-Hastedt steht ein Gedenkstein für die gesamte Familie.

Verfasser:
Peter Christoffersen (2014)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E11022, Einwohnermeldekartei
Bundesarchiv, Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945
www.ushmm.org (Holocaust Survivor & Victim Database Washington)
www.stolpersteine-hamburg.de

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Sachsenhausen
Glossarbeitrag Minsk