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Martha Goldberg, geb. Sußmann, *1873

Pogromopfer
erschossen 10.11.1938


Bremerhavener Heerstr. 18
Bremen-Burglesum
ehemalige Straßenbezeichnung: Bahnhofstr. 144


Bremerhavener Heerstr. 18 - Weitere Stolpersteine:


Martha Goldberg

Martha Goldberggeb. 4.8.1873 in Schwerin
Martha Sussmann war die Tochter des Kaufmanns Adolph Sussmann und seiner Ehefrau Bertha, geb. Ahrens. 1895 heiratete sie den am 13.2.1860 in Soltau als Sohn des Kaufmanns David Goldberg und seiner Ehefrau Caroline, geb. Goldberg geborenen Dr. Adolph Goldberg, der in Burgdamm, damals ein Ortsteil der preußischen Gemeinde Lesum, aufgewachsen war und sich nach dem Medizinstudium dort als Arzt niedergelassen hatte.
Die Arztpraxis befand sich im Haus der Familie Goldberg in der Bahnhofstraße 144 (heute: Bremerhavener Heerstraße 18). Zu Dr. Goldbergs Berufserfolg trug seine Frau wesentlich bei. Martha Goldberg vermochte Haushalt, Familienleben und Mithilfe in der Arztpraxis geschickt zu koordinieren, wobei sie noch rege gesellschaftliche Kontakte pflegte. Die moderne, allem Neuen aufgeschlossene Frau unterstützte nicht zuletzt das soziale Engagement ihres Mannes. Bereits um die Jahrhundertwende halfen die Goldbergs aus eigenen Mitteln notleidenden Menschen, insbesondere kinderreichen Familien. Für sie „wurde bei Doktors gekocht“. Während der Massenarbeitslosigkeit am Ende der Weimarer Republik kam ihre private Sozialfürsorge „ausgesteuerten“ Patienten zugute, die der Arzt kostenlos behandelte.
Nicht weniger war Dr. Goldberg durch seine hohe ärztliche Kunst, vor allem als Geburtshelfer, bekannt, für die ihm 1918 der Titel „Sanitätsrat“ verliehen wurde.
Das Ehepaar hatte drei Kinder, Gertrud und die Zwillinge Käthe und Kurt, deren zahlreiche Freunde bei ihnen ein- und ausgingen. Die Eltern pflegten ein herzliches Verhältnis zu ihren Nachbarn und den Familien ihrer Hausangestellten wie auch zu den Honoratioren Burgdamms. Umso bitterer mussten die Goldbergs Meidung und Verdrängung aus der Öffentlichkeit in der Nazizeit empfinden. Nach dem Freitod ihres Sohnes (1930) und der Emigration der Töchter waren sie zuletzt völlig vereinsamt.
Trotz der öffentlichen Hetze gegen Juden schockierte die Nachricht von der Erschießung des Ehepaares durch SA-Leute am Morgen des 10.11.1938 nicht wenige Bürger des Ortes.
In Bremen-Burglesum trägt ein öffentlicher Platz seit 1985 den Namen Goldbergplatz. Ein Gedenkstein in seiner Mitte erinnert an die Ermordung des Ehepaares Goldberg in der Reichspogromnacht.
Verfasser: Rolf Rübsam (2011)

Informationsquellen:
Rolf Rübsam, Sie lebten unter uns, Bremen 1988, S. 14-50
Wilhelm Lührs u.a., „Reichskristallnacht" in Bremen. Vorgeschichte, Hergang und gerichtliche Bewältigung des Pogroms vom 9./10. November 1938, Bremen, 1988

Abbildungsnachweis: Staatsarchiv Bremen

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Novemberpogrom