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Bernhard Benjamin, *1873

Deportiert 1941 Minsk
ermordert


Friedrich-Ebert-Straße 111
Bremen-Neustadt
ehemalige Straßenbezeichnung: Richthofenstraße 11

Verlegedatum: 03.12.2015


Friedrich-Ebert-Straße 111 - Weitere Stolpersteine:


Bernhard Benjamin

geb. 17.10.1873 in Meppen

Bernhard Benjamin war der Sohn von Salomon und Nanni Benjamin, geb. Blumenfeld. Er absolvierte nach dem Besuch der Volksschule eine kaufmännische Lehre in der Textilbranche und war zwei Jahre beim Militär. In Dormagen heiratete er am 16.9.1908 die 1903 verwitwete Martha Mendel, geb. Gans (geb. 13.8.1878 in Emmerich); deren Eltern waren Isaak Michel und Henriette Gans, geb. Herz. Am 31.7.1909 wurde ihr Sohn Günther in Elberfeld geboren.

Bernhard Benjamin war als Textilvertreter tätig und bereiste die Bezirke Hannover, Bremen, Oldenburg, Ostfriesland und Emsland. Er vertrat namhafte Textilfirmen und war in seinem Beruf sehr erfolgreich. Um die Wege zu seinen Kunden zu verkürzen, zog die Familie 1910 von Elberfeld nach Hannover und am 1.4.1931 nach Bremen. Mit dem Einsetzen von Boykott und Entrechtung gegenüber der jüdische Bevölkerung gingen seine Einkünfte erheblich zurück, bis er schließlich am 27.7.1938 seinen Beruf aufgeben musste.

In Bremen wohnte das Ehepaar zunächst in der Rückertstraße und vom 15.3.1932 bis zum 15.9.1938 in der Richthofenstraße 11 (heute Friedrich-Ebert-Straße) Dort hatten sie eine gut eingerichtete 4-Zimmer-Wohnung. Mit der Ausweitung der Zwangsmaßnahmen mussten sie anschließend mehrfach die Wohnung wechseln. Kurz vor ihrer Deportation lebten sie im "Judenhaus" General-Ludendorff-Straße 27 (heute Bürgermeister-Smidt-Straße).

Ihr Sohn Günther arbeitete ab Ende 1932 bei der Karstadt AG in Bremen und wohnte bei den Eltern. Im Juli 1936 reiste er mit einem Touristenvisum nach Palästina und blieb in Tel Aviv. 1937 besuchte ihn seine Mutter dort, um für das Ehepaar zu erkunden, ob sie sich in Palästina einleben könnten. Tatsächlich war dieser Besuch ausschlaggebend dafür gewesen, dass die Eltern ebenfalls ihre Ausreise betrieben und 1938 einen Lift mit einem Großteil ihrer Wohnungseinrichtung an den Sohn sandten. Sie zogen in eine kleinere Wohnung (Außer der Schleifmühle 77), um vermutlich auf die Auswanderung zu warten. Wenige Wochen nach der "Arisierung" des Hauses, mussten sie jedoch auch diese Wohnung wieder verlassen. Aus welchen Gründen ihre Auswanderung scheiterte, obwohl sie vermutlich über Visen verfügten, ist nicht bekannt.

Am 18.11.1941 wurden Bernhard und Martha Benjamin von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Nach Ende des Krieges galt Günther Benjamin als verschollen, sodass die Israelitische Gemeinde ihn auf die Liste der Opfer der Gewaltherrschaft setzte und er 1948 für tot erklärt wurde. Dieser Irrtum konnte erst im Zuge des "Wiedergutmachungsverfahrens" aufgeklärt werden. Er war verheiratet, hatte zwei Söhne und verstarb 1993 in Israel.


Verfasser:
Peter Christoffersen (2015)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E10381, 4,54-E10382, Einwohnermeldekartei

Abbildungsnachweis: Privatbesitz

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Minsk