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Günther Benjamin, *1909

Flucht 1936 Palästina


Friedrich-Ebert-Straße 111
Bremen-Neustadt
ehemalige Straßenbezeichnung: Richthofenstraße 11

Verlegedatum: 03.12.2015


Friedrich-Ebert-Straße 111 - Weitere Stolpersteine:


Günther Benjamin

geb. 31.7.1909 in Elberfeld

Günther Benjamin war der Sohn von Bernhard Benjamin und Martha Mendel, geb. Gans. Seine Eltern heirateten 1908 in Dormagen.

Sein Vater Bernhard Benjamin war als Textilvertreter tätig. Er vertrat namhafte Textilfirmen und war in seinem Beruf sehr erfolgreich. Um die Wege zu seinen Kunden zu verkürzen, zog die Familie 1910 von Elberfeld nach Hannover und am 1.4.1931 nach Bremen.

In Bremen wohnte die Familie zunächst in der Rückertstraße und vom 15.3.1932 bis zum 15.9.1938 in der Richthofenstraße 11 (heute Friedrich-Ebert-Straße) Dort hatten sie eine gut eingerichtete 4-Zimmer-Wohnung. Mit der Ausweitung der Zwangsmaßnahmen mussten sie anschließend mehrfach die Wohnung wechseln. Kurz vor ihrer Deportation lebten sie im "Judenhaus" General-Ludendorff-Straße 27 (heute Bürgermeister-Smidt-Straße).

Günther arbeitete ab Ende 1932 bei der Karstadt AG in Bremen und wohnte bei den Eltern. Im Juli 1936 reiste er mit einem Touristenvisum nach Palästina und blieb in Tel Aviv. 1937 besuchte ihn seine Mutter, um zu erkunden, ob auch sie sich mit ihrem Mann in Palästina einleben könnten. Tatsächlich war dieser Besuch ausschlaggebend dafür gewesen, dass die Eltern ebenfalls ihre Ausreise betrieben und 1938 einen Lift mit einem Großteil ihrer Wohnungseinrichtung an den Sohn sandten.

Sie zogen in eine kleinere Wohnung (Außer der Schleifmühle 77), um vermutlich auf die Auswanderung zu warten. Wenige Wochen nach der "Arisierung" des Hauses, mussten sie jedoch auch diese Wohnung wieder verlassen. Aus welchen Gründen ihre Auswanderung scheiterte, obwohl sie bereits über Visen verfügten, ist nicht bekannt.

Am 18.11.1941 wurden Bernhard und Martha Benjamin von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Nach Ende des Krieges galt Günther Benjamin als verschollen, sodass die Israelitische Gemeinde ihn auf die Liste der Opfer der Gewaltherrschaft setzte und er 1948 für tot erklärt wurde. Dieser Irrtum konnte erst im Zuge des "Wiedergutmachungsverfahrens" aufgeklärt werden. Er war verheiratet, hatte zwei Söhne und verstarb 1993 in Israel.

Verfasser:
Peter Christoffersen (2015)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E10381, 4,54-E10382, Einwohnermeldekartei

Abbildungsnachweis: Privatbesitz