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Martha Benjamin, geb. Gans, *1878

Deportiert 1941 Minsk
ermordert


Friedrich-Ebert-Straße 111
Bremen-Neustadt
ehemalige Straßenbezeichnung: Richthofenstraße 11

Verlegedatum: 03.12.2015


Friedrich-Ebert-Straße 111 - Weitere Stolpersteine:


Martha Benjamin

geb. 13.8.1878 in Emmerich

Martha Mendel, geb. Gans war die Tochter von Isaak Michel und Henriette Gans, geb. Herz aus Emmerich. In Dormagen heiratete sie als Witwe am 16.9.1908 Bernhard Benjamin (geb. 17.10.1873 in Meppen). Am 31.7.1909 wurde ihr Sohn Günther in Elberfeld geboren. Sie brachte noch ihre Tochter Edith (später verheiratete Löwenthal) mit in die Ehe, die schon 1925 in Hannover verstarb.

Bernhard Benjamin war als Textilvertreter tätig und bereiste die Bezirke Hannover, Bremen, Oldenburg, Ostfriesland und Emsland. Er vertrat namhafte Textilfirmen und war in seinem Beruf sehr erfolgreich. Um die Wege zu seinen Kunden zu verkürzen, zog die Familie 1910 von Elberfeld nach Hannover und am 1.4.1931 nach Bremen. Mit dem Einsetzen von Boykott und Entrechtung gegenüber der jüdische Bevölkerung gingen seine Einkünfte erheblich zurück, bis er schließlich am 27.7.1938 seinen Beruf aufgeben musste.

In Bremen wohnte das Ehepaar zunächst in der Rückertstraße und vom 15.3.1932 bis zum 15.9.1938 in der Richthofenstraße 11 (heute Friedrich-Ebert-Straße) Dort hatten sie eine gut eingerichtete 4-Zimmer-Wohnung. Mit der Ausweitung der Zwangsmaßnahmen mussten sie anschließend mehrfach die Wohnung wechseln. Kurz vor ihrer Deportation lebten sie im "Judenhaus" General-Ludendorff-Straße 27 (heute Bürgermeister-Smidt-Straße).

Ihr Sohn Günther reiste Juli 1936 mit einem Touristenvisum nach Palästina und blieb in Tel Aviv. 1937 besuchte Martha Mendel ihn dort, um für das Ehepaar zu erkunden, ob sie sich in Israel einleben könnten. Tatsächlich war dieser Besuch ausschlaggebend dafür gewesen, dass die Eltern ebenfalls ihre Ausreise betrieben und 1938 einen Lift mit einem Großteil ihrer Wohnungseinrichtung an den Sohn sandten. Sie zogen in eine kleinere Wohnung (Außer der Schleifmühle 77), um vermutlich auf die Auswanderung zu warten. Wenige Wochen nach der "Arisierung" des Hauses, mussten sie jedoch auch diese Wohnung wieder verlassen. Aus welchen Gründen ihre Auswanderung scheiterte, obwohl sie bereits über Visen verfügten, ist nicht bekannt.

Am 18.11.1941 wurden Bernhard und Martha Benjamin von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurden sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlagen, fielen sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Der Bruder von Martha Mendel war der Dermatologe Prof. Oscar Gans, der sich rechtzeitig nach Indien retten konnte. Er kam 1951 nach Frankfurt zurück, wo man ihn zum Rektor der Universität bestellte.

Verfasser:
Peter Christoffersen (2015)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E10381, 4,54-E10382, Einwohnermeldekartei

Abbildungsnachweis: Privatbesitz

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Minsk