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Rahel Weinberg, geb. Grünberg, *1875

deportiert 1941
ermordet in Minsk


Cord-Steding-Str. 9
Bremen-Blumenthal
ehemalige Straßenbezeichnung: Wilhelmstr. 9


Cord-Steding-Str. 9 - Weitere Stolpersteine:


Rahel Weinberg

geb. 6.9.1875 in Jengum

Rahel Weinberg wurde am 6.9.1875 in Jengum als Tochter von Aron Hartog Grünberg und seiner Ehefrau Frauke, geb. Cohen geboren. Mit neun Geschwistern und den Eltern lebte sie in Weener. Ihr Vater war Viehhändler und betrieb zusätzlich einen Produktenhandel. Sein Geschäft führte er zusammen mit seinen Söhnen und Schwiegersöhnen.

Am 28.10.1906 heiratete sie in Weener Bernhard Baruch Weinberg geb. 25.2.1881 in Buer im Wiehengebirge. Das Paar wohnte zunächst in Buer, wo ihre Tochter Karoline (genannt Lilly) am 4.3.1907 geboren wurde, später in Westrhauderfehn in Ostfriesland. Zusammen mit seinem Schwager betrieb Bernhard Baruch einen Fell-, Schrott- und Viehhandel. Sie waren bald gut etabliert und bauten ein großes Haus; zur Unterstützung für Rahel wurde ein Dienstmädchen eingestellt. Zu den Nachbarn unterhielten sie gute Beziehungen, deren Kinder halfen Rahel beispielsweise am Shabbat bei den nötigen Verrichtungen.

Nachdem Rahels Vater Hartog Grünberg gestorben war, zog die Familie nach Weener in die Nachbarschaft der Mutter. Sie erweiterten ihr Geschäft um einen Textilhandel. Die Tochter Lilly lebte vorübergehend in Frankfurt/Main, kehrte aber nach der Geburt ihrer Tochter Annemarie zu den Eltern zurück.

Die Familie wurde in der NS-Zeit immer mehr ausgegrenzt. Schon bald konnte Bernhard Baruch Weinberg seinen Viehhandel nicht mehr betreiben und hielt seine Familie durch Haustürverkäufe über Wasser. 1940 mussten alle Juden innerhalb kurzer Zeit Ostfriesland verlassen, die Familie Weinberg wurde in das „Judenhaus“ in der Wilhelmstraße 9 (heute Cord-Steding-Straße) in Blumenthal eingewiesen. Das kleine Haus wurde bereits von einer großen Familie bewohnt. Es blieben ihnen nur zwei winzige Dachzimmer.
Als der Deportationsbescheid kam, versuchte Rahel Weinberg, in der Nachbarschaft warme Kleidung zu bekommen. Eine Nachbarin gab ihr zwei wollene Strickjacken und erhielt dafür zum Dank sechs silberne Teelöffel mit der Bemerkung „die brauchen wir sowieso nicht“.

Am 18.11.1941 wurde Rahel Weinberg mit ihrer Familie in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurde sie ermordet: sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlag, fiel sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.


Verfasserin:
Wiltrud Ahlers (2011)

Informationsquellen:
Günther Rohdenburg / Karl-Ludwig Sommer, Erinnerungsbuch für die als Juden verfolgten Einwohner Bremens, Bremen 2006
Archiv Heinze Ostfriesland
Berichte des Schwagers Alfred Weinberg, New York, sowie ehemaliger Nachbarn in Blumenthal

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Judenhäuser"
Glossarbeitrag Minsk