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Juda Wolff Lundner, *1871

AUSGEWIESEN 1938 NACH POLEN
ERMORDET IN AUSCHWITZ


Fliederstr. 41a
Bremen-Hemelingen


Fliederstr. 41a - Weitere Stolpersteine:


Juda Wolff Lundner

Juda Wolff Lundnergeb. 23.12.1871 in Auschwitz

Juda Wolff Lundner war seit 1894 mit Sara Kühnreich verheiratet. Sie lebten seit 1920 in Bremen in der Fliederstraße 41a.

Gleich nach seiner Ankunft aus Polen (vermutlich 1905/1906) eröffnete Juda einen Sackhandel. Das Ehepaar brachte ihre vier Kinder Salomon, Isaac, Jakob und Berta mit, die sämtlich in Chrzanow, dem Geburtsort Saras, geboren wurden. 1906 wurde in Sebaldsbrück das fünfte Kind Adolf geboren, nach ihm bis 1916 die Kinder Gustav, Anna, Arnold, Regina und Rosa. Die Lundners hatten also zehn Kinder, von denen fünf auch als Erwachsene in Bremen lebten.

Seit August 1931 betrieb Juda Lundner zusammen mit seinen Söhnen Arnold und Gustav einen Wäscheversand. Zeitweise war auch Judas ältester Sohn Salomon als Handlungsgehilfe im väterlichen Betrieb beschäftigt. Am 1.1.1935 wurde die Firma J.W.Lundner Söhne OHG gegründet. Vater Juda Wolff und die Söhne Arnold und Gustav waren gleichberechtigte Gesellschafter.

Judas sechstes Kind Gustav besuchte von 1914 bis 1916 die Volksschule in Sebaldsbrück, anschließend bis 1922 die jüdische Schule in Achim. Von 1922 bis 1924 ging er auf die Frischen Handelsschule in Bremen. Ab 1924 trat er zuerst als Lehrling und dann als Angestellter in das väterliche Geschäft ein. Nachdem er 1935 Teilhaber der Firma geworden war, heiratete er 1936 Malka (Mally) Berenhak (geb. 1910 in Tarnobrzeg). Im elterlichen Haus Fliederstraße 41a bewohnten sie zwei große Zimmer und eine Küche. Hier wurden Schimon (1937) und Israel (1938) geboren.

Am 28./29.10.1938 wurden Juda Wolff und Sara Lundner nach Polen ausgewiesen. Ab 1940 lebten sie im Ghetto Chrzanow, bevor sie am 9.7.1942 verhaftet, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden. Sie wurden auf den 8.5.1945 für tot erklärt.

Das Haus Fliederstraße 41a wurde 1938 "arisiert".

Das Schicksal der Kinder von Juda Wolff Lundner:

Gustav und Mally Lundner setzten nach ihrer Ausweisung 1938 nach Polen alles daran, um mit ihren Kindern Schimon und Israel nach Holland auszuwandern. Aus einer eidesstattlichen Erklärung ist zu entnehmen, dass Gustav Lundner von Konsulat zu Konsulat und von Schifffahrtslinie zu Schifffahrtslinie ging, nur darauf bedacht, auswandern zu können - ohne Erfolg. Zuletzt war die Familie vom 7.7. bis 2.8.1939 wieder in der Hastedter Heerstraße 334 gemeldet. Dann wurden sie erneut nach Polen deportiert und später in Auschwitz ermordet. Sie wurden auf den 8.5.1945 für tot erklärt.

Rosa Nussbaum (geb. Lundner) erinnerte sich später: „.....am 29.10.1932 wurde ich mit meinen Eltern von der Gestapo verhaftet und nach Polen ausgewiesen. Wir kamen nach vielen Strapazen nach Chrzanow, dem Geburtsort meiner Mutter. Dort kamen wir im Januar 1940 ins Ghetto. Meine Eltern wurden durch die Gestapo am 9.7.1942 nach Auschwitz, 20 Minuten von Chrzanow, geschickt, wo sie umgekommen sind. Ich war bis Ende des Krieges im Arbeits- und Konzentrationslager Bernsdorf (Sudetengau). Während des Aufenthalts im Ghetto Chrzanow waren meine Eltern zum Tragen des Judensterns gezwungen .....“. Rosa ist nach Israel ausgewandert.

Salomon war mit Anna Rosenberg verheiratet, sie hatten vier Kinder. Die Familie wurde 1938 nach Polen ausgewiesen und später in Auschwitz ermordet.

Isaak war mit Frieda Kraismann verheiratet, sie hatten fünf Kinder. Er wurde 1942 aus Belgien nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Frieda wurde mit ihren Kindern nach Minsk deportiert und dort ermordet.

Jakob lebte in Halberstadt und war mit Klara Bachmann verheiratet, sie hatten sieben Kinder. Die Familie wurde 1941 in das Warschauer Ghetto deportiert und dort ermordet.

Berta lebte in Hamburg und war mit Adolf Friedmann verheiratet, sie hatten fünf Kinder. Ihr Mann wurde am 11.2.1943 in Auschwitz ermordet. Berta wurde mit ihren Kindern 1938 nach Polen deportiert. Ihr Schicksal ist nicht bekannt.

Anna lebte in Hamburg und war mit Jakob Strauss verheiratet, sie hatten drei Kinder. Die Familie wurde 1944 aus den Niederlanden nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Regina lebte in Frankfurt/Main und war mit Theodor Hoffnung verheiratet, sie hatten ein Kind. Die Familie wurde 1942 aus Belgien nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Adolf und Arnold überlebten und konnten am 26.10.1938 in die USA auswandern.

Juda Wolff und Sara Lundner hatten zehn Kinder und 26 Enkel. Nur die Kinder Arnold und Rosa sowie Adolf mit seiner Familie entkamen durch Flucht und überlebten. Drei Generationen mit dem Familiennamen Lundner, bestehend aus 42 Menschen, wurden ausgelöscht. Sie ließen ihre Leben in Auschwitz, Minsk, dem Ghetto Warschau sowie an unbekannt gebliebenen Orten.

Kinder:
Salomon, geb. 1896 in Chrzánow
Isaak, geb. 1898 in Chrzánow
Jacob, geb. 1900 in Chrzánow
Berta, geb. 1903 in Chrzánow
Adolf, geb. 1908 in Bremen (überlebt)
Gustav, geb. 1908 in Bremen
Anna, geb. 1910 in Bremen
Regina, geb. 1912 in Bremen
Arnold, geb. 1913 in Bremen (überlebt)
Rosa, geb. 1916 in Bremen (überlebt)


Verfasser:
Bernhard Lieber/Peter Christoffersen (2011)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Akte 4,54-E10340
Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Deutschland (1933-1945)
www.joodsmonument.nl
Archiv Kazerne Dossin

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Polenaktion
Glossarbeitrag Minsk
Glossarbeitrag Auschwitz
Glossarbeitrag Malines / Mechelen
Glossarbeitrag "Arisierung"

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