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Erich Benjamin, *1894

gedemütigt/entrechtet
Flucht in den Tod 24.8.1938


Slevogtstr. 23
Bremen-Schwachhausen
ehemalige Straßenbezeichnung: König-Albert-Str. 23


Slevogtstr. 23 - Weitere Stolpersteine:


Erich Benjamin

geb. 18.1.1894 in Horn/Lippstadt

Eltern von Erich Benz waren der Kaufmann Benjamin Benjamin und dessen Ehefrau Johanna, geb. Isaakson, beide mosaischer Religion. Vater Benjamin war Sohn der Eheleute Seligmann Benjamin, Kaufmann in Horn, und Dora, geb. Bendix. Ab 1932 führte Erich Benjamin den Namen Benz. Der Reichsminister des Innern widerrief diese Namensänderung am 5. Oktober 1938 auf Grund eines neuen Gesetzes. Da war Erich Benz, nun wieder Benjamin, bereits sechs Wochen tot.

Er lebte in Bremen und war seit 1932 mit Lotte, geb. Werner, verheiratet. Sie hatten einen Sohn Werner, der am 31.8.1935 in Berlin geboren wurde. Sie wohnten in der König-Albert-Straße 23 (jetzt Slevogtstraße).

Erich Benz war geschäftsführender Inhaber der Firma Trinkhalmindustrie GmbH, die er zusammen mit zwei Kommanditisten, Eduard und Fritz Goldschmidt, 1921 gegründet hatte. In den dreißiger Jahren produzierte und vertrieb diese Firma - mit Export ins europäische Ausland und in die USA - in der Obernstraße 38 Strohtrinkhalme und Ähnliches. Genannt werden in diversen Quellen zum Beispiel Milchflaschenverschlüsse, Strohmundstücke, Zahnstocher, Sektquirle, Papierwaren und Luxuskartonnagen.

Im Herbst 1936 setzte sich die Handelskammer vergeblich auf Bitten von Benz für eine Verlängerung seines Reisepasses um fünf Jahre ein, nachdrücklich und mit gründlicher Argumentation hinsichtlich des auch für das Reich bedeutsamen Auslandsgeschäfts. Dem zunehmenden Arisierungsdruck nachgebend, gliederten Benz und seine Gesellschafter das Unternehmen in zwei Firmen auf. Während Benz das Exportgeschäft unter der Firma Benz und Co. weiterführte, wurde der Produktionsbetrieb verkauft. Er befand sich 1938 unter der Firma Trinkhalm Industrie Pauer und Co. GmbH. im Eigentum von Scipio und Co. (Gustav Scipio, Fruchthof).

Im Februar 1939, nach dem Tod von Erich Benz, wurde auch seine Exportfirma „arisiert“. Der Direktor Carl Pauer übernahm die Firma von den Eigentümern Goldschmidt, die inzwischen in Prag und London lebten, und der Witwe Lotte Benjamin. Auch diese Firma befand sich anschließend in der Hand des Scipio-Konzerns.

Der genaue Todestag von Erich Benz und die Umstände, die zu seinem Tod führten, sind nicht bekannt. Als zeitnaheste Quelle geben jedoch die Aufzeichnungen des damaligen Vorstehers der Jüdischen Gemeinde, Max Markreich, Auskunft darüber: „Im Zusammenhang mit wiederholten Reisen nach Belgien verdächtigte die Gestapo den Inhaber einer Strohhalmfabrik, Erich Benz, Devisen verschoben zu haben. Nach mehrfachen Vernehmungen, in denen er seine Unschuld beteuerte, wurde er Ende August 1938 verhaftet und machte seinem Leben im Keller der Gestapo durch Erhängen ein Ende. Wie später bekannt wurde, war er von den Nazibeamten »erhängt worden«“.


Verfasser:
Conrad Thyssen (2011)

Informationsquellen:
Hanno Balz, Die „Arisierung“ von jüdischem Haus- und Grundbesitz in Bremen. Bremen 2004
Regina Bruss, Die Bremer Juden unter dem Nationalsozialismus, Bremen 1983
Max Markreich, Geschichte der Juden in Bremen und Umgebung. Bremen 2009 (2. Auflage), Seite 217
Staatsarchiv Bremen, Senatsregistratur: 3-J.5. (Arisierung, hier: Nr.137), 3-P.1.d. (Paßangelegenheiten, hier: Nr. 195), Akte 4,54-Ra337
Handelskammer Bremen, Archiv: G I 30 c (Devisen), G III 4 c Bd. 1 (Entjudung brem. Firmen 1938-1942)
Stadtarchiv Erwitte (Personenstandsurkunden)

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag "Arisierung"