Sie befinden sich hier | Kapitelüberschrift  Suche
Schriftgroesse verkleinern Schriftgroesse normal Schriftgroesse vergrössern
Diese Seite ausdrucken

Lotte Benjamin, geb. Werner, *1908

verzogen 1938 nach Berlin deportiert nach Theresienstadt
ermordet 1944 in Auschwitz


Slevogtstr. 23
Bremen-Schwachhausen
ehemalige Straßenbezeichnung: König-Albert-Str. 23


Slevogtstr. 23 - Weitere Stolpersteine:


Lotte Benjamin

geb. 17.2.1908 in Berlin

Lotte Rosenberg (verwitwete Benjamin), geborene Werner, war die Tochter des Berliner Syndikus Dr. Ludwig Werner, geb. am 22.12.1873 in Breslau, und dessen Ehefrau Margarete, geborene Sonnenthal, geb. am 24.9.1883 in Köthen. Lottes Mutter nahm sich am 3.9.1942 das Leben. Sie ist auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee begraben. Der Vater wurde zwei Monate später, am 19.11.1942, von Berlin aus nach Theresienstadt deportiert und nahm sich dort wenig später - am 5.12.1942 - ebenfalls das Leben.

1932 heiratete Lotte in erster Ehe den Bremer Kaufmann Erich Benjamin (Benz). Aus der Ehe ging 1935 der Sohn Werner René hervor. Am 24.8.1938 kam ihr Mann in Bremen in der Gestapohaft ums Leben. Lotte ging mit ihrem dreijährigen Sohn nach Berlin zurück, wo ihre Eltern lebten, und wohnte dort ab Dezember 1938 in der Spichernstraße 17 im Stadtteil Wilmersdorf.

Vermutlich 1941 heiratete Lotte in zweiter Ehe Kurt Rosenberg, geb. 2.1.1894 in Berlin. Das Ehepaar lebte mit Lottes Sohn aus erster Ehe in einer gut ausgestatteten 3-Zimmer-Wohnung. Zu Lottes Eigentum gehörten außer den Einrichtungsgegenständen Guthaben über fast 20.000 RM bei verschiedenen Banken, zu denen sie jedoch keinen Zugang hatte. Am 1.10.1942 teilte ihr die Gestapo Berlin mit, dass ihr gesamtes Vermögen zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen wird. Danach war sie als Arbeiterin bei einer Firma Grefer beschäftigt, später in der Charlottenburger Firma Motoren- und Gerätebau H.W. Paul in der Abteilung Rüstungsspezialbetrieb.

Am 13.1.1943 wurde Lotte Benjamin - zusammen mit ihrem Sohn und ihrem Ehemann - nach Theresienstadt deportiert. Fast acht Monate, vom Februar bis Ende September 1944, gab es keine Weitertransporte aus Theresienstadt in andere Lager. Erst im Herbst 1944 setzte erneut eine Welle von elf Transporten in verschiedene Konzentrationslager ein (28.9.1944 bis 28.10.1944).

Kurt Rosenberg wurde am 28. September 1944 weiter nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Eine Woche später - am 4. Oktober 1944 - wurden Lotte Rosenberg (verw. Benjamin) und ihr Sohn Werner ebenfalls nach Auschwitz deportiert. Sie kamen zu einem Zeitpunkt in Auschwitz-Birkenau an, als die Liquidierung des Lagers schon begonnen hatte. Die Krematorien reichten zur Verbrennung nicht mehr aus, so dass Leichen in Gruben und auf Scheiterhaufen verbrannt wurden. Von den 1500 Menschen, die am 4.10.1944 Theresienstadt verließen, haben 128 überlebt. Lotte Benjamin und ihr Sohn sind ermordet worden.


Verfasserin:
Anning Lehmensiek (2012)

Informationsquellen:
Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam: Rep. 36 A II Nr. 31604 und Rep.36 A II Nr. 39742
Landesarchiv Berlin: B Rep. 025-04 Nr. 2670/55 und B Rep. 025-04 Nr. 960/57
Auskunft der stellvertretenden Direktorin des Centrum Judaicum Berlin, Dr. Chana Schütz
http://www.holocaust.cz/de/
Miroslav Karny, Die Theresienstädter Herbsttransporte 1944, in: Theresienstädter Studien und Dokumente, Praha und Berlin 1995, S. 7 – 37
Andrzej Strzelecki, Endphase des KL Auschwitz. Evakuierung, Liquidierung und Befreiung des Lagers, Osíwięcim 1995, S. 116 ff.

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Theresienstadt
Glossarbeitrag Auschwitz