Sie befinden sich hier | Kapitelüberschrift  Suche
Schriftgroesse verkleinern Schriftgroesse normal Schriftgroesse vergrössern
Diese Seite ausdrucken

Werner Benjamin, *1935

verzogen 1938 nach Berlin deportiert nach Theresienstadt
ermordet 1944 in Auschwitz


Slevogtstr. 23
Bremen-Schwachhausen
ehemalige Straßenbezeichnung: König-Albert-Str. 23


Slevogtstr. 23 - Weitere Stolpersteine:


Werner Benjamin

geb. 31.8.1935 in Berlin

Die Eltern von Werner Benjamin, der Kaufmann Erich Benjamin (Benz) und seine Ehefrau Lotte, geborene Werner, heirateten 1932 und lebten in Bremen in guten Verhältnissen. Erich Benz war geschäftsführender Inhaber der Firma Trinkhalmindustrie GmbH, die er 1921 gegründet hatte. In den dreißiger Jahren produzierte und vertrieb diese Firma - mit Export ins europäische Ausland und in die USA - in der Obernstraße 38 Strohtrinkhalme und Ähnliches.

Vermutlich ging Werners Mutter in ihre Heimatstadt Berlin zu ihren Eltern, um dort 1935 ihren ersten Sohn zu bekommen. Sein Vater kam 1938 in Bremen in der Gestapohaft ums Leben. Im selben Jahr zog seine Mutter mit ihm nach Berlin-Wilmersdorf, Spichernstrasse 17. 1941 heiratete seine Mutter Kurt Rosenberg in zweiter Ehe.

Die Großeltern Werners, der Syndikus Dr. Ludwig Werner und seine Frau Margarete Werner, geborene Sonnenthal, wohnten ganz in der Nähe, in der Konstanzer Straße 56. Die Großmutter nahm sich am 3.9.1942 das Leben, sein Großvater wurde im November 1942 nach Theresienstadt deportiert und nahm sich dort Anfang Dezember ebenfalls das Leben. Da war Werner 7 Jahre alt.

In der „Vermögenserklärung“ vom 8.1.1943, im Namen von Werner René Israel Benjamin ausgefüllt, eine knappe Woche vor seiner Deportation, war bei „Wertpapiere“ angegeben, dass der 8-jährige Junge 28.000 Reichsmark bei der Preußischen Staatsbank besaß, offenbar ein Erbe des Vaters.
Einen Tag nach der Vermögenserklärung, am 9.1.1943, hatte der Stiefvater Kurt Rosenberg - „anläßlich meiner Wohnsitzverlegung nach Theresienstadt“ - einen so genannten „Heimeinkaufsvertrag H“ für das Ghetto Theresienstadt für Werner unterschrieben. Diese Verträge, die unter der Mitwirkung der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland zustande kamen, sollten einerseits den Charakter des Ghettos Theresienstadt und andererseits den Vermögensraub an den Juden verschleiern. Die „Kosten für die Gemeinschaftsunterbringung“ wurden mit 27.900 RM angegeben und entsprachen damit dem Vermögen des Jungen. Das Vermögen des Kindes wurde nach seiner Deportation zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen.

Am 13.1.1943 wurde Werner Benjamin - zusammen mit seiner Mutter und seinem Stiefvater - nach Theresienstadt deportiert. Fast acht Monate, vom Februar bis Ende September 1944, gab es keine Weitertransporte aus Theresienstadt in andere Lager. Erst im Herbst 1944 setzte erneut eine Welle von elf Transporten in verschiedene Konzentrationslager ein (28.9.1944 bis 28.10.1944).

Kurt Rosenberg wurde am 28. September 1944 weiter nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Eine Woche später - am 4. Oktober 1944 - wurden Werner und seine Mutter Lotte Rosenberg (verw. Benjamin) ebenfalls nach Auschwitz deportiert. Sie kamen zu einem Zeitpunkt in Auschwitz-Birkenau an, als die Liquidierung des Lagers schon begonnen hatte. Die Krematorien reichten zur Verbrennung nicht mehr aus, so dass Leichen in Gruben und auf Scheiterhaufen verbrannt wurden. Von den 1500 Menschen, die am 4.10.1944 Theresienstadt verließen, haben 128 überlebt. Werner Benjamin und seine Mutter sind ermordet worden.


Verfasserin:
Anning Lehmensiek (2012)

Informationsquellen:
Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam: Rep. 36 A II Nr. 31604 und Rep.36 A II Nr. 39742
Landesarchiv Berlin: B Rep. 025-04 Nr. 2670/55 und B Rep. 025-04 Nr. 960/57
Auskunft der stellvertretenden Direktorin des Centrum Judaicum Berlin, Dr. Chana Schütz
Miroslav Karny, Die Theresienstädter Herbsttransporte 1944, in: Theresienstädter Studien und Dokumente, Praha und Berlin 1995, S. 7 – 37
Andrzej Strzelecki, Endphase des KL Auschwitz. Evakuierung, Liquidierung und Befreiung des Lagers, Osíwięcim 1995, S. 116 ff.

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Theresienstadt
Glossarbeitrag Auschwitz