Sie befinden sich hier | Kapitelüberschrift  Suche
Schriftgroesse verkleinern Schriftgroesse normal Schriftgroesse vergrössern
Diese Seite ausdrucken

Ilse Laufer, *1926

Eingewiesen 1937 Waisenhaus Hamburg, 1939 Kinderheim Beelitz, deportiert 1942 Ghetto Warschau
ermordet


Faulenstraße 45
Bremen-Mitte

Verlegedatum: 30.09.2014


Faulenstraße 45 - Weitere Stolpersteine:


Ilse Laufer

geb. 14.7.1926 in Bremen

Ilse Juliane Laufer war die Tochter von Leon Laufer (geb. 1900) und Irma Laufer, geb. Hirschberg (geb. 22.10.1899). Die 1925 geschlossene Ehe ihrer Eltern wurde 1932 geschieden, sie wuchs bei ihrer Mutter auf.

Aus dem weiteren Verlauf ihres Schicksals kann der Schluss gezogen werden, dass sie vermutlich in ihrer geistigen Entwicklung zurückgeblieben war. Im April 1937 kam sie in das jüdische Waisenhaus Hamburg, Laufgraben 37, und wurde am 14.7.1939 im jüdischen Kinderheim in Beelitz/Brandenburg aufgenommen.

Das Beelitzer Kinderheim wurde 1908 zur Unterbringung, Erziehung und Ausbildung geistig zurückgebliebener, jedoch bildungsfähiger Kinder, gegründet. Bis 1933 blieb es die einzige jüdische Einrichtung, die Hilfsschulkinder aufnahm. Die Gestapo ordnete 1942 den zwangsweisen Verkauf der Einrichtung durch die Reichsvereinigung der Juden an, damit die NSDAP dort eine BDM-Haushaltungsschule einrichten konnte. Sie sicherte die vorherige Räumung der Anstalt zu.

In Vorbereitung der Deportationen mussten für die Kinder Vermögenserklärungen abgegeben werden. Sie waren die wichtigste Grundlage der Finanzbehörden bei der Aneignung jüdischen Vermögens. Sally Bein, der Leiter, füllte sie für seine Schützlinge aus und unterschrieb sie am 6.4.1942 in diesem Fall mit dem Zusatz "für die Heimschülerin Ilse Sara Laufer, die zur Ausfüllung des Fragebogens nicht befähigt ist. Der Unterhalt für die Heimschülerin Ilse Sara Laufer ist bisher von der Jüdischen Kultusvereinigung zu Berlin..., Wohlfahrts- und Jugendpflegestelle, gezahlt worden." Die noch vorhandene Akte endet mit dem behördlichen Vermerk von März 1943, dass keine verwertbaren Vermögensgegenstände festgestellt werden konnten. Zu diesem Zeitpunkt war Ilse Laufer bereits tot.

Am 14.4.1942 wurde die erste Gruppe mit 24 Kindern und Jugendlichen, zwei Erziehern, der Köchin und einer Kindesmutter zur Deportation zusammengefasst. Unter ihnen war auch die 15-jährige Ilse Laufer. Der 13. Berliner Transport mit insgesamt 940 Menschen erreichte am 16.4. das Ghetto Warschau. Dort verliert sich ihre Lebensspur.

Am 2.6.1942 wurde die zweite und letzte Gruppe mit 23 Kindern und mehreren Erwachsenen deportiert, unter ihnen der Leiter Sally Bein mit seiner Ehefrau und Tochter. Als Ziel des 14. Berliner Transports, dem die Gruppe aus Beelitz angeschlossen war, wurde Generalgouvernement angegeben. Das Gedenkbuch des Bundesarchivs führt Sobibor als Deportationsziel auf.

Ilse Laufers Mutter, Irma Hirschberg, war im KZ Ravensbrück interniert und wurde am 18.3.1942 in Bernburg ermordet. Ihr Vater Leon Laufer wurde am 22.12.1944 in das KZ Neuengamme überstellt, wo sich seine Lebensspur verliert.

Verfasser:
Peter Christoffersen (2014)

Informationsquellen:
Staatsarchiv Bremen, Einwohnermeldekartei
Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam, Pr.Br.Rep.36A Oberfinanzpräsident Berlin-Brandenburg Nr. 4723)
Andreas Paetz, Die Israelitische Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder in Beelitz. In: Sieglind Ellger-Rüttgardt (Hrsg.): Verloren und Un-Vergessen, Weinheim 1996, S. 311–334
CVZ, Nr. 42 vom 20.10.1938 (in: Internetarchiv jüdischer Periodika - www.compactmemory.de)
www.statistik-des-holocaust.de (Transportlisten Berlin)
Bundesarchiv, Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945
Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück (Hg.), Gedenkbuch für die Opfer des Konzentrationslagers Ravensbrück 1939 - 1945, Berlin 2005