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Hans Bieber, *1890

DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ, ERMORDET


Marterburg 29b
Bremen-Mitte

Verlegedatum: 14.04.2026


Marterburg 29b - Weitere Stolpersteine:


Hans Bieber

Hans Bieber

Hans Bieber wurde am 25.11.1890 in Hagen/Westfalen geboren. Sein Vater Moritz Bieber, geboren am 3.4.1862, stammte aus Lünen bei Köln und war von Beruf Postassistent. Seine Mutter Emma, geb. Wolff, wurde am 27.2.1859 in Kommern bei Bonn geboren. Die Familie wohnte in Hagen in der Goldbergstraße 3.

Am 16.7.1921 heiratete Hans Bieber, der jüdischen Glaubens war, in Köln die am 11.10.1896 in Neuwangerooge bei Varel geborene konfessionslose Margarete Meierkord. Sie wohnten in Köln in der Spiechernstraße 63. Hans Bieber arbeitete zu der Zeit als Bankbeamter.

Seine Frau Margarete war eine von fünf Töchtern von Ernst-Heinrich Meierkord und dessen Frau Anne-Catharine, geborene Böse. Sie hatte auch einen Bruder, der wie sein Vater Ernst-Heinrich hieß. Die Meierkords führten einen Ziegeleibetrieb in Bösel/Westerloh bei Oldenburg, der noch bis 1967 produzierte.

1922 wurde Erika geboren; Hans und Margarete Biebers erste Tochter. Hannelore, die zweite Tochter, wurde 1924 geboren. Sohn Walter kam 1928 zur Welt. Bis Anfang Juli 1926 wohnte die Familie in Köln, dann zog sie nach Bösel. Walter Bieber, der einzige Sohn, starb Anfang 2007. Er war in Bösel geblieben und betrieb dort Landwirtschaft. Er hat einen Sohn und eine Tochter, die jedoch 2017 starb.

Hans Biebers Ehe mit Margarete dauerte nur 13 Jahre; die Ehefrau starb am 21.10.1934 im Alter von 38 Jahren in Oldenburg. Um die drei Kinder kümmerte sich die Familie seiner Frau in Bösel. Zu der Zeit lebten dort ihr Vater Ernst Meierkord Senior, der die Ziegelei führte, und Margaretes Bruder, Ernst Meierkord Junior, mit seiner Frau Minna. Das Paar hatte keine eigenen Kinder.

Auch eine weitere Tante, Alma, hatte ein Auge auf die Drei, und sorgte dafür, dass Hans Biebers Sohn Walter nicht für die Kriegs-Kinderarbeit eingesetzt wurde. Die Schwestern Erika und Hannelore hatten weniger Glück; sie wurden zum Dienst eingeteilt und mussten Lokomotiven putzen.

Hans Bieber, der zu der Zeit als Süßwaren-Vertreter tätig war, besuchte seine Kinder des Öfteren. Weil er Jude war, wohnte er aber nicht bei den Meierkords, sondern in der benachbarten Siedlung in der Friesoyther Straße. Nach seinem Umzug von Bösel nach Bremen am 17.5.1939 bezog er seine erste Wohnung in der Marterburg 29b. Auf seiner Meldekarte wird er als „Arbeiter“ geführt, weil er seinen ursprünglichen Beruf zu dem Zeitpunkt nicht mehr ausüben durfte.

Hans Bieber wurde das erste Mal 1938 deportiert. Weil er in Bösel, so muss vermutet werden, durch seine Tätigkeit als Süßwarenhändler nach der Progromnacht am 9. November nicht greifbar war, kam er erst am 6.12.1938 unter der Häftlings-Nr. 28946 in das KZ Buchenwald. Drei Tage später wurde er wieder entlassen.

Die relativ kurze Zeit – etwa zwei Jahre – die Hans Bieber in Bremen verbrachte, war geprägt durch sechs sicher nicht freiwillige Umzüge. Seine Vermieter waren ausschließlich Juden; und letztlich musste Hans Bieber von einem sogenannten „Judenhaus“ zum anderen umziehen. Darunter waren die Wilhelmshavener Straße 3, die Isarstraße 33 und unmittelbar vor seiner Deportation nach Theresienstadt am 23.7.1942 die Wiesenstraße 2.

Zum Zeitpunkt der Deportation der Bremer Juden in das Ghetto Minsk am 18.11.1941 wohnte Hans Bieber in der Isarstraße 33. Neun Personen aus diesem Haus standen auf der entsprechenden Deportationsliste. Warum er verschont blieb, ist nicht bekannt. Von der Deportation war befreit, wer sich in einem „geschlossenen Arbeitseinsatz“ befand. Möglicherweise leistete er zu dem Zeitpunkt Zwangsarbeit in einem für die Kriegswirtschaft wichtigen Betrieb.

Hans Bieber wurde am 23.7.1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort kam der Transport VIII/1, nr. 629 am 24.7.1942 über Hannover an. Etwas über zwei Jahre später, am 28.9.1944, wurde er vom Ghetto mit dem Transport Ek, nr. 1240 nach Auschwitz deportiert. Einen Tag später kam er dort an. Hans Bieber wurde in Auschwitz ermordet. Sein Todestag ist nicht bekannt.

Seine beiden Töchter lernten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs englische Soldaten kennen und wanderten aus. Erika heiratete den Briten Leonard Stevens und ging mit ihm nach Afrika, wo er als Ingenieur arbeitete. 1956 kamen sie zurück und wohnten vorübergehend bei Erikas Tante Alma in Oldenburg, bis sie in England ein Haus gefunden hatten. Sie haben zwei Töchter, die in England leben. Erika starb 2021.

Hannelore, die den Nachnamen Beaves führte, verließ Ende der 1940er-, Anfang der 1950er-Jahre mit ihrem Mann John ebenfalls Deutschland. Sie zogen zunächst nach Schottland, später nach England. Hannelore starb 2012.

Hans-Ulrich Brandt (2026)

Informationsquellen:
StA Bremen, Einwohnermeldekartei
Stadtarchiv Hagen
Stadtarchiv Köln
NLA OS Rep439, Nr. 2878
Aussagen von Familienangehörigen

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Theresienstadt
Glossarbeitrag Auschwitz