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Walter Köster, *1908

MEHRFACH VERURTEILT § 175 STGB
1944 LAGER ESTERWEGEN, TODESMARSCH 1945, GEFLOHEN / VERHAFTET, ERMORDET 18.4.1945 IHRHOVE


Essener Straße 1
Bremen-Neustadt

Verlegedatum: 14.04.2026

Walter Köster

Walter Köster

Emil Wal­ter Kös­ter wur­de am 15.6.1908 in Bre­men ge­bo­ren. Er wuchs in der Es­se­ner Stra­ße auf, die auch sei­ne letz­te Mel­deadres­se war. Sein Va­ter ver­starb im Mai 1919; sei­ne Mut­ter hei­ra­te­te 1923 er­neut. In den Jah­ren 1923 und 1924 war Wal­ter Kös­ter „Zög­ling“ im Ka­lands­hof in Ro­ten­burg/Wüm­me, ei­ner evan­ge­li­schen Er­zie­hungs­an­stalt des Ro­ten­bur­ger Für­sor­ge­ver­eins. Nä­he­re Um­stän­de die­ses Auf­ent­halts sind bis­her nicht be­kannt. Nach Abschluss der Volksschule begann Walter Köster eine Klempnerlehre, die er jedoch nicht beendete. Stattdessen fuhr er als Schmierer und Heizer zur See.

Im Juni 1941 wur­de er in die Kriegs­ma­ri­ne ein­ge­zo­gen und auf dem Sperrbrecher 8 bei Brest eingesetzt. Am wurde 1.7.1942 zum Ma­schi­nen­ge­frei­ten be­för­dert. Als sol­cher war er für die Be­die­nung und In­stand­hal­tung der Ma­schi­nen an Bord der Kriegs­schif­fe zu­stän­dig.

Wal­ter Kös­ter wur­de seit 1935 mehr­mals we­gen „se­xu­el­ler Hand­lun­gen mit Män­nern“ (§175a StGB) ver­ur­teilt. In Brest wurde er im Januar 1941 wegen „sexueller Handlungen mit Männern“ (§175a StGB) festgenommen. Marinekriegsgerichtsrat Hortmann verurteilte ihn vor einem Bordgericht zu einem Jahr Gefängnis und verfügte, dass er in den Stand eines Matrosen II herabgesetzt wurde.

Im Oktober 1943 kam es zu einer weiteren Anklage, die sich wieder auf den §175a StGB stützte. Das Verfahren lief über mehrere Monate, in denen Köster in verschiedenen Gefängnissen inhaftiert war. Obwohl die Zeugen ihre bei der Polizei gemachten Aussagen vor Gericht zurückzogen und den Angeklagten mehrfach zu entlasten versuchten, wurde Walter Köster im Sommer 1944 schließlich vor dem Kriegsgericht in Wilhelmshaven zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt und aus der Wehrmacht entlassen. Die Zeit der Untersuchungshaft wurde ihm nicht angerechnet. Grundlage für das Urteil waren die Einschätzung des Bremer Kriminaloberkommissars Fischer, der die Zeugen für unglaubwürdig befand, sowie ein pseudowissenschaftliches Gutachten der Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität.

Am 13.10.1944 verfügte der Oldenburger Oberstaatsanwalt Kösters Einweisung in das Straflager VII Esterwegen im Emsland. Die Gefangenen dieses Lagers wurden zu schwerer Zwangsarbeit in umliegenden Betrieben und in der Landwirtschaft gezwungen. Die Ernährung war unzureichend und die Gefangenen waren willkürlichen Misshandlungen durch die Wachmannschaften ausgesetzt. In den ersten Monaten in Esterwegen verlor Walter Köster über acht Kilogramm Gewicht, sodass er bei einer Körpergröße von 1,70 m bald weniger als 60 Kilogramm wog.

Am 25.3.1945 soll­te er in das Zucht­haus Cel­le über­stellt wer­den. Dazu ist es je­doch nicht ge­kom­men. In den letz­ten Kriegs­ta­gen be­gan­nen die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten da­mit, die La­ger zu räu­men. Auch die Häft­lin­ge der 15 Ems­land­la­ger wur­den auf so­ge­nann­te To­des­mär­sche ge­trie­ben. Die Ge­fan­ge­nen des Straf­la­gers VII muss­ten zu­sam­men mit den Ge­fan­ge­nen des La­gers Bör­ger­moor in das etwa 25 km ent­fern­te Col­ling­horst mar­schie­ren. Un­ter­wegs ge­lang meh­re­ren Häft­lin­gen die Flucht; so auch Wal­ter Kös­ter.

Er wur­de we­ni­ge Tage spä­ter, um den 11./​12.4.1945, völ­lig ent­kräf­tet im Wald bei Ih­r­ho­ve in der Ge­mein­de West­over­le­din­gen von zwei jun­gen Frau­en auf­ge­fun­den und anschließend im Feu­er­wehr­haus eingesperrt. Er wur­de ärzt­lich ver­sorgt, doch es gibt auch Be­rich­te über Miss­hand­lun­gen durch den Orts­po­li­zis­ten. Am 18. April hol­ten ihn zwei Wach­leu­te, die als Auf­se­her im Ems­land­la­ger Aschen­dor­fer­moor tä­tig wa­ren, und brach­ten ihn un­ter den Au­gen der Be­völ­ke­rung auf den na­he­ge­le­ge­nen Fried­hof. Dort er­schos­sen sie den 36-jäh­ri­gen Wal­ter Kös­ter und be­gru­ben ihn an­schlie­ßend am Ran­de des Fried­hofs.

Die Wach­män­ner muss­ten sich in ei­nem Ver­fah­ren vor dem bri­ti­schen Mi­li­tär­ge­richt in Ol­den­burg ver­ant­wor­ten. Ei­ner der bei­den An­ge­klag­ten nahm sich am 30.12.1945, dem Tag der Ur­teils­ver­kün­dung, in sei­ner Zel­le das Le­ben. Der an­de­re An­ge­klag­te kehr­te ein Jahr spä­ter nach West­over­le­din­gen zu­rück, sprach al­ler­dings mit sei­ner Fa­mi­lie nie über die Tat. Die Ak­ten des Ver­fah­rens sind ver­schol­len, so dass nicht nach­voll­zo­gen wer­den kann, ob es zu ei­nem Ur­teils­spruch ge­kom­men ist.

Nach dem Krieg ver­an­lass­te Wal­ter Kös­ters Mut­ter die Um­bet­tung ih­res Soh­nes, der am 1.10.1945 auf dem Fried­hof Bun­ten­tor in der Bre­mer Neu­stadt bei­ge­setzt wur­de.

Auf Initiative der Nachkommen eines der Täter wurde 2025 auf dem Friedhof in Ihrhove ein Denkmal errichtet, das an den Mord an Walter Köster erinnert.

Anja Hasler (2026)

Informationsquellen:
Adams, Her­mann: „Er­schos­sen am 18. April 1945 in Ih­r­ho­ve – West­over­le­din­gen“. Do­ku­men­ta­ti­on, West­over­le­din­gen 2018
Bra­k­mann, Tho­mas: „Er­schos­sen in den letz­ten Kriegs­ta­gen“ (4.12.2018), in: Os­na­brü­cker Ge­schichts­blog, URL: https://hvos.hypotheses.org/2358 (Stand: 28.9.2025)
Ge­mein­de West­over­le­din­gen: Denk­mal für Emil Wal­ter Kös­ter (2025), URL: https://www.westoverledingen.de/freizeit/denkmaeler-kriegsgraeber/denkmal-fuer-emil-walter-koester (Stand: 28.9.2025)
KZ-Ge­denk­stät­te Es­ter­we­gen: „Die Ems­land­la­ger“, URL: https://www.gedenkstaette-esterwegen.de/geschichte/die-emslandlager/ (Stand: 29.9.2025)
NLA OS, Rep 947 Lin I Nr. 542 fol. 57R, zi­tiert nach Bra­k­mann: „Er­schos­sen in den letz­ten Kriegs­ta­gen.“

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