Sie befinden sich hier | Kapitelüberschrift  Erinnerungsportal | Biografie
Schriftgroesse verkleinern Schriftgroesse normal Schriftgroesse vergrössern
Diese Seite ausdrucken

Biografie im Erinnerungsportal, kein Stolperstein vorhanden

Ida Lewin, geb. Hamlet, *1878

1941 deportiert Ghetto Minsk, Ermordet


Isarstraße 33
Bremen-Neustadt

Ida Lewin


Ida Lewin war die Tochter von Joseph Hamlet (geb. 1843 in Schlötmar) und Johanna Hamlet, geb. Blank (geb. 1852, gest. 1921). Sie war mit Max Lewin (geb. 1872 in Filehne/Posen, gest. 1909 in Delmenhorst) verheiratet. Die beiden schlossen am 29.1.1903 in Nürnberg die Ehe. Sie hatten einen Sohn: Alfred, geb. 1904 in Fürth/Bayern. Das Ehepaar lebte seit 1908 in Delmenhorst in der Mühlenstraße 144.

Ida Lewin war Putzmacherin und führte ein eigenes Putzgeschäft in Delmenhorst in der Lange Straße 110. Ihr Ehemann war in der kurzen Zeit bis zu seinem Tode Inhaber des Warenhauses Gebrüder Wolff in der Lange Straße 129. Ihr eigenes Geschäft entwickelte sich gut. Im Zuge der Verdrängung der jüdischen Bürger aus dem Wirtschaftsleben in Deutschland musste sie ihr Geschäft jedoch am 1.8.1938 abmelden.

Im Februar 1940 verfügte die Gestapo Wilhelmshaven, dass sämtliche Juden in den Gebieten Ostfrieslands und Oldenburgs diese bis zum 1.4.1940 zu verlassen hätten. Ida Lewin gelang es, noch vor ihrer Vertreibung aus Delmenhorst Teile ihres Hausstandes und einige Möbel zu verkaufen. Sie wurde nach Bremen abgeschoben und meldete sich am 4.4.1940 im Doventorsteinweg 59 an. Im September 1940 konnte sie noch ein Gewerbe anmelden: Änderung von Hüten (nur für Jüdinnen). Am 31.10.1941 musste sie zwangsweise in das "Judenhaus" Isarstraße 33 umziehen.

Am 18.11.1941 wurde sie von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert. Dort wurde sie ermordet: Sofern sie nicht den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto erlag, fiel sie einer der Massenmordaktionen, die Ende Juli 1942 begannen, zum Opfer.

Ihr Sohn Alfred konnte rechtzeitig nach Kolumbien auswandern und lebte dort in Bogotá. Er war Pianist von Beruf und war 1938/39 aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen worden. In der Emigration konnte er sich nur sehr mühsam mit seinem Beruf durchschlagen. Im Juli 1957 kehrte er mit seiner Familie nach Hamburg zurück. Alfred Levin war zu diesem Zeitpunkt schon schwer krank. Er verstarb am 14.8.1957.

Die Verlegung eines Stolpersteines ist geplant.

Peter Christoffersen (2025)

Informationsquellen:
StA Bremen, Akte 4,54-E10859, 4,54-Rü5407, Einwohnermeldekartei
www.grabsteine.genealogy.net
Meyer, Enno: Geschichte der Delmenhorster Juden 1695-1945, Oldenburg 1985
Weissweiler, Eva: Ausgemerzt!, Köln 1999

Weitere Informationen:
Glossarbeitrag Minsk